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Politische Spitzenvertreter sehen darin keinen Sinn : Proteste gegen die Abitur-Hebamme

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Im Landkreis Ludwigslust-Parchim stößt der Vorschlag zur Änderung der Berufsanerkennung für Krankenschwestern und Hebammen auf Protest. Künftig soll das Abitur die Aufnahmevoraussetzung für diese Heilberufe sein.

Ludwigslust | Auf entschiedenen Protest politischer Spitzenvertreter im Landkreis Ludwigslust-Parchim stößt der Vorschlag zur Änderung der Berufsanerkennung für Krankenschwestern und Hebammen, den die zuständige EU-Kommission diese Woche als Gesetzesentwurf vorgelegt hat: Künftig soll das Abitur als Aufnahmevoraussetzung für diese medizinischen Heilberufe zwingende Voraussetzung sein. Als Begründung dafür führen die Initiatoren aus Brüssel die gestiegenen beruflichen Anforderungen ins Feld. Das würde für alle Bewerber im EU-Bündnis für eine solche Ausbildung die Schulausbildung von zehn auf zwölf Jahre erhöhen (SVZ berichtete). Läuft dieser Vorschlag durch die EU-Institionen, greift die Reform ab dem Jahre 2015.

An der politischen Basis rührt sich aber bereits erster Unmut. Landrat Rolf Christiansen (SPD) kritisiert: "Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels auch in der Pflegebranche halte ich den Vorschlag der EU-Kommission schlicht für verfehlt. Außerdem bin ich sicher, dass die Qualität der gegenwärtigen Ausbildung in Pflegeberufen in Deutschland außerordentlich hoch ist und international zu Recht einen guten Ruf genießt. Ich sehe auch keinen Anlass, das Niveau der hiesigen Realschulbildung grundlegend in Frage zu stellen."

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels meint das CDU-Landtagsmitglied Maika Friemann-Jennert aus Dömitz, eine nicht leistbare Reform zu erkennen: "Politik und Gesellschaft müssen zudem möglichst vielen jungen Menschen eine berufliche Chance bieten. Dieser EU-Vorschlag ist völlig am Bedarf vorbei gefasst worden. Die Qualifikation soll nicht über das Staatsexamen hinaus in die Höhe geschraubt werden."

Als Amtsleiter und Bürgermeister in einer ländlichen Region sieht Kreistagsmitglied Burkhard Thees (FDP) aus Neu Kaliß den Reformvorschlag als "einen Schlag ins Gesicht bei dem derzeitigen Fachkräftemangel in der Fläche." Thees: "Im sich stetig verschlankenden Gesundheitswesen sind Herzblut für und Wissen um den Patienten mehr denn je gefragt. So werden noch mehr junge Menschen für Berufe ausgegrenzt, die bislang als ureigenste Chance von Real- und Hauptschülern auf eine gesicherte Zukunft gelten. Hier muss die Politik mit einer Stimme reagieren."

Andere Meinungen vertreten die Leiterin der Beruflichen Schule für Gesundheit und Krankenpflege der Krankenhaus Holding Westmecklenburg in Ludwigslust, Kirsten Langanki, und Gudrun Glander, für die praktische Ausbildung in Hagenow zuständig. Beide Fachkräfte sehen das Abitur für den Berufseinstieg als zwingend an, um den jungen Menschen einen europaweit geltenden Berufsabschluss zu ermöglichen. Die Ausbildung in Deutschland bedürfe einer Veränderung mit Weitsicht. Der derzeitige Zustand habe im Vergleich zu anderen 25 EU-Staaten einen mittelalterlichen Charakter. Die aktuellen Anforderungen an die bereits in vielen Bereichen eigenverantwortlich arbeitenden Pflegekräfte würden weiter zunehmen. Langanki und Glander plädieren für ein geändertes Niveau, räumen aber ein, dass nach der EU-Reform wohl nicht genügend junge Menschen den Beruf ergreifen würden. Und: Ist das alles zu bezahlen?, fragen sie.

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erstellt am 29.Dez.2011 | 06:30 Uhr

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