Marktplatz Plau am See : Plaus Markt gibt seine Schätze preis

Vom Silbertaler bis zum Hornkamm: Grabungsleiter Ralf Jänicke hat mit seinem Team im Boden des Plauer Marktplatzes viele historische Fundstücke entdeckt. Antje Bernstein
Vom Silbertaler bis zum Hornkamm: Grabungsleiter Ralf Jänicke hat mit seinem Team im Boden des Plauer Marktplatzes viele historische Fundstücke entdeckt. Antje Bernstein

Bei der ersten großen Flächengrabung in der Geschichte der Seestadt hat ein fünfköpfiges Team um Grabungsleiter Jänicke die Überreste des alten Quartiers nahe des Rathauses freigelegt.

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22. Dezember 2010, 11:39 Uhr

Jahrhunderte lang haben sie im Boden des Marktplatzes geruht, nun hat ein Grabungsteam des Landesamtes für Natur- und Denkmalpflege Plaus historische Zeitzeugen ans Tageslicht befördert.
Rund zwei Monate gruben die Archäologen auf der 600 Quadratmeter großen Fläche Grundmauern, verschiedene Ofenstandorte und Kellergrundrisse aus - größtenteils von Hand. Und was sie dabei fanden, sorgt bei den Archäologen für Begeisterung. "Solch eine Vielfalt hätten wir nicht erwartet", sagt Jänicke. Nicht nur Scherben irdener Töpfe und Teller, die bis ins 13. Jahrhundert zurückdatiert werden konnten, kamen zum Vorschein. Silberne Taler, Hammer, Hornkämme, selbst feinste Nadeln blieben den Augen der Experten nicht verborgen. Ihr Funde lassen sie darauf schließen, dass an dieser Stelle einst Kesselschmiede ihrem Handwerk nachgegangen sein könnten.

Die Grabung auf dem Marktplatz glich einer Reise in die Vergangenheit. "Man nimmt die Pflastersteine runter und steht mitten im 18. Jahrhundert oder sogar der Stadtgründungszeit", beschreibt Dr. Michael Schirren vom Landesamt für Natur- und Denkmalpflege. "Dass ein ganzes Quartier komplett im Untergrund erhalten geblieben ist, ist etwas Besonderes", schwärmt er. Besonders ist auch die Menge an Fundstücken. Zwölf große Kisten warten auf ihre Aufarbeitung. Größtenteils wurden sie bereits gewaschen. "Jetzt wird ausgewählt, was in die Restaurierung geht", sagt Ralf Jänicke. Anschließend wandern die stummen Zeitzeugen in die Magazine. In naher Zukunft aber soll ein Teil auch in Plau ausgestellt werden.

45000 Euro muss die Stadt Plau für die Untersuchungen berappen. Eine Investition, die sich lohnt, sagt Norbert Reier. "Das sind unwiederbringliche Ergebnisse und wichtige Zeitzeugen, die es zu bewahren gilt", so der Bürgermeister. Während die Plauer auf eine Ausstellung ausgewählter Fundstücke noch einige Monate warten müssen, soll es auf dem Marktplatz der Seestadt schon bald wieder voran gehen. Sobald die Witterung es zulässt, wird die Sanierung fortgesetzt und die Ausgrabungsstätte überbaut. Nach wie vor schlummern viele Schätze im hiesigen Boden, denn über eine Tiefe von maximal 80 Zentimetern gingen die Grabungen nicht hinaus. Die Archäologen hatten lediglich jene Schichten abgetragen, die bei den anstehenden Sanierungmaßnahmen in Mitleidenschaft gezogen worden wären. Der Rest verbleibt im Erdreich. "Selbst wenn es uns Archäologen in den Fingern juckt, wir haben die Finger davon gelassen", sagt Dr. Michael Schirren. "Was drin bleibt, hat es verdient, die kommenden Generationen zu überdauern."

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