Preise fallen, Tonnen bleiben

Rund 8000 blaue Tonnen hat die SAS im Stadtgebiet verteilt.
Rund 8000 blaue Tonnen hat die SAS im Stadtgebiet verteilt.

Talfahrt bei den Altpapier-Preisen: In den vergangenen Monaten rutschte der Weltmarktpreis von mehr als 70 auf aktuell 0 Euro pro Tonne. Viele Schweriner fragen sich: Was wird jetzt aus den blauen Tonnen vor der eigenen Haustür? Sie werden weiter kostenlos abgeholt, versprechen die Entsorger. Auch der Müllpreis soll stabil bleiben.

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16. Dezember 2008, 07:26 Uhr

Schwerin | Der so genannte Euwid gibt im 14-tägigen Rhythmus den aktuellen Stand des Altpapierpreises auf dem Weltmarkt an. Für eine Tonne Altpapier in so genannter B12-Qualität gab es demnach Anfang des Jahres gut 70 Euro pro Tonne, von Februar bis April sogar knapp 80 Euro. Im Mai sank der Preis auf 60, im Juni auf 50 und im November schließlich auf 10 Euro. Im Dezember ist die Tonne Altpapier B12 so gut wie gar nichts mehr wert.

Genau ein Jahr ist es her, da begann in Schwerin der so genannte Altpapier-Krieg. Den Recycling-Rohstoff einzusammeln und zu vermarkten versprach damals ein lukratives Geschäft. Quasi über Nacht wurden blaue Altpapiertonnen aufgestellt. Die privaten Entsorger Gollan und Alba waren die ersten, die ihr Glück vor Schweriner Haustüren versuchten. Die SAS, die in Schwerin bislang nur die Container an den Sammelstellen entsorgt hatte, zog wenig später nach. Inzwischen hatten auch die Stadtvertreter das Hol system für Altpapier in Schwerin verabschiedet.

Ohne weitere Vertragsbindung oder Entgelte werden seitdem die alten Zeitungen, Verpackungen oder Kataloge in den blauen Tonnen im Vier-Wochen-Rhythmus vom jeweiligen Entsorger abgeholt. Die SAS stellt mit mehr als 8000 Tonnen den Löwenanteil im Stadtgebiet. Viele Schweriner entschieden sich vor einem Jahr bewusst für die Tonnen der kommunalen SAS, weil mit den Einnahmen aus den Altpapier-Verkäufen die Gebühren für den Hausmüll niedrig gehalten werden sollten, so damals Hugo Klöbzig, Werkleiter der Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin, in deren Auftrag die SAS das Altpapier einsammelt. Doch was wird aus den Müllgebühren, wenn auf dem Altpapier-Markt nichts erwirtschaftet wird? "Eine Erhöhung für Schwerin ist nach unseren Kalkulationen frühestens 2011 geplant", so Klöbzig. Allerdings müssten wegen der wegfallenden Papier-Einnahmen nun anderswo im Unternehmen Kosten eingespart werden, um die Preise stabil zu halten. "Wir werden versuchen, die Logistik zu verbessern, vielleicht können wir auch die großen Container, die jetzt nicht mehr so stark genutzt werden, in einem anderen Rhythmus entleeren", so Klöbzig.

Dass die Schweriner auf ungeleerten blauen Tonnen sitzen bleiben, schließt SAS-Geschäftsführer Dr. Mathias Kühne aus. Schließlich seien die Tonnen nicht aus Profitgründen, sondern als Dienstleistung aufgestellt worden. Außerdem habe die SAS langfristige Verträge abgeschlossen, so dass sie von den aktuellen Schwankungen nicht ganz so hart getroffen werde. Grund für den Einbruch des Altpapierpreises ist laut Mit-Geschäftsführer Matthias Hartung die Finanzkrise: "Die Finanzierung der Überseetrans porte haben bislang vor allem Banken und Versicherungen übernommen, das ist heute kaum mehr möglich." Konsequenz: Zu viel Altpapier bleibt in Europa, dort kommt es zu einem Angebotsüberhang, die Preise fallen. Aber: "Das aktuelle Preisniveau wird wahrscheinlich nur von kurzer Dauer sein", so Dr. Mathias Kühne.

Auch der private Altpapier-Entsorger Alba will trotz Preis einbruchs dranbleiben. "Das wirtschaftliche Risiko lag und liegt auf unserer Seite", so Niederlassungsleiter Ralf Drexler. "Wir werden unsere Tonnen definitiv weiter abfahren."

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