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Gadebusch/Wismar: Joachim Gabriel mahnt bei seinem Abschied : Polizeichef fordert härtere Strafen

vom

In 41 Jahre passen viele Abenteuer, Schreckensmomente und schöne Erinnerungen. Für Joachim Gabriel ging diese Zeit zu Ende. Der Häuptling der Wismarer Polizei ging gestern in den Ruhestand.

svz.de von
erstellt am 01.Mär.2011 | 11:53 Uhr

In 41 Jahre passen viele Abenteuer, Schreckensmomente und schöne Erinnerungen. 41 Jahre sind eine lange Zeit. Für Joachim Gabriel ging diese Zeit zu Ende. Der Häuptling der Wismarer Polizei, zu der auch das Polizeirevier Gadebusch gehört, ging gestern in den Ruhestand. "Erstmal fällt eine Last weg. Ich werde die Ruhe mit meiner Frau genießen", sagt er. Der Polizeidirektor geht aber nicht mit leeren Händen. Seinen Kollegen hinterlässt er eine nagelneue Dienststelle (SVZ berichtete).

Sein Weg zur Polizei war einer voller Zufälle, erzählt Joachim Gabriel. "Ich habe Monteur gelernt und wollte Maschinenbauer werden." Die Pläne verwarf er. "Diese 41 Jahre haben mein Leben geprägt", sagt er. Mit Herz und Verstand habe er seinen Beruf ausgeübt. Ungetrübt ist sein Blick trotzdem nicht. "Die Rechtspraxis liegt mit quer im Magen." Die Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft und gegenüber der Polizei sei gestiegen. Immer öfter müssten sich Beamte gegen Gewaltbereite zur Wehr setzen. Für Gabriel nicht hinnehmbar. Härtere Strafen, mehr Abschreckung fordert er. "Das muss spürbar werden."

In seinem langen Berufsleben hat Gabriel viel gesehen und erlebt. Er spricht ruhig und unaufgeregt. Der Blick schweift immer wieder hinaus aus dem Fenster und zurück auf 41 Jahre im Polizeidienst. Zehn Jahre Ludwigslust, Hagenow, Schwerin, Parchim und die vergangenen drei Jahre in Wismar. Als Streifenpolizist hat er angefangen und sich die Jahre die Karriereleiter hinauf gearbeitet. "Ich könnte ein Buch schreiben", erzählt er, wenn er sich zurückerinnert. Es habe gute Zeiten gegeben und schlechte: "Ich bin auch mit Spuren nach Hause gekommen." Die spannendste Zeit sei fraglos der politische Wende gewesen. "Das war aus Sicht der Polizei nicht ganz unkompliziert", sagt Gabriel. "Wir standen zwischen Baum und Borke." Die Polizei habe dazu beigetragen, dass der Übergang unblutig verlief. Eine Sicherheitspatenschaft zwischen Polizei und demokratischen Kräfte sei entstanden, sagt Gabriel. In den eigenen Reihen war das nicht ganz unumstritten. "Ich bin zur Befehlstreue erzogen", sagt Gabriel. Den Befehl zum Niederknüppeln aber hätte er verweigert. "Mit allen Konsequenzen." Vom Schritt, sich eine eigene Meinung zu bilden, entbinde das nicht. "Menschen, die nur abnicken, mag ich nicht." Mit durchdachter Kritik könne er leben, "ich fordere sie heraus." Mit Nörgelei aber nicht.

Langeweile kommt im Ruhestand sicher nicht auf. "Meine Kinder und Enkel haben Bedarf angemeldet", sagt Gabriel. Außerdem gehe er gerne angeln und verreist. "Ich möchte gerne in die Karibik." Auch rund ums Mittelmeer ist noch nicht alles entdeckt. Für ihn beginne ganz einfach "ein neues Kapitel".

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