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Land steckt in diesem Jahr neun Millionen Euro in den Bau neuer Strecken : Qualitätsmängel im Radwegenetz

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Freie Fahrt für Radler: MV erweitert mit Millionenaufwand das Radwegenetz. Für neun Millionen Euro sollen in diesem Jahr Radstrecken entlang von Bundes- und Landesstraßen gebaut werden, kündigte das Ministerium an.

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erstellt am 04.Jan.2011 | 08:36 Uhr

Schwerin | Freie Fahrt für Radler: Mecklenburg-Vorpommern erweitert mit Millionenaufwand das Radwegenetz. Für neun Millionen Euro solle in diesem Jahr das Radstreckennetz entlang von Bundes- und Landesstraßen gebaut werden, kündigte das Verkehrsministerium an. Bereits im vergangenen Jahr war das Wegenetz um 55 Kilometer erweitert worden. Kosten: neun Millionen Euro. "Wir sind beim Radwegebau gut vorangekommen", meinte Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD). "Je besser das Radwegenetz ausgebaut wird, desto mehr Menschen fahren Rad. Außerdem wird das Fahrradfahren durch neue Radwege sicherer." Hinzugekommen waren 2010 unter anderem die Strecken zwischen Dreilützow und Pogreß (Landkreis Ludwigslust), das erste Teilstück eines geplanten Radwegs auf der ehemaligen Bahnstrecke von Rechlin bis Mirow sowie die Strecke zwischen Güstrow und Gutow. Darüberhinaus sind dem Wirtschaftsministerium zufolge im vergangenen Jahr 4,5 Millionen Euro in 15 touristische Radwege gesteckt worden. Zwischen 1992 und 2009 seien rund 140 Millionen Euro in solche Strecken investiert worden.

"Gebaut wird, wo die Gemeinden am lautesten schreien"

MV zählt zu den beliebtesten Radreisezielen in Deutschland. Das Radewegenetz umfasst insgesamt 2200 Kilometer. Zudem sind mehr als 5100 Kilometer als touristische Radrouten ausgeschildert. Radfahrern reicht das Engagement dennoch nicht: Allein die Kilometerzahl sei nicht der Maßstab, kritisierte Thomas Möller, Landesvorsitzender das Allgemeinen Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) in MV. Das Streckennetz in MV leide unter erheblichen Qualitätsproblemen: "Hier ein Kilometer, dort ein Kilometer - wo Radwege nicht durchgängig sind oder Radfahrer ständig die Straßenseite wechseln müssen, ist es gefährlich." Zudem wehre sich das Land gegen den Bau von so genannten Querungshilfen auf den Straßen. Es fehle an einem Gesamtkonzept sowohl für straßenbegleitende Wege als auch touristische Routen. Bislang sei dort gebaut worden, "wo die Gemeinden am lautesten schreien", sagte Möller. Dabei sei Geld auch in Wege gesteckt worden, die eigentlich gar nicht notwendig seien. In Kommunen, die das Geld für die Kofinanzierung zum Bau touristischer Radrouten nicht aufbringen könnten, passiere aber gar nichts, kritisierte Möller und forderte eine entsprechend abgestimmte Landesplanung. Zudem gebe es erhebliche Probleme bei der Unterhaltung der Radwege, für die oft die notwendigen Mittel fehlten. Auch bei der Wegweisung gebe es Defizite. Die sei u. a. wichtiges Kriterium für die Zertifizierung von Radfernwegen. Während Brandenburg bereits neun Fernwege zertifizieren ließ und die Wege drei bis fünf Sterne verliehen bekommen haben, lehne es MV ab, sich daran zu beteiligen. Offenbar fürchte man, schlecht abzuschneiden, meinte Möller.

Dabei gehört der Radtourismus im Land zu den Wachstumsmärkten. Für fast die Hälfte aller Deutschen zählt Fahrradfahren zu den beliebtesten Urlaubsaktivitäten. Sie können in MV acht Radfernwege und 21 überregionale Rundwege nutzen. Jeder Radtourist gibt durchschnittlich rund 70 Euro täglich aus, für eine Radreise durchschnittlich 1200 Euro. Der Radtourismus ist mit geschätzten fünf Milliarden Euro Umsatz ein beträchtlicher Wirtschaftsfaktor in Deutschland. 29 Prozent der Einwohner Mecklenburg-Vorpommerns fahren täglich Fahrrad. Im Vergleich: Bundesweit sind es nur 19 Prozent.

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