Quelle-Schnäppchen sind oft keine

<fettakgl>In den  Quelle-Ausverkauf</fettakgl> sind  auch die rund 80 Quelle Technik Center  wie hier das in Hamburg und die rund 1200 Quelle-Shops einbezogen. <foto>Foto: dpa</foto>
In den Quelle-Ausverkauf sind auch die rund 80 Quelle Technik Center wie hier das in Hamburg und die rund 1200 Quelle-Shops einbezogen. Foto: dpa

svz.de von
06. November 2009, 05:24 Uhr

Keine Schlangen, kein Geschrei, keine genervten Kunden sind zu sehen - und trotzdem tobt auf der Internetseite "www.quelle.de" seit Tagen ein erbitterter Kampf um Fotoapparate, Waschmaschinen und Schreibtische. Nachdem das Traditionsunternehmen aus dem bayerischen Fürth zahlungsunfähig geworden war, haben die Insolvenzverwalter im Internet knallrote Hinweisschilder aufgehängt: "Alles muss raus", ist darauf zu lesen, darunter "Deutschlands größter Abverkauf". Und Schnäppchenjäger aus ganz Deutschland stürmten das Internetgeschäft - am ersten Schlussverkaufstag am vergangenen Sonntag gaben rund 60 000 Kunden eine Bestellung ab. Als die Finanzkrise den Versandhändler noch nicht getroffen hatte, lag der Verkaufsrekord bei 40 000 Kunden an einem Tag.


Internet-Konkurrenz unterbietet viele Preise mit Leichtigkeit

Dabei verschenken Verbraucher oft bares Geld, wenn sie den virtuellen Ausverkauf stürmen: "Das Preisniveau bei Quelle war in den letzten Jahren sehr hoch, daher sind die jetzt um zehn bis dreißig Prozent reduzierten Preise immer noch höher als beim Wettbewerb", warnt Christian Rude loff vom Preisvergleichsportal "guenstiger.de". Die Preisrechercheure haben zahlreiche Artikel im Quelle-Shop mit marktüblichen Preisen verglichen - der Flachbildfernseher Philips 52PFL5604H kostet beispielsweise bei Quelle.de mit Rabatt 1348,99 Euro, nachdem er vorher 1499,99 Euro gekostet hat. Der günstigste Internethändler "notebooksbilliger.de" verlangt dagegen 1049,00 Euro - ohne Rabatt zahlen Kunden hier trotzdem fast 300 Euro weniger.

Ähnlich drastische Preisunterschiede sind auch in anderen Produktgruppen zu finden. Quelle bietet in seinem Internetgeschäft den Camcorder Sony HDR-XR520 für 1348,99 Euro an - der günstigste Mitbewerber im Internet verlangt einen um 35 Prozent günstigeren Preis, nämlich 999 Euro. Die Mikrowelle Severin 7842 soll bei Quelle mit Rabatt 78,99 Euro kosten, ein anderer Versandhändler hat das Gerät zum Normalpreis von 62,90 Euro im Angebot. "Die Quelle-Preise befinden sich zum Teil im Bereich der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers. Das kann die Internet-Konkurrenz meist leicht unterbieten", so Guenstiger.de-Sprecher Christian Rudeloff.Verbraucher sollten beim Kauf im Quelle-Internetgeschäft deshalb einen kühlen Kopf bewahren: "In den nächsten Wochen wird Quelle wahrscheinlich weiter reduzieren. Möglicherweise kann mann dann als Verbraucher tatsächlich echte Schnäppchen machen. Die besten Produkte sind dann aber möglicherweise auch schon ausverkauft", warnt Preisexperte Rudeloff. Schon jetzt ist neben vielen Artikeln im Webshop das Wort "vergriffen" zu lesen. Vor allem "weiße Ware" wie Waschmaschinen oder Kühlschränke könnten derzeit nicht bestellt werden, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters.

Verbraucherschützer in Sorge über Verbleib der Kundendaten

Quelle-Kunden sollten zudem bedenken, dass zum heutigen Zeitpunkt nicht abzusehen ist, wohin ihre Kundendaten eines Tages gegeben werden: Mehrere Zeitungen berichteten, dass der Insolvenzverwalterdie acht Millionen Datensätze im Zuge der Unternehmens-Abwicklung zu Geld machen könnte: "Der Insolvenzverwalter muss dafür sorgen, dass Kundendaten nach Abwicklung aller Vertragsbeziehungen gelöscht werden", fordert der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Gerd Billen. Grundsätzlich dürften Unternehmen die Daten der Kunden allerdings nach dem sogenannten "Listenprivileg" verkaufen, räumte der Verbraucherzentrale Bundesverband ein. Daten wie Name, Anschrift, Geburtsjahr und die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kundengruppe seien nicht geschützt und dürften weiterverkauft werden. Allerdings ist nicht geklärt, ob das Listenprivileg im Konkursfall gilt. Kunden sollten deshalb vorsorglich der Datenweitergabe widersprechen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen