Punktlandung im Dauerregen

Unter Zeitdruck und bei Schmuddelwetter war in der Nacht zu Sonntag an der Eisenbahnstrecke in der Lübecker Straße millimetergenaue Präzisionsarbeit gefragt: Bauarbeiter hievten eine 45 Tonnen schwere Hilfsbrücke genau über die Stelle, unter der jetzt die nicht nur von Anwohnern lang ersehnte Unterführung entstehen kann. SVZ beobachtete das Manöver.

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24. August 2008, 04:29 Uhr

Paulsstadt - Manfred Marucha schaut etwas sorgenvoll in das tiefe Erdloch. Dort, wo auf Höhe Lübecker Straße bis vor kurzem noch die regulären Bahnschienen verliefen, lassen knöcheltief im Matsch watende Schweißer die Funken sprühen, schaufeln Baggerfahrer unablässig Sand und jahrzehntelang verschüttete Mauerreste auf bereitstehende Laster. „Die Stahlträger-Konstruktion muss bis zum frühen Morgen stehen“, sagt Marucha von der Abeilung Projektbau der Deutschen Bahn und schaut auf die Uhr: 3.15 Uhr. Noch knapp drei Stunden ist die Bahnstrecke voll gesperrt, um eine für die Bauarbeiten an der Fußgängerunterführung notwendigen Hilfsbrücke über das Erdloch zu hieven und so zu befestigen, dass sie die bis zu 120 Tonnen schweren Lokomotiven trägt. „Der nächtliche Güterverkehr wird weitläufig umgeleitet, für die wenigen Personenzüge ist Schienenersatzverkehr eingerichtet“, sagt Marucha.

Um Kurz nach 5 Uhr wird es ernst: Die Träger für die Hilfsbrücke stehen, alle Spundwände sind mit Eisenträgern zusätzlich verstärkt, die in Fürstenberg/Havel gefertigte Hilfsbrücke liegt auf einer Spezialkran-Lokomotive bereit. Auf Kommando hebt sich das schwere Ungetüm einige Zentimeter in die Luft, die Seile, die es tragen, knirschen. Wie in Zeitlupe lassen die Kranführer die Brücke über die Erdmulde einschweben. Rudernde Arme, laute Zurife: „Zwei Zentimeter vor, sieben zurück“ – schließlich liegt der Koloss passgenau auf der Träger-Konstruktion. Projektleiter Manfred Mucha lächelt. Jetzt können das Loch mit Sand aufgefüllt, Schienen auf dem Brücken-Teil verlegt werden.

Fertigstellung des Tunnels verzögert sich bis Frühjahr Seit gestern Früh rollt der Schienenverkehr von und nach Schwerin laut Bahn wieder reibungslos. Bereits im Mai hatten die Tiefbauarbeiten für die Eisenbahnunterführung begonnen. Ursprünglich sollte das Bauwerk, dessen Kosten von insgesamt mehr als vier Millionen Euro von Bahn, Bund und Stadt getragen werden, bereits im November fertig sein. Mittlerweile spricht der amtierende OB Dr. Wolfram Friedersdorff. Grund: Im Untergrund wurden beispielsweise unerwartete Gesteinslagen vorgefunden, die die Arbeiten verzögern. Die Unterführung wird in der Mitte der Lübecker Straße auf einer Länge von 60 Meter die Gleise unterqueren, vier Meter breit sein und etwa 2,5 Meter hoch. An beiden Enden des Tunnels gibt es Treppen und einen Aufzug.

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