Plappern mit Ponystute Polly - Nachmittage zur Sprachförderung mit Heidemarie Bolik beliebt

Vor dem Reiten müssen natürlich die Hufe gesäubert werden. Foto: Daniela Wittenbecher
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Vor dem Reiten müssen natürlich die Hufe gesäubert werden. Foto: Daniela Wittenbecher

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23. Juli 2008, 08:50 Uhr

Garwitz/Parchim - Die siebenjährige Michelle sitzt mit leuchtenden Augen auf dem Pferd und traut sich während ihres allerersten Rittes, auf Anleitung von Reitlehrerin Maria Zöllner sogar kleine Kunststücke zu vollführen.

Bevor es jedoch losgeht, wird Polly von jedem Kind gebürstet, werden die Hufe des Tieres gesäubert. „Meine Tochter war schon das ganze Wochenende aufgeregt“, berichtet die mitfiebernde Mutter, Christina Behncke.


Ende August beginnen die nächsten Plappernachmittage.
Kinder ab dreieinhalb Jahre, auch ohne Sprachauffälligkeit, können mitmachen. Bei Interesse sind ähnliche Veranstaltungen auch in Kindereinrichtungen und Grundschulen zur Sprach- und Wahrnehmungsförderung möglich, eventuell auch als Thema eines Elternabends. Informationen: Heidemarie Bolik unter Tel. 03871/ 444416


Ihre Michelle hat über die Therapie in der Logopädischen Praxis von Heimarie Bolik von den Plappernachmittagen erfahren. Wie auch die anderen Mütter verspricht sich Christina Behncke von diesen Treffen, dass sich die Sprache ihres Kindes noch besser entwickelt.

„Seit wir dabei sind, hat sich unsere eigene Kommunikation insgesamt und besonders im Gespräch mit den Kindern positiv verändert“, meint eine andere Mutter in der Runde.

Das Einbeziehen der Eltern in die therapeutische Arbeit war für die langjährige Parchimer Logopädin schließlich auch einer der Gründe, die Plappernachmittage ins Leben zu rufen. Zum einen erfahren die Eltern etwas über die „normgerechte Sprachentwicklung“ oder ab wann Therapeuten von einem Sprachfehler ausgehen. Zum anderen ist die Freude am Austausch nicht zu unterschätzen. Ferner würde auch die soziale Kompetenz der Kinder im Umgang miteinander über die einzelnen Therapiestunden hinaus gestärkt.

„Sprachkompetenz zeigt sich in der Art, wie Kinder mit sich und der Umwelt zurechtkommen“, erklärt Heidemarie Bolik. Allerdings sehe das Umfeld der Mädchen und Jungen heute so aus, dass sie von ständigen Reizen überflutet würden.

Tatsache sei, so die Logopädin, dass Kinder bis zu 30 Stunden in der Woche vor dem Fernseher oder Computer bei teilweise aggressiven Spielen verbringen würden – einer „sprachlosen Welt, in der die Sinnlichkeit verloren geht“.

„Das sollte uns allen zu denken geben und uns wachrütteln“, meint die diplomierte Sprachheiltherapeutin. Die Plappernachmittage tragen ihrer Meinung nach dazu bei, die Sprache der Kinder ganzheitlich zu entwickeln und zu fördern. „Sprache erlebbar machen“, ist das Motto. Genutzt werden dazu alle Sinne und so prägen sich die Wörter, die grammatischen Strukturen viel leichter ein. Der Wortschatz entwickelt sich und Zusammenhänge werden besser erkennbar.

Die Themen der Plappernachmittage, die seit Januar dieses Jahres einmal im Monat stattfinden, richten sich oftmals nach der Jahreszeit und erstrecken sich von den Tieren im Winter über Fasching und Frühling bis hin zu Wettererscheinungen.

So wurden „Blitz und Donner“ gefühlsmäßig mit Wut in Verbindung gebracht und sprachlich interpretiert. Auch die Handpuppe, der Sprechrabe, ist ein wertvolles Mittel, um mit schüchternen und sprachgehemmten Kindern leichter ins Gespräch zu kommen.

„Schließlich nutzen wir vielfältige Möglichkeiten, wie Sprechspiele, Lieder, Bilderbücher oder das Miteinander in der Natur für Freude am Sprechen und an der Kommunikation“, berichtet die Logopädin.

Gleich darauf ist sie aber schon wieder gedanklich bei „ihren“ Schützlingen, um an diesem Nachmittag über Begriffe wie Schweif und Mähne Kontakt zu Ponystute Polly aufzunehmen. Mit einem Picknick endet die letzte erlebnisreiche Veranstaltung vor der Sommerpause und die Mädchen und Jungen fahren glücklich und selbstbewusst plappernd nach Hause.

Auch die Eltern haben wieder dazugelernt – zum Beispiel ihren Kindern im Gespräch gut zuzuhören.

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