Präsidentenberater auf Werftsuche

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13. August 2009, 12:08 Uhr

Neue Hoffnung für die Wadanwerft in Wismar und Rostock-Warnemünde: Die beiden Gazprom-Manager Igor Jussufow und dessen Sohn Witalij wollen für 40,5 Millionen Euro die Wadan-Werften kaufen. Doch wer sind die beiden Werftenretter?

Der neue Kauf-Interessent Igor Jussufow wurde 1956 im Derbent, in der russischen Teilrepublik Dagestan geboren. Er studierte an der Fakultät für Energie in Nowotscherkassk und 1991 an der Akademie für Außenhandel. Anfang der 1990er-Jahre arbeitete Jussufow in der Stiftung des damaligen russischen Vizepräsidenten Aleksandr Ruzkoj, der sich mit Präsident Boris Jelzin überwarf. Seit 1991 war Jussufow als Beamter in hohen staatlichen Ämtern und Unternehmen tätig. Zwischen 1999 und 2001 war er Generaldirektor der russischen Rohstoffbehörde, von 2001 bis 2004 stellvertretender Energie-Minister.

Heute gehört Igor Jusuffow dem Aufsichtsrat von Gazprom an. Außerdem ist er Botschafter des russischen Präsidenten für Energiefragen. Der Name Jussufow stand auch auf der Nachfolger-Liste für den neuen russischen Botschafter in Kiew. Der Posten war freigeworden. Doch die Wahl fiel schließlich auf Jemand anderen.

Für Jussufow, der im Aufsichtsrat des russischen Gas-Konzerns Gazprom sitzt, derzeit auf Werftensuche geht, ist bislang noch unklar. Offiziell zumindest für Gazprom nicht: Das Unternehmen teilte gegenüber unserer Zeitung mit: "Gasprom kauft weder Werften in Deutschland noch in Russland."

Wie ein Mitarbeiter der hunderprozentigen Gazprom-Tochter Gazflot gegenüber gegenüber unserer Zeitung erklärte, hat Gazprom seit Langem den Plan, Flüssiggastanker zu bauen, welche das Gas von dem noch nicht erschlossenen Schtokmann-Feld in der Barentssee, das am Polarkreis liegt, auf westliche Märkte transportieren. Zu diesem Zweck soll im Gebiet Murmansk die zweite russische Flüssiggas-Fabrik gebaut werden. Das Gazprom seine eigene Tankerflotte erweitern will, bestätigt auch Denis Barabanov, Analyst der Moskauer Investmentgesellschaft Grandis Kapital. Gazprom habe Probleme bei Schiff-Neubau-Aufträgen in Russland, meint der Analyst. Die Kapazitäten und technischen Möglichkeiten der russischen Werften seien "begrenzt". "Eine eigene Werft zu haben, ist besser, weil der Auftraggeber nicht Schlange stehen muss. Außerdem ist es billiger." Ob es für Gazprom Sinn macht, in Deutschland Schiffe mit Eisklasse zu bauen, wird von anderen russischen Experten aber bestritten, da es genug Kapazitäten in Russland selbst gäbe.

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