Poker um Studienplätze

Bewerbungsroulette zu Studienbeginn: Da es für immer mehr Fächer örtliche Zulassungsbeschränkungen an den Hochschulen gibt, bewerben sich Abiturienten dutzende Male. Die Antworten erhalten sie aber nicht zeitgleich. Folge: ein kompliziertes Nachrückverfahren. Mitunter bleiben sogar Plätze frei. Das führt bildungspolitische Ziele ad absurdum.

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20. August 2008, 08:17 Uhr

Schwerin/Rostock/Greifswald - Eigentlich wollte die 18-jährige Schwerinerin nach dem Abitur Anglistik und Amerikanistik in Berlin studieren. Da sie nicht wusste, ob sie dort auch angenommen wird, schickte sie jedoch mehrere Bewerbungen an Unis in ganz Deutschland. Das Problem: Greifswald – Platz 3 auf ihrer Prioritätenliste – meldete sich als erstes. Sie sei zugelassen und habe zwei Wochen Zeit, sich einzuschreiben. Als der Stichtag verstrich, hatte die junge Frau immer noch keine Post aus Berlin. Um nicht zweimal Einschreibungsgebühren zu bezahlen, ließ sie das Greifswalder Angebot verstreichen – und hatte Glück. Inzwischen ist die Antwort aus Berlin da: Sie hat den Platz.

So wie der 18-Jährigen geht es derzeit tausenden Studenten in Deutschland. Denn die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) vergibt bundesweit nur noch Plätze für Biologie, Medizin, Pharmazie, Psychologie, Tier- und Zahnmedizin. Für immer mehr andere Fächer gelten örtliche Zulassungsbeschränkungen nach verschiedensten Kriterien. Für Abiturienten heißt das: Wenn sie einen Platz ergattern möchten, müssen sie sich sicherheitshalber mehrfach bewerben.

Dabei werden Einschreibung und Mietvertrag nicht selten wieder rückgängig gemacht, weil sich die bevorzugte Uni erst später meldet. Dann kommen die Nachrücker ins Spiel und der Zulassungszirkus beginnt von vorn.

Anstrengend und kompliziert ist dieses Verfahren nicht nur für die Studenten, sondern auch für die Universitäten, wie Dr. Monika Hädelt, Dezernentin für studentische und internationale Angelegenheiten an der Uni Greifswald, bestätigt. Schließlich arbeiten die Hochschulen die Bewerbungen zigfach ab – ohne zu wissen, ob die zugelassenen Studenten auch wirklich zu ihnen wollen.

Trotz hoher Bewerberzahlen könne es passieren, dass im Nachrückverfahren nicht mehr alle Plätze besetzt werden können. Die Unis müssen also ebenfalls pokern. „Wir überbuchen um das zwei- bis dreifache“, berichtet auch Margitta Grimmel, Leiterin des Studentensekretariats in Rostock. So gab es in Rostock diesmal rund 11 000 Bewerber für etwa 1700 Plätze in den 26 örtlich zulassungsbeschränkten Fächern. In Greifswald waren es rund 5500 Bewerbungen für 1190 Plätze in 20 Fächern.

Während die Politik also will, dass möglichst viele junge Menschen studieren, gleicht das aktuelle Vergabeverfahren einem Hindernislauf. Die Kultusminister der Länder denken deshalb derzeit darüber nach, eine altbekannte Einrichtung zu einer neuen Service-Agentur umzufunktionieren: die ZVS.

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