Preiskampf der Apotheker

Droht eine Flut der Apotheken in Güstrow? Zwei  gibt es  am  Markt, nun kommt  DocMorris hinzu.Collage: SVZ
Droht eine Flut der Apotheken in Güstrow? Zwei gibt es am Markt, nun kommt DocMorris hinzu.Collage: SVZ

DocMorris kommt nach Güstrow. Im November soll am Markt eine Filiale der nach eigenen Angaben größten Versandapotheke Europas eröffnet werden. Die hiesigen Apotheker befürchten einen Verdrängungswettbewerb.

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29. September 2008, 08:14 Uhr

Güstrow - Vis-a-vis der Schlossapotheke will Barbara Buschbeck im November eine DocMorris-Apotheke eröffnen. Im Schaufenster am Markt 13 werden per Aushang Mitarbeiter dafür gesucht. Barbara Buschbeck führt seit 1993 eine Apotheke in Sievershagen und ging im Frühjahr eine Kooperation mit DocMorris ein. „Wir nutzen den Bekanntheitsgrad der Marke“, sagt die Apothekerin. Dafür zahle sie eine Lizenz. In Sievershagen habe sie einen Zuwachs von rund 30 Prozent erreichen können.

Freiverkäufliche Medikamente zum Versandpreis
Güstrow sieht sie als guten Standort. „Der Markt ist hier nicht so erschlossen wie anderswo“, meint Buschbeck und rechnet 3000 Einwohner auf eine Apotheke. Den Kunden verspricht sie „im freiverkäuflichen Bereich dauerhaft günstige Preise wie im Internethandel von DocMorris“. Bei Rezepten würden Kunden ebenso zuzahlen wie in anderen Apotheken.

Es wäre die zweite DocMorris-Apotheke in Mecklenburg-Vorpommern. In anderen Bundesländern, so berichtet Falk Wilhelm, hat sich Europas größte Versandapotheke schon ein bereiteres Netz geschaffen. Eine Betriebserlaubnis liege ihm noch nicht vor, aber er wisse von dem Vorhaben. „Es ist eine durch einen Inhaber geführte Apotheke so wie jede andere, also behandeln wir sie auch wie jede andere“, betont der Geschäftsführer der Apothekerkammer MV. „Nichts Besonderes“, meint Wilhelm und weiß doch, dass das Vorhaben vor Ort Unruhe schafft. Fakt sei aber, dass es in Deutschland eine Niederlassungsfreiheit gibt. Die wolle auch niemand in Frage stellen.

„Unnötig wie ein Kropf“, kommentiert Apotheker Christian Frankenstein. Es gebe in Güstrow keine Versorgungslücke. DocMorris würde die Kundschaft bei rezeptfreien Medikamenten über Sonderangebote locken. „Aber wir“, so Frankenstein, „kalkuliere dort, wo man kalkulieren kann, z. B. bei Kosmetik, schon lange fair.“ Er setzt auf seine Stammkundschaft und deren Treue.

Justus Lange findet eine dritte Apotheke am Markt genau gegenüber einer Apotheke mit langer Geschichte schon ziemlich dreist. Der Apotheker vom Wall fürchtet sich nicht vor der Konkurrenz. Er habe die Preise für bestimmte Produkte schon einmal verglichen und denkt, dass es der Preis allein nicht macht. „Die Güstrower wollen bei uns freundlich behandelt und kompetent beraten werden“, sieht Lange den springenden Punkt im Umgang mit den Kunden. Dennoch denkt er, dass sich die hiesigen Apotheker auf einen Preiskampf einstellen müssen.

„Neun Apotheken gibt es in Güstrow. Das ist genug“, sagt Wolfgang Link. Der Inhaber der Marktapotheke spricht von einem reinen Verdrängungswettbewerb, der in Güstrow entfacht werden könnte. DocMorris sei als Billiganbieter hochgejubelt, doch das stimme nur zum Teil, meint Link.

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