Protest der Blinden empfing Beck

Gudrun Buse forderte gegenüber Kurt Beck (r.) und Harald Ringstorff, dass das Blindengeld nicht gekürzt wird. Foto: Hans-Jürgen Kowalzik
Gudrun Buse forderte gegenüber Kurt Beck (r.) und Harald Ringstorff, dass das Blindengeld nicht gekürzt wird. Foto: Hans-Jürgen Kowalzik

Mit einer Mahnwache gegen die 40-prozentige Reduzierung des Blindengeldes durch das Land empfingen gestern Abend Mitglieder des Blinden- und Sehbehindertenvereins vor dem Bürgerhaus Güstrow den SPD-Bundesvorsitzenden Kurt Beck.

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04. August 2008, 09:31 Uhr

Güstrow - „Nahe bei den Menschen“ hieß gestern Abend im Güstrower Bürgerhaus die Dialogveranstaltung mit dem SPD-Bundesvorsitzenden und über 200 Kommunalpolitikern aus dem Land. Noch näher als sie kamen Beck zum Abschluss seiner eintägigen Reise durch Mecklenburg-Vorpommern aber die blinden und sehbehinderten Menschen, die vor dem Bürgerhaus gegen die Kürzung des Blindengeldes in MV durch die CDU-SPD-Regierung protestierten.

Anne-Liese Reuschell, bei der die Fäden der Organisation zur Mahnwache zusammen liefen: „Das Blindengeld darf nicht gekürzt werden. Wir sparen damit nicht, um unsere Enkel und Urenkel zu versorgen, sondern wir brauchen das Geld, um unsere Nachteile auszugleichen. Wenn es wirklich von 546 auf 333 Euro reduziert wird, werde ich mir einige Blindenhilfsmittel, die die Kassen auch schon nicht mehr bezahlen, nicht mehr leisten können“, erklärte die 83-Jährige der SVZ.

Auch Günter Spiegelberg müsste kürzer treten, könnte vor allem seinen geistig-kulturellen Interessen nicht mehr so nachgehen wie bisher. Er empfindet daher das Thema „Nahe bei den Menschen“ mit einem eventuellen Kanzlerkandidaten der SPD, Beck, als Affront gegen behinderte Menschen.

Manfred Besicke, der als Mitglied der Arbeitsgruppe Gesundheit und Soziales des Beirates für behinderte und chronisch kranke Menschen in Güstrow vor das Bürgerhaus kam, fordert, dass sich solche Politiker wie Kurt Beck endlich einen realistischen Durchblick verschaffen, wie arme Menschen in einem „Sozialstaat“ immer weiter ins Abseits gedrängt werden, um dann zur Tat zu schreiten, das zu verändern.

Bernd Rohsmannek rief Kurt Beck zu: „Wir brauchen ihre Hilfe.“ Kurt Beck, der sofort aus seinem Auto stieg, als er den Protest erblickte, antwortete jedoch, dass die Zahlung dieses Mehraufwandsausgleichs eine Landesleistung sei, in die der Bund nicht eingreifen könne. Beck sagte aber an der Seite von Ministerpräsident Harald Ringstorff, der erklärte, dass gegenwärtig alle Leistungsgesetze aus Einspargründen geprüft würden, man habe die Mahnung gehört und sie sei angekommen. Beck betonte weiter, dass aber an der besseren Versorgung von Blinden und Sehbehinderten gearbeitet werde. So gehe es in einer Aktion „Barrierefreiheit“ im übertragenen Sinne künftig auch um Geräte. Beck kündigte an, dass das 2009 auf Elektronikschauen in Berlin und Hannover ein bestimmendes Thema sein werde.

Aufregung hatte es vor dem Eintreffen von Kurt Beck gegeben, weil die Teilnehmer der Aktion außerhalb des Bürgerhaus-Geländes protestieren mussten. Das sei eine Forderung der Sicherheitsbeamten gewesen, erklärte Pächter Axel Wulff, habe sich aber nicht gegen die Bürger gerichtet. Er habe darauf keinen Einfluss gehabt. Die Protestierenden fühlten sich trotzdem an die Seite geschoben und nicht fair behandelt, war Gudrun Buse, Landesvorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins, enttäuscht.

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