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Parchim: Traditionelles Museumsfest mit lebendiger Geschichte : Quicklebendiges Stadtmuseum

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Noch waren alle Protagonisten des Heimatbundes gar nicht in ihre historischen Kostüme geschlüpft, als bereits vor 15 Uhr Dutzende Neugierige in den einladend offenen Hof des Stadtmuseums strömten.

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erstellt am 25.Jul.2011 | 11:37 Uhr

Noch waren alle Protagonisten des Heimatbundes gar nicht in ihre historischen Kostüme geschlüpft, als bereits vor 15 Uhr Dutzende Neugierige in den einladend offenen Hof des Stadtmuseums strömten. So verkniffen sich die beiden Museumsmitarbeiter eine offizielle Eröffnung und ließen die Angebote des bereits traditionellen Museumsfestes - einschließlich Speis und Trank sowie frisch geräucherter Forellen - kurzerhand für sich sprechen.

Und diese Museumsfest-Attraktionen gefielen vor allem durch die einfühlsam humorige Präsentation beispielsweise von Edda Schulz, welche in der mittelalterlichen Tracht einer Waschfrau des bis heute ländlich geprägten Parchimer Stadtteils Slate u.a. die slawischen Siedlungsursprünge erläuterte.

"So wird Geschichte lebendig", schwärmten die Besucher aus nah und fern auch bei der Begegnung mit Steffi Schröder, die anmutig die Gemahlin des Stadtgründers Heinrich Borwin aus dem frühen 13. Jahrhundert verkörperte. Das authentische Kleid der Christine von Schweden sei einem zeitgenössischen Holzschnitt nachgeschneidert, erklärte Steffi Schröder, die für ihre Rolle viel Sympathie erntete.

Natürlich durfte im Reigen der historisch Kostümierten aus Parchims Stadtgeschichte auch Mark Riedel in der Uniform des legendären preußischen Feldmarschalls Graf von Moltke nicht fehlen. Stolz merkte der Vereinsvorsitzende nebenher an, dass dem Parchimer Heimatbund mittlerweile 88 Mitglieder angehören, die nicht nur in Pütt und Umgebung, sondern im gesamten Bundesgebiet und sogar in Österreich zu Hause sind.

Ein waschechter Pütter wie der von ihm verkörperte Plattdütsch-Dichter Rudolf Tarnow ist und bleibt Wolfgang Westphal. "Diesmal hole ich die Interessierten ausnahmsweise hier am Museum zu einem Spaziergang auf den Spuren Tarnows ab", meinte der pensionierte Kunst- und Deutschlehrer, der seine speziellen Stadtführungen sonst meist am zentral gelegenen Moltke-Standbild beginnt.

Auf dem Museumshof zeigten derweil Harald und Daniel Ramelow die uralte Handwerkskunst des Kupferschmiedes, wobei die Parchimer Dachdecker auch bereitwillig "Geheimnisse" preisgaben. Wer die Geduld aufbrachte, der mühsamen hämmernden Prägung eines Kupferbleches zuzusehen, welche in mindestens einer Tagesschicht das Porträt eines Lanz Bulldog-Treckers entstehen ließ, der erfuhr, dass die vielgestaltig ausgeführten Meißel "Punzen" genannt werden und - im Gegensatz zu den Sticheln des Kupferstechers - ganz und gar nicht scharf und spitz sein dürfen. Das von Vater und Sohn hobbymäßig verarbeitete Kupferblech war übrigens Abfall ihres Dachdecker- bzw. Dachklempnerberufes, das ihnen "einfach zu schade für den Schrott" gewesen ist.

Dass in scheinbar achtlos am Wege zu findenden Dingen ungeahnter Nutzen stecken kann, veranschaulichte auch wieder Klaus Möller bei der beliebten Verkostung von Zichorien-Kaffee, wie er einstmals in Parchim aus den Wurzeln einer Kulturform der heut noch fast allgegenwärtigen Wegwarte hergestellt wurde. Ein ganz ähnliches Heißgetränk - allerdings aus Gerstenkörnern, die sie zunächst in Wasser einweicht und ankeimen lässt, um sie zu mälzen und anschließen zu rösten - stellt Kerstin Schwarz daheim in Tessenow für ihren Eigenbedarf her. So kamen die Inhaberin des Parchimer Potpourri-Lädchens und der ehemalige Biolehrer beim Museumsfest spontan zum ausgiebigen Fachsimpeln.

Der Parchimer Bildchronist Willy Voß dagegen hatte an diesem Nachmittag kaum Muße zum Plaudern, sondern alle Hände voll mit der Verbesserung seiner Sonderausstellung zu tun, die noch für einige Zeit das Stadtmuseum bereichern wird. Aufmerksame Betrachter seiner "Querbeet"-Präsentation von heimatgeschichtlich aufschlussreichen Schnappschüssen aus fast 60 Jahren Fotoleidenschaft hatten den Schöpfer nämlich auf kleine Unzulänglichkeiten wie etwa Zahlendreher in den Begleitschriften hingewiesen, die der rüstige Rentner flugs eigenhändig korrigierte. Mehr noch, der 71-Jährige nahm spontan und ungeachtet der Besucher letzte Verbesserungen an der Ausstellung mit vollem Körpereinsatz vor. So viel Engagement scheint übrigens symptomatisch für alle haupt- und ehrenamtliche Museumsmacher. Das bleibt natürlich auf Dauer auch dem Publikum nicht verborgen und wird in persönlichen Gesprächen sehr wohlwollend honoriert.

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