Polizei nimmt auf Flughafen Köln-Bonn zwei Terrorverdächtige fest

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26. September 2008, 04:41 Uhr

Praktisch in letzter Minute vor der Abreise aus Deutschland hat die Polizei auf dem Flughafen Köln-Bonn zwei Terrorverdächtige festgenommen. Die beiden mutmaßlichen Islamisten wurden am Freitagmorgen aus einer Maschine der niederländischen Fluggesellschaft KLM geholt, die bereits zum Start bereitstand. Angeblich waren sie auf dem Weg in ein Ausbildungslager für Terroristen in Pakistan. Die Fahndung nach zwei anderen mutmaßlichen Islamisten, die seit Donnerstag mit Plakaten bundesweit gesucht werden, brachte zunächst keinen Erfolg.

Bei den festgenommenen Männern handelt es sich um einen 24- jährigen Deutschen, der in der somalischen Hauptstadt Mogadischu geboren wurde, und einen 23 Jahre alten Somalier. Sie stünden im Verdacht, sich am „Dschihad“ („Heiligen Krieg“) und möglichen Anschlägen beteiligen zu wollen, sagte ein Sprecher des nordrhein- westfälischen Landeskriminalamts (LKA). Es seien entsprechende Abschiedsbriefe gefunden worden. Nähere Angaben machte er nicht.

Das KLM-Flugzeug mit etwa 40 Passagieren an Bord war um kurz vor 7.00 Uhr bereits startbereit, als die Beamten die Türen wieder öffnen ließen und zugriffen. Der Einsatz verlief nach LKA-Angaben „unspektakulär“. Die Verdächtigen waren unbewaffnet und leisteten keinen größeren Widerstand. Sie seien ohne Auffälligkeiten durch die Sicherheitsschleusen gelangt, sagte ein Flughafen-Sprecher. Die Maschine konnte dann mit mehr als einstündiger Verspätung in Richtung Amsterdam abheben.

Einen Zusammenhang mit der Fahndung nach den beiden anderen mutmaßlichen Islamisten gibt es nach Auskunft der Bundesanwaltschaft nicht. Zu möglichen Plänen der Verdächtigen wollte das LKA nicht näher Auskunft geben. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass sie vorhatten, das KLM-Flugzeug zu entführen. Medienberichten zufolge standen die Männer bereits seit Monaten unter Beobachtung.

Der niederländische Justizminister Ernst Hirsch Ballin sagte, es habe weder gegen die Niederlande noch gegen die Fluggesellschaft KLM eine Drohung gegeben. Die Verdächtigen hätten über Amsterdam nach Afrika reisen wollen. Nach einem Bericht des Berliner „Tagesspiegels“ war dann Pakistan das endgültige Reiseziel der Männer. Vermutlich hätten sie sich zur Islamischen Dschihad Union (IJU) begeben wollen, schreibt das Blatt unter Berufung auf Sicherheitskreise. Die IJU wird auch hinter den vergangenes Jahr vereitelten Plänen der „Sauerland“- Gruppe vermutet.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht auch nach der Festnahme der Verdächtigen derzeit keine konkrete Anschlagsgefahr in Deutschland. „Es bleibt bei der Einschätzung, dass wir im Fadenkreuz des Terrorismus stehen“, sagte eine Ministeriumssprecherin in Berlin. Es gebe aber derzeit „keinen konkreten Hinweis auf ganz konkrete Anschlagsvorbereitungen“.

Nach der Festnahme mussten alle anderen Passagiere aussteigen, um ihr Gepäck überprüfen zu lassen. Eine LKA-Sprecherin wollte unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen keine Angaben dazu machen, wie die Behörden den Männern auf die Spur kamen, wie die Festnahme im Detail ablief und wohin die Verdächtigen gebracht wurden.

Die Festnahme hat nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft nichts mit der Fahndung nach dem Deutschen Eric Breininger und dem Libanesen Houssain Al Malla zu tun. Das Bundeskriminalamt (BKA) erhielt bei der öffentlichen Fahndung nach diesen beiden Verdächtigen bereits mehr als 20 Hinweise. Nach Informationen des Saarbrücker Innenministeriums ist Breininger möglicherweise unterwegs in seine Heimat im Saarland. „Wir gehen davon aus, dass er den Kontakt zu seinen alten Personenbeziehungen sucht“, sagte der Staatssekretär im Landes- Innenministerium, Gerhard Müllenbach, im Saarländischen Rundfunk.

Die Behörden hatten am Donnerstag eine öffentliche Fahndung nach Breininger (21) und Al Malla (23) eingeleitet. Die beiden sind möglicherweise aus dem pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet nach Europa oder sogar schon nach Deutschland zurückgekehrt. Breininger hatte in einem Internet-Video mit einem Selbstmordanschlag gedroht.

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