Putenmastanlage sorgt für Ärger

 Landwirt Tim Zander mästet auf seinem Hof 24 000 Puten. Künftig sollen es 80 000 sein. Steffen Oldörp
Landwirt Tim Zander mästet auf seinem Hof 24 000 Puten. Künftig sollen es 80 000 sein. Steffen Oldörp

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16. Juni 2010, 09:38 Uhr

Nordwestmecklenburg | In der Gemeinde Hanshagen wächst der Widerstand gegen den Bau einer Putenmastanlage. Ein Landwirt plant, drei Ställe für 16 000 Putenhähne zwischen Rehna und Grevesmühlen zu errichten. Gegenwind bekommt er u. a. von Hanshagens Bürgermeister Bürgermeister Hans-Peter Voß. Das Gemeindeoberhaupt fürchtet Lärm, Gestank und einen Wertverlust von Grundstücken. "Wenn einzelne Unternehmen Gewinne erzielen wollen, ist das oft mit Nachteilen für hundert andere verbunden. Das wird meines Erachtens nicht immer ausreichend berücksichtigt", sagt Voß. Er kündigt zur Not auch rechtliche Schritte an, um die Putenmastanlage zu verhindern. "Wir sollten alle Möglichkeiten ausschöpfen, um dagegen vorzugehen."

Der 32-jährige Landwirt Tim Zander will die drei neuen Ställe errichten. Die Ausmaße eines Gebäudes: 120 Meter lang, fast 20 Meter breit. "Wir müssen unseren Betrieb vergrößern, da wir Schwierigkeiten haben, Flächen zu pachten. Der Konkurrenzkampf hier unter den Landwirten ist sehr groß", sagt Zander. Für ihn ist die neue Anlage die einzige Möglichkeit, um das Unternehmen zu vergrößern. Die Kosten für die Putenmastanlage belaufen sich auf fast 1,5 Million Euro.

Eine Mastanlage mit 8000 Puten betreibt Zander bereits auf seinem Hof in Büttlingen. In der neuen Anlage sollen ausschließlich Puter gemästet werden - die männlichen Tiere also. Sie brauchen etwa 21 Wochen, bevor sie schlachtreif sind.

Das letzte Wort, ob gebaut wird oder nicht, hat das Staatliche Amt für Umwelt und Natur in Schwerin. Und das hat bislang offenbar keine Bedenken gegen den Bau der Anlage. Denn nach ersten Prüfungen würden alle gesetzlich vorgeschriebenen Werte eingehalten. So soll die Anlage zum Beispiel 440 Meter entfernt zu den ersten Häusern in Sievershagen gebaut werden. Gesetzlich vorgeschrieben sind 360 Meter.

Über die Bedenken von Bürgermeister Voß ärgert sich nicht nur der Junglandwirt, sondern auch sein Vater Lutz Zander: "Viele wissen einfach nicht, worüber sie reden. Die sind einfach gegen alles. Wenn sie Fleisch essen wollen, dann müssen sie so etwas auch in Kauf nehmen, zumal wir hier auf dem Dorf leben."

Tim Zander will Bürgermeister Voß und andere, die Lärm und Gestank befürchten, auf seinen Hof einladen, "um ihnen zu zeigen, wovon wir überhaupt reden, dass es zum Beispiel nicht riecht." Denn seiner Meinung nach sind die Bedenken unbegründet.

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