Pütter pumpen im All

„Wat Lütt ut Pütt makt baben mit“, können sich die Einheimischen Plattsnackers freuen, wenn sie am klaren Nachthimmel die Internationale Raumstation ISS als besonders hellen „Wandelstern“ entlang ziehen sehen. Acht patentierte Parchimer Mikrozahnringpumpen arbeiten seit kurzem im Weltall.

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23. April 2008, 08:50 Uhr

Parchim - Die kaum Kugelschreiber großen Hightech-Geräte aus Mecklenburg sind Teile eines Bio-Experiments an Bord des europäischen Weltraumlabors Columbus ESA, das im Februar von der US-Raumfähre „Atlantis“ auf die Erdumlaufbahn befördert wurde und inzwischen fest mit den übrigen Modulen der ISS verbunden ist.

Der Erforschung des Pflanzenwachstums in Abhängigkeit von der Schwerkraft diene die „eigentlich simple“ Versuchsanordnung mit dem Kürzel WAICO, bei der Keimlinge der weit verbreiteten und der Wissenschaft bestens bekannten „Acker-Schmalwand oder Schotenkresse“ beobachtet werden, erklärt Nicole Jokisch von der HNP Mikrosysteme GmbH. Unter Weltraumbedingungen würden die in der Natur stets mit derselben Drehung in Richtung Erdmittelpunkt wurzelnden Pflänzchen jedoch gezielt der Schwerelosigkeit bzw. abgestuften Gravitationskräften bis zu dem auf der Erdoberfläche Normalen ausgesetzt.

Parchimer Pumpe überzgeugte mit Maßen
Nach geraumer Zeit wird das Wachstum der Versuchspflänzchen „zum Erstarren gebracht“, um ihren Zustand mit dem einer Vergleichsgruppe auf der Erde untersuchen zu können. Hier nun kommt mzr-2921 ins Spiel. So lautet der geschützte Produktname der eingesetzten Mikrozahnringpumpen, welche synchron innerhalb eines festgelegten Augenblicks die exakt gleiche Menge eines Konservierungsmittels in die Minitreibhäuser geben.
Neben der Präzision und Robustheit des Systems gegenüber erdenklichen Umwelteinflüssen seien vor allem die geringen Ausmaße (75 mm Länge, Durchmesser 13 mm) und seine Masse von lediglich 56 Gramm für den Auftraggeber entscheidend gewesen, merkt Dipl.-Ing. Jana Hertel an. Denn jegliche Weltraumforschung der Menschheit benötige gegenwärtig für 1 Kilogramm Nutzlast immerhin 40 Kilogramm Raketentreibstoff.

Die mit 25 Lenzen Jüngste im derzeit 27-köpfigen Team der Parchimer Hightech-Schmiede (Durchschnittsalter 40,1) zeigt stolz noch weitere Anwendungsbeispiele der patentierten Mikropumpen-Technologie von medizinischen Laborrobotern etwa zur Blutproben-Analyse über Förder- und Dosieraufgaben mit wässrigen Lösungen und Lösungsmitteln bis hin zu Ölen, Schmierstoffen oder gar Medien so hoher Viskosität wie Honig oder die Komponenten moderner Kunstharze.
Unter dem Motto „micro meets macro“ (ganz Klein trifft ganz Groß) sind die Parchimer Pumpen-Winzlinge in ihren explosionsgeschützten Ummantelungen mittlerweile sogar mit Energie sparenden und Umweltrisiken minimierenden Aufgaben in gigantischen Dieselmotoren von Containerschiffen oder Flüssigkeitskreisläufen eines Schweizer Kernkraftwerks betraut.

Zusammengefügt werden die weltweit produzierten Einzelteile und Baugruppen der Pumpen übrigens ausschließlich in Parchim. SVZ durfte ausnahmsweise den Damen mit den „goldenen Händen“ im peinlichst sauberen Keller des Parchimer Innovations- und Technologiezentrums PITZ über die Schultern sehen. Zumeist unterm Mikroskop hantieren Maschinenbau-Dipl.-Ing. Marion Brumm, Feinmechanikerin Heidi Schrank und ihre Kolleginnen – alle weit jenseits der 40 – geschickt und einfühlsam u.a. mit keramischen Bauteilen, die kleiner sind als Streichholzköpfe und fein strukturiert wie Blumensamen.
„Wir sind froh, solche versierten Fachkräfte zu haben“, bekennen die Geschäftsführer Dr.-Ing. Thomas Weisener und Dr.-Ing. Gerald Vögele, welche mit ihrer – von dem legendären Drehkolbenmotor des deutschen Ingenieurs Felix Wankel 1933 inspirierten – Erfindung auf der Suche nach Wirtschaftspartnern zu den Parchimer Hydraulik Nord-Werkern fanden. Nächste Woche feiert die auch aus Konstrukteuren, Designern, einem promovierten Chemiker sowie Vertriebsingenieuren und Verwaltungsfachleuten bestehende Belegschaft mit ihren Angehörigen zehnjähriges Bestehen der HNP Mikrosysteme GmbH und freut sich schon auf die Präsentation ihres innovativen Unternehmens im Herbst. Wer jetzt schon neugierig ist, wird unter www.hnp-mikosysteme.de fündig.

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