Protest vor KMG-Kliniken

So interpretiert das Pflegepersonal die Bedeutung von KMG. Gestern demonstrierten mehr als 200 Mitarbeiter des Güstrower Krankenhauses vor dem Haupteingang. Foto: Jens Griesbach
So interpretiert das Pflegepersonal die Bedeutung von KMG. Gestern demonstrierten mehr als 200 Mitarbeiter des Güstrower Krankenhauses vor dem Haupteingang. Foto: Jens Griesbach

Krankenschwestern schlagen Alarm. Seit Jahren bekamen sie keine Lohnerhöhung mehr, Wochenend- und Feiertagsdienste werden nicht mehr bezahlt und es fehlt an Pflegepersonal.

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21. August 2008, 02:30 Uhr

Güstrow/Bad Wilsnack - Junge Krankenschwestern müssen von 1000 Euro netto im Monat leben. Gestern machten sie ihrem Unmut bei einer „aktiven Mittagspause“ vorm Klinikum Luft. „Jetzt reicht’s!“, „Gerechtigkeit für Pflegekräfte“ oder „Gute Arbeit für wenig Lohn“ stand auf den Protestplakaten der mehr als 200 Demonstrationsteilnehmer vor dem KMG-Klinikum. Mit Buh-Rufen in Richtung Klinikleitung wollten sie Bewegung in die Verhandlungen über einen Entgelttarifvertrag zwischen der KMG und der Gewerkschaft verdi bringen, die im Juli ohne Ergebnis abgebrochen wurden.

Die Stimmung bei den rund 250 Krankenschwestern und Pflegern in Güstrow ist schlecht. „Wir wollen für unsere Arbeit auch angemessen bezahlt werden“, brachte es eine Krankenschwester des Güstrower Klinikums auf den Punkt. Das Haus gehört seit Ende 2004 zum Unternehmensverbund des in Bad Wilsnack ansässigen Gesundheitskonzerns.

Seit Jahren keine Gehaltserhöhung
Fast sieben Jahren lang habe es keine Gehaltserhöhungen gegeben. Das aktuelle Angebot der KMG Kliniken AG wird einhellig abgelehnt. Die hatte eine vierprozentige Erhöhung ab Oktober und eine nochmalige Anhebung um 3,5 Prozent ab 2010 vorgeschlagen, will aber gleichzeitig die Arbeitszeit auf 42 Wochenstunden anheben.

„Dadurch wird die Lohnerhöhung wieder aufgefressen. Für viele Beschäftigte würde sich unterm Strich sogar ein Minus ergeben“, so Detlev Follak vom verdi-Bezirk Rostock, der den Protest organisiert hatte. Verdi fordere für die rund 500 nichtärztlichen Beschäftigten des Klinikums unterdessen nicht eine Gehaltserhöhung von zehn oder 15 Prozent, unterstreicht Follak, sondern lediglich einen Ausgleich für die steigenden Lebenshaltungskosten.

Volker Kalwatz, Mitglied des Vorstandes der KMG-Kliniken AG und Verhandlungsführer in den Tarifverhandlungen mit verdi, zeigte sich vom gestrigen Güstrower Protest überrascht. „Wir sind immer zur Wiederaufnahme der Verhandlungen bereit, die einseitig von verdi und nicht von uns abgebrochen wurden“, so Kalwatz. Das bestätigte auf Nachfrage des „Prignitzers“ auch Dr. Wolfgang Neubert, Vorstandsvorsitzender des KMG Kliniken AG. Er selbst hatte gestern einem Protest vor dem Klinikum Kyritz beigewohnt.

Volker Kalwatz ergriff in Güstrow selbst das Wort und machte den KMG-Standpunkt gegenüber den Betroffenen klar. Eine Erhöhung der Gehälter sei zurzeit nur durch eine Erhöhung der Arbeitszeit zu kompensieren. Ein gellendes Pfeifkonzert der Krankenschwestern und Pfleger war die Antwort. Unterdessen verdeutlichte Wolfgang Neubert, dass ein konkretes Verhandlungsangebot derzeit nur von Arbeitgeberseite vorläge.

„Wir sind offen und kompromissbereit. Wir benötigen aber auch handfeste Vorschläge der Gegenseite“, so der Unternehmenschef. Er betont zudem, dass eine neue tarifliche Lösung nicht nur die Krankenschwestern an den Akutkrankenhäusern Güstrow und Kyritz, sondern in allen Kliniken und Pflegeeinrichtungen integrieren müsse. Der Konzern betreibt diese Unternehmensteile in allen neuen Bundesländern mit Ausnahme von Sachsen.

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