Schulzentrum Stralendorf: Schülerfirma "Lernen - Wissen - Leben" : Praxistest im Schulalltag

Entwickeln in der Schülerfirma auch ihre Kochkünste weiter: Peter Schuhmann, Danny Neumann, Paul Röpert, Jessica Klug, Caroline Ruppach, Stefanie Gappisch (v.l.). Werner Mett
Entwickeln in der Schülerfirma auch ihre Kochkünste weiter: Peter Schuhmann, Danny Neumann, Paul Röpert, Jessica Klug, Caroline Ruppach, Stefanie Gappisch (v.l.). Werner Mett

18 Neunt- und Zehntklässler haben die Schülerfirma "LWL" übernommen und wollen am Gymnasialen Schulzentrum in Stralendorf an alte Erfolge dieser am Gymnasium Pampow gegründeten Firma anknüpfen.

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04. Mai 2011, 11:07 Uhr

Sie drücken noch die Schulbank, sind aber schon als Geschäftsleute tätig: 18 Neunt- und Zehntklässler haben die Schülerfirma "Lernen - Wissen - Leben" (LWL) übernommen und wollen am Gymnasialen Schulzentrum in Stralendorf an alte (Geschäfts-)Erfolge dieser am Gymnasium Pampow gegründeten Firma anknüpfen. "Das ist natürlich eine Herausforderung", sagt Jessica Klug. Die 16-Jährige aus Stralendorf wurde von ihren Mitstreitern an die Spitze des Unternehmens gestellt, das sich vor allem darum kümmert, Nachhilfeunterricht für Schüler aller Altersgruppen zu organisieren.

Die Idee, die dahinter steht, ist simpel: Leistungsstarke Schüler helfen anderen, Defizite auszugleichen. "Mathe, Deutsch, Fremdsprachen - die Hauptfächer sind am meisten gefragt, wenn es darum geht", erzählt Gabriele Wöstenberg, die betreuende Lehrerin. Doch es ist nicht so einfach, Schüler zu finden, die das übernehmen. "Wir können nicht jeden Wunsch nach Nachhilfestunden erfüllen, weil uns die Betreuer fehlen", berichtet Jessica Klug. Immerhin sind es derzeit 17 Jugendliche, die etwa 40 Schülern helfen, Stoff nachzuholen und so Wissenslücken zu schließen. Dieser Nachhilfeunterricht erfolgt dabei immer nach Absprache mit dem entsprechenden Fachlehrer. "In den allermeisten Fällen ist das erfolgreich", berichtet Gabriele Wöstenberg.

Doch was sich so einfach anhört, muss exakt organisiert sein. Es gibt Einzel-, Doppel- und Gruppenunterricht. Dafür sind pro Unterrichtsstunde drei bis fünf Euro zu bezahlen. Das ist vertraglich zwischen den Eltern und der Schülerfirma geregelt. "In den Gesprächen mit den Eltern werden wir als Erwachsene gesehen, als Partner ernst genommen", stellt Jessica Klug fest. "Das war für mich eine ganz neue Erfahrung." Und weil Geld fließt, muss natürlich die Kasse stimmen. Dafür ist Paul Röpert (ebenfalls 16) aus Wittenförden zuständig. "Das meiste Geld erhalten die Nachhilfelehrer", erläutert er. "Von jeder Stunde fließt ein Euro in die Firmenkasse. So werden die laufenden Kosten gedeckt." Gewollt und erlaubt ist ein kleines Plus am Schuljahresende, von dem die Mitstreiter der Schülerfirma gemeinsam essen gehen.

Essen ist dabei auch das Stichwort für das zweite Projekt, dem sich die Jugendlichen stellen. Sie sind dabei, einen kleinen Catering-Service aufzubauen. Bei Veranstaltungen in ihrer Schule, in der Gemeinde oder auch von Vereinen übernehmen die LWL-Leute diesen Service. "Wir richten aber keine privaten Feiern aus", schränkt Jessica Klug ein. Denn auch hier gilt: Im Vordergrund steht, zu lernen, sich in einem Geschäftsfeld zu behaupten. Beim Catering heißt das: Absprachen mit dem Auftraggeber über Umfang und Speiseplan des Menüs; kalkulieren, einkaufen, Zubereitung in der Schulküche, servieren, abrechnen. Nagelprobe dafür war der Jahresempfang von Gemeinde und Dorfverein Stralendorf. Die wurde erfolgreich gemeistert.

Neben ersten Einblicken in den Wirtschaftsalltag erhalten die Akteure in der Schülerfirma zudem auch Noten. "Derzeit läuft sie als Wahlpflicht-Unterricht", berichtet Wöstenberg. "Das hat neuen Schwung gebracht." Denn LWL wurde bereits 2002 am damaligen Gymnasium in Pampow gegründet und entwickelte sich zu einem Erfolgsmodell. In Pampow gab es sogar Englisch- und Computerkurse für Erwachsene und Tanzunterricht für alle. Beim IHK-Wettbewerb der Schülerfirmen erreichten die Pampower erste Plätze in Mecklenburg-Vorpommern und ganz Norddeutschland. Doch die sinkenden Schülerzahlen in Pampow und der etappenweise Umzug durch die Fusion mit der Stralendorfer Regionalschule schränkten das Betätigungsfeld ein. "Die Schülerfirma hat es aber immer gegeben", betont Wöstenberg, die persönlich viel Kraft und Herzblut in das Projekt steckt. Die Lehrerin ist zuversichtlich, dass das neue Team frischen Schwung in die Schülerfirma bringt. "Es läuft ja bereits sehr gut." "Ich mache hier mit, weil die anderen Wahlpflichtangebote mich nicht so überzeugt haben", berichtet Caroline Ruppach (16) aus Stralendorf. "Später will ich mal im Marketing arbeiten. Deshalb kümmere ich mich darum." Event-Management heißt der Studienwunsch von Stefanie Gappisch aus Stralendorf. "Da passt dieses Projekt bestens", betont die 17-Jährige. Alle Mitstreiter betonten, dass sie bei LWL auch dann weiter mitmachen, wenn es nicht mehr auf ihren Stundenplänen steht. Dann wird die Firma nach Schulschluss geführt - so wie es bei ihren Vorgängern der Fall war. Und von denen wissen sie noch etwas ganz Entscheidendes: In den Bewerbungsunterlagen für einen Studien- oder Ausbildungsplatz macht sich der Nachweis über die Mitarbeit in einer Schülerfirma bestens.

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