Plötzlich schweigt die Welt

von
26. September 2008, 11:47 Uhr

Bützow - Vogelzwitschern, das Läuten der Kirchturmglocke oder das Rascheln eines Blatt Papiers: Alltägliche Geräusche sind für hörgeschädigte Menschen nicht alltäglich. Morgen ist Tag der Gehörlosen, Betroffene wollen auf sich aufmerksam machen und andere für das Thema sensibilisieren.

Schleichend kam der Hörschaden bei Rudolf Bannier. „Zuerst stellte ich den Fernseher immer lauter“, erinnert er sich. Dann verstand er bei Gesprächen nicht mehr alles. Eine Folge war: Er ließ sich gar nicht mehr auf Unterhaltungen ein. „Das Schlimmste war, dass ich die Fahrradfahrer, die hinter mir klingelten, nicht mehr hörte“, sagt der 84-Jährige. Zwölf Jahre ist das nun her. Rudolf Bannier bekam ein Hörgerät. „Das habe ich aber kaum eingesetzt. Wenn ich es trug, habe ich nur Nebengeräusche gehört“, beschreibt der Rentner.

Ältere Hörgeräte hätten keine Störschall-Unterdrückung. „Störgeräusche überlagern die normale Sprache“, erklärt Hörgeräte-Akustikerin Monika Budrowitz. Das alte Gerät von Rudolf Bannier hatte nur ein Mikrofon, das Störgeräusche und das Sprechen zu gleichen Teilen verstärkte. „Dann ist einem das schnell zu viel auf den Ohren“, weiß die 45-Jährige. Seit wenigen Wochen trägt Bannier ein neueres Hörgerät. „Das hat zwei Mikrofone und eine offene Versorgung.

Das heißt, ein dünner, durchsichtiger Schlauch führt in das Ohr“, erklärt Budrowitz. Bei alten Geräten nahm man einen Abdruck der Ohrmuschel und steckte einen Acrylverschluss in das Ohr. „Die Vorteile der offenen Versorgung sind, dass die Hörgeräte nicht mehr so stark auffallen, und dass man auch problemlos eine Brille tragen kann, ohne dass es drückt“, sagt Monika Budrowitz.

Dass die Geräte heute unscheinbarer sind, sei ein Grund, warum die Akzeptanz von Hörgeschädigten in der Gesellschaft zugenommen habe. Auch das wachsende Gesundheitsbewusstsein, Aufklärung und Information tragen dazu bei.

Rudolf Bannier ist zufrieden mit seinem neuen Hörgerät. „Es ist ein angenehmeres Gefühl“, sagt er. Heute mag er sich auch wieder lieber mit seinen Mitmenschen unterhalten.
Jetzt hört Bannier wieder alles klar. Er lauscht den Vögeln und dem Läuten der Bützower Kirchturmglocke.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen