Profifußball und Wies`n

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28. September 2010, 10:10 Uhr

Rostock/Frankfurt/Main | Mit über 1200 waren mehr als doppelt so viele Polizisten beim Drittliga-Spiel Hansa Rostock - Eintracht Braunschweig (2:1) als beim Münchner Oktoberfest! Vor der Partie war es zu Randalen gekommen, bei denen - wie berichtet - nach Polizeiangaben durch Aktionen 200 gewaltbereiter Gäste-Fans u.a. der Zugverkehr am Rostocker Bahnhof für 45 Minuten lahmgelegt worden war. Im Stadion wurden im Gäste-Block Feuerwerkskörper und Böller gezündet. Im Rostocker Fan-Block gab es Ausschreitungen dieser Art nicht. Insgesamt waren laut Polizeibericht 917 Beamte der Landespolizei und 290 Beamte der Bundespolizei im Einsatz.

17 verletzte Polizisten gab es tags zuvor nach einem Gedränge auf der Treppe nach Abpfiff beim Bundesliga-Nordderby Werder Bremen - Hamburger SV.

Und die Politik diskutiert mal wieder, ob sie das alles noch bezahlen soll. Hamburgs Innensenator Heino Vahldieck (CDU) will Veranstalter von Fußballspielen und auch von Konzerten möglichst bald in die Pflicht nehmen. Im Herbst soll die Innenministerkonferenz von Bund und Ländern darüber beraten. Der Senator hofft auf eine bundeseinheitliche Regelung nach dem Hamburger Vorbild: Der schwarz-grüne Senat hatte im Zuge des Sparpakets der Stadt beschlossen, sich die Polizeieinsätze bei kommerziellen Veranstaltungen mit mehr als 5000 verkauften Eintrittskarten zumindest teilweise erstatten zu lassen.

Vahldiecks Vorstoß stößt bei den Bundesliga-Clubs, der DFL sowie den Drittligisten vehement auf Ablehnung. Hansa Rostocks Vorstandsvorsitzender Bernd Hofmann meint dazu: "Wir kommen unserer Pflicht im Stadion nach und das auch mit vielen zusätzlichen Kräften, die wir bezahlen müssen", sagte er. "Wer sich in unserem Stadion nicht an die Spielregeln hält, wird bestraft." Was darüber hinaus gehe, sei Sache der Polizei und des Staates.

Wolfsburgs Manager Dieter Hoeneß reagierte auf Vahldiecks Vorstoß erbost: "Das habe ich schon 180 Mal gehört. Da sind ein paar, die sich auf Kosten des Fußballs profilieren wollen." Bremens Clubchef Klaus Allofs verwies auf die DFL, die "da seit Jahren eine eindeutige Position vertritt. Da hat sich nichts verändert." Beim Nord-Duell gegen den HSV hatte Werder erstmals einen Bus-Dienst zwischen Bahnhof und Weserstadion für die HSV-Fans organisiert und bezahlt. "Das ist ein Entgegenkommen an die Stadt Bremen und betrifft nicht unsere grundsätzliche Einstellung zu der Finanzbeteiligung der Clubs", so Allofs. Schalkes Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Peter Peters hält die Polizeikräfte für eine "klare öffentlich-rechtliche Aufgabe": "Beim Oktoberfest oder der Cranger Kirmes werden auch nicht die Veranstalter aufgefordert, die Polizeieinsätze zu bezahlen." Auf der Wiesn sind derzeit übrigens täglich 300 Polizisten im Einsatz, 200 zudem im Umfeld des Festgeländes.

Die DFL hatte schon vor dem Sicherheitsgipfel im April in Berlin ihre Position vehement vertreten. "Wir sind nicht bereit, Teilkosten zu übernehmen. Wir wollen uns diese Diskussion, die sich bei Castor-Transporten oder einem G8-Gipfel noch nie gestellt hat, nur ungern überstülpen lassen", hatte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert damals erklärt. Er verwies auf die 1,7 Milliarden Euro brutto, die an Steuern und Abgaben jährlich aus dem Profi-Fußball in die öffentlichen Kassen fließen. Nach der McKinsey-Studie "Wirtschaftsfaktor Bundesliga" beteiligt sich die öffentliche Hand mit rund 200 Millionen Euro an den anfallenden Kosten für Bundesligaspiele.

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