Private Schulen unerwünscht? - Trotz Zulaufs: Verband beklagt politische Hürden

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27. August 2008, 09:19 Uhr

Schwerin - Dass sich am Sonnabend die Türen der „Greenhouse School“ in Graal-Müritz öffnen, daran hatte Schulleiterin Hilla Pedersen schon fast nicht mehr geglaubt. Wegen verzögerter Gutachten hätte das Projekt der Integrierten Gesamtschule in freier Trägerschaft beinahe um ein Jahr verschoben werden müssen, obwohl der Antrag bereits im November 2007 gestellt worden war.

Bis kurz vor Schuljahresbeginn wussten Eltern, Lehrer und Schüler nicht, woran sie sind. Doch dann kam Mitte August doch noch die Genehmigung. „Wir freuen uns, dass es jetzt losgehen kann“, sagt Hilla Pedersen. Die Ganztagsschule, die in ein leerstehendes Schulgebäude zieht, hat sich zum Ziel gesetzt, die Kinder durch mehr Unterricht und mehr Zeit zum Lernen individuell zu fördern.

Eltern reagieren auf Schließungen
Das Interesse an solchen Angeboten wächst – trotz Schulgeldes. „Die Zahl der Anträge bewegt sich auf hohem Niveau“, sagt Christian Schneider, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Privatschulen (VDP) Nord. Eltern reagierten damit auf die Bildungsmisere und Schließungen staatlicher Schulen. Umso mehr ärgert sich der Verband über verzögerte Genehmigungsverfahren durch das Bildungsministerium.

Private Initiativen würden ausgebremst, kritisiert Schneider. Dazu passe auch die geplante Kürzung der Mittel für Private in MV um fast 20 Prozent. Dem hat Bildungsminister Henry Tesch (CDU) bereits widersprochen: Die vorgesehene schülerbezogene Mittelzuweisung für private wie auch staatliche Schulen solle Chancengleichheit gewährleisten.

Dass über private Einrichtungen erst kurz vor Schuljahresbeginn entschieden wird, ist allerdings keine Ausnahme. Vor den Ferien hatten von 17 Antragstellern erst vier Gewissheit. Inzwischen ist klar: Für 2008/09 hat das Ministerium zwei Neugründungen genehmigt, sodass es jetzt 71 freie allgemeinbildende Schulen in MV gibt.

Vier Anträge lehnte die Behörde ab, über die weiteren hat sie noch nicht entschieden. Unter anderem musste das Schuldorf Ventschow bei Sternberg seine Hoffnung begraben, am Montag starten zu können.

Mit dabei ist dagegen die von Eltern initiierte Freie Schule Glowe auf Rügen, die noch knapper als die Einrichtung in Graal-Müritz grünes Licht bekam. Allerdings nicht vom Ministerium, sondern vom Oberverwaltungsgericht.

Nach Angaben des Träger-Vereins „Rügener Schul(t)räume“ hat das Gericht am Dienstag die Öffnung genehmigt und damit die Beschwerde des Bildungsministeriums nach erster Instanz zurückgewiesen. 55 Kinder und vier Lehrkräfte haben nun Klarheit.

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