Projekt BOJE: Neue Chance für Schulabbrecher

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19. August 2008, 09:27 Uhr

Nordwestmecklenburg - Es werden wohl keine Musterschüler sein, die von September an wieder die Schulbank drücken. Doch für sie könnte das Projekt BOJE der Weg raus aus Hartz IV und hinein in die Ausbildungs- und möglicherweise Arbeitswelt sein. Damit sie es schaffen, stehen nicht nur Unterricht und Praktika an, sondern auch eine intensive Einzelbetreuung.

Denn eins wurde bereits bei ähnlichen Projekten im Kreis Ludwigslust und Schwerin deutlich: Einige Absolventen waren bereits straffällig oder hatten Suchtprobleme. In einem anderen Fall war ein Schüler schlichtweg überfordert, als sein Kühlschrank defekt war. Er wusste nicht mehr weiter...

„Eine intensive Betreuung in einem Netzwerk mit anderen Institutionen, wie dem Fachdienst Jugend und Soziales, der Arge oder Psychologen ist das Erfolgsrezept der Maßnahme“, verdeutlicht Peter Hadeball von der Fortbildungsakademie der Wirtschaft. Nach seinen Angaben hatten beispielsweise im Kreis Ludwigslust 25 von 35 Absolventen die Prüfung bestanden.

Bis zur Prüfung ist es für die jungen Arbeitslosen in Nordwestmecklenburg ein weiter Weg. 1560 Kursstunden in zwölf Monaten liegen vor ihnen. Sie büffeln wieder Mathe, Deutsch, Physik und andere Fächer wie kaufmännisches Rechnen.

Sie absolvieren darüber hinaus Praktika in Betrieben mit dem Ziel, letztlich einen Ausbildungsvertrag in der Tasche zu haben. „Gerade die Mischung zwischen Theorie und Praxis plus intensive Betreung hat uns an diesem Projekt gereizt“, sagt Roland Hollmann von der Kreisvolkshochschule.

Zahlen müssen die Absolventen für die BOJE-Teilnahme keinen Cent. Die Arge Nordwestmecklenburg stellt pro Monat und Teilnehmer 670 Euro Lehrgangsgebühr zur Verfügung. „Das ist richtig und im Sinne des Steuerzahlers“, verdeutlicht Arge-Chefin Waltraud Michael.

Das Ziel sei die dauerhafte Integration ins Erwerbsleben statt Daueralimentierung. Ohne Schulabschluss, ohne Berufsabschluss seien nur Hilfstätigkeiten oder die Dauerarbeitslosigkeit drin. Derzeit gibt es in Nordwestmecklenburg 484 Jugendliche, die das Arbeitslosengeld II beziehen. Fast jeder Fünfte von ihnen hat keinen Schulabschluss.

Dass Arge, FAW und die Kreisvolkshochschule jungen Menschen das BOJE-Projekt als Rettungsanker anbieten, ist auf die Initiative von Landrat Erhard Bräunig zurückzuführen.

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