Ausstellung "Opfer" in Güstrow : Provokant und schockierend

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„Ich bin bloß die Treppe heruntergefallen“ – dazu das Bild einer Frau mit einer blutigen Nase. Dieses und weitere Bilder der Ausstellung „Opfer“ sind von heute an bis zum 21. Oktober in Güstrow zu sehen.

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10. Oktober 2011, 11:56 Uhr

"Ich bin bloß die Treppe heruntergefallen" - dazu das Bild einer Frau mit einer blutigen Nase. Dieses und noch viele weitere Bilder der Ausstellung "Opfer" sind von heute an bis zum 21. Oktober in der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Güstrow zu sehen. In Zusammenarbeit mit dem Weißen Ring und Studenten der Bauhaus-Universität Weimar entstand 2003 diese Wanderausstellung. Derzeit reist sie durch Mecklenburg-Vorpommern.

Die zur Schau gestellten Bilder sollen schockieren, provozieren, vor allem wachrütteln. Denn immer noch werde zu sehr an die Täter gedacht, als an die Opfer. "Wir wollen mit der Ausstellung ein wichtiges Signal setzen. Unser Kernanliegen ist es, dass die Opfer von Gewalttaten nicht als Objekt der Rechtspflege angesehen werden, sondern als Menschen", sagt Andreas Kuessner vom Weißen Ring in Schwerin.

Ein aufgeräumtes Kinderzimmer, liebevoll eingerichtet - doch dieses Bild trägt den Titel "Folterkammer". Als Bildtext steht unter dem Bild: "Kinder werden nicht nur vom so genannten bösen Onkel missbraucht, sondern vor allem von vertrauten Menschen. Von Verwandten, Bekannten und Nachbarn. Verhindern Sie Missbrauch." "Häusliche Gewalt" und "Sexueller Missbrauch" sind Tabuthemen. An diese haben sich insgesamt 16 Studenten der Bauhaus-Universität Weimar unter Anleitung von Prof. Werner Holzwarth und Hochschuldozent Peter Gamper 2003 gewagt. "Die Studenten haben umfangreich recherchiert. Sie haben mit Kriminalbeamten und Opfern gesprochen sowie zahlreiche Vernehmungsprotokolle gelesen", so Kuessner.

Mehr als 100 Fotos sind dabei entstanden, die zu der Wanderausstellung "Opfer" gehören. Seit 35 Jahren hilft der Weiße Ring, ein gemeinnütziger Verein, Betroffenen von Gewalttaten - finanziell, aber vor allem mit Gesprächen und Betreuung. Zirka zwei Millionen Menschen konnte die Einrichtung bis heute helfen. "Wir wollen zum einen die Öffentlichkeit wachrütteln, damit sie nicht länger wegschaut. Und zum anderen wollen wir Opfern zeigen, dass sie nicht allein sind", so Andreas Kuessner. Er hofft, dass auch Lehrer mit ihren Schülern die Exposition besuchen. "Die Ausstellung ist für Schüler ab der achten Klasse geeignet:" Geöffnet ist die Ausstellung montags bis freitags in der Zeit von 10 bis 16 Uhr.

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