Planlos ins neue Schuljahr - Amt sorgt für Unterricht auf Sparflamme

Schulstart ohne Stundenplan: Hunderte Kinder kamen gestern ohne festen Unterrichtsplan nach Hause. Foto: Volker Bohlmann
Schulstart ohne Stundenplan: Hunderte Kinder kamen gestern ohne festen Unterrichtsplan nach Hause. Foto: Volker Bohlmann

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02. September 2008, 08:35 Uhr

Rehna - „Klasse, heute gibt es nur sechs Unterrichtsstunden“ – auf den Fluren der Rehnaer Schule freuen sich zahlreiche Mädchen und Jungen über diese Nachricht aus dem Sekretariat. Hinter den Büro-Türen versuchen zeitgleich Schulleiter Uwe Seemann und sein Stellvertreter Eckhardt Thun einen Notfallplan umzusetzen. „Um eines klarzustellen: Der Unterricht ist abgesichert, aber das Angebot der Ganztagsschule kann vorerst nicht aufrecht erhalten werden“, so Seemann.

Eine Aussage, die zumindest für die erste Unterrichtswoche zutrifft. Der Grund: Das Schulamt Schwerin hat bislang keine Ausschreibung vorgenommen, bei der es um die Vergabe von noch 120 fehlenden Unterrichtsstunden geht. Lehrer können sich für diese freien Stunden bewerben, um ihre Basis-Arbeitszeit aufzustocken. Dadurch wäre ein Ganztagsschulbetrieb wieder möglich.

Der Elternrat der Rehnaer Schule hatte schon vor den Sommerferien auf die Problematik hingewiesen und die Sorgen in einem Brief ans zuständige Amt formuliert „Eine Reaktion aus Schwerin gab es nicht“, so Seemann auf Anfrage unserer Zeitung.

Damit rückt zumindest aus Rehnaer Sicht das Motto „Bildungsland MV“ in die Ferne. Oder wie ein Schüler sagt: „Wer seine Hausaufgaben nicht erledigt, muss zwangsläufig auf die Nase fallen.“ Die Folge: 18 Jahre nach der politischen Wende gibt es an der Regionalschule Rehna erstmals keinen bestätigten Unterrichtsplan.

Zu wenig Geld für Bildung
Die fehlende Planungssicherheit dürfte den landesseitig verordneten Sparmaßnahmen geschuldet sein. Das Budget im Bildungssektor reicht nicht, um alle Lehrer bei voller Leistung zu entlohnen. Hunderte oder gar tausende Mädchen und Jungen müssen diesen Notstand in Form eines abgespeckten Unterrichts ausbaden.

Ähnliche Sorgen plagen die Dassower. Schulleiter Norbert Wagner möchte den Unterricht absichern, kann dies aber erst mit dem Segen aus Schwerin. Folglich sind dort ebenfalls 120 Unterrichtsstunden nicht vergeben.

Mehr als 160 Einrichtungen waren aufgefordert, bis gestern 18 Uhr die Zahl der vorhandenen Schüler zu melden. Anschließend sieht der Schulamtsplan den Beginn der Ausschreibung (2. September) vor, ab Mittwoch, 3. September die Stundenzuweisung und weiterführende Ausschreibungen. Machbar oder nicht, das wird sich Ende dieser Woche zeigen. Bis dahin bleibt die Stundentafel im Sekretariat der Schule Rehna unbeschrieben.

Helmut Behnke, Leiter des Schulamtes Schwerin, findet den aktuellen Zustand mehr als bedauerlich. Er verweist auf die „vorläufige Zuweisung der Stunden“ von vor den Ferien. „Obwohl wir intensiv planten, bleibt das Jahr problematisch. Es war nicht absehbar wie viele Kinder von der 6 in die 7. Klasse gehen oder mit dem Stichtag 1. September sogar noch auf das Gymnasium wechseln“, sagt Behnke.

Vor dem Hintergrund des Lehrer-Personalkonzeptes gehe es jetzt darum, die verbleibenden Unterrichtsstunden fair aufzuteilen. Konkret: Zwischen Plau und Lüdersdorf dürfen sich Lehrer um freie Stunden bewerben – damit sie ihre Basisarbeitszeit um bis zu sechs Stunden pro Woche ausbauen können.

Aus Sicht des Schweriner Schulamtes läuft alles nach Gesetz und verspricht zum Schuljahr 2009/2010 Besserung. Engagierte Lehrer im Nordwesten sprechen von Taktik: „Der 1. September ist ein gewollter Stichtag, damit auf Grundlage aktueller Schülerzahlen der Rotstift regiert.“

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