zur Navigation springen
Übersicht

22. November 2017 | 12:22 Uhr

Pingels drehen jeden Cent zweimal um

vom

svz.de von
erstellt am 13.Okt.2010 | 06:35 Uhr

Alt Damerow | Wer in diesem Jahr noch einmal den Pingelhof am Rande der Lewitz besuchen will, muss sich beeilen. Ende Oktober geht die 21. Museumssaison auf der mehr als 400 Jahre alten Hofanlage definitiv zu Ende. Schon beim jüngsten Schlachtefest - dem traditionell letzten Höhepunkt der Veranstaltungssaison - wurde nicht nur geschaut, gestaunt, gelacht, gesungen und getanzt, sondern auch über die Zukunft der einmaligen Museumsanlage gesprochen. "Mit den 800 Gästen, die sich das Schlachtefest nicht entgehen lassen wollten, haben wir unser Ziel, mindestens 6000 Besucher im Jahr zu begrüßen, erreicht. Das ist natürlich ein Grund zur Freude", so Bürgermeister Heinz Ullmann. Auch wenn deutlich höhere Gästezahlen aus frühen Jahren derzeit nicht realistisch erscheinen, bleibt der Pingelhof eins der interessantesten Ausflugsziele für Besucher aus nah und fern. Seit der Eröffnung des agrarhistorischen Museums im Herbst 1989 waren bereits weit mehr als 100 000 Leute da, die in die frühere Welt des Landlebens in Mecklenburg eintauchen wollten.

Spagat: Gemeinde will Hof erhalten und muss sparen

"Der Hof ist ein wichtiges Kulturgut. Als Gemeinde stehen wir dazu. Und der Erhalt für künftige Generationen ist eine vorrangige Aufgabe", ist sich der Bürgermeister mit vielen einig. Dabei macht Heinz Ullmann keinen Hehl aus der Tatsache, dass es der Gemeinde Domsühl immer schwerer fällt, die Mamutaufgabe des Erhalts und der Bewirtschaftung der Museumsanlage zu stämmen. "Wir müssen aus dem Gemeindehaushalt rund 30 000 Euro zuschießen. Die Einnahmen decken nicht die Ausgaben, die für den Pingelhof anfallen. Nachdem unser Haushalt nicht mehr ausgeglichen ist, muss gespart werden", sagt das Gemeindeoberhaupt.

Ehrenamtliches Engagement gefragter denn je

Auf der Sitzung des Fördervereins Pingelhof Alt Damerow, der inzwischen rund 40 Mitglieder zählt, wurde kürzlich über die Zukunft der Museumsanlage diskutiert. "Wir werden uns weiterhin nach Kräften engagieren. Und an neuen Idee fehlt es auch nicht", macht der langjährige Vereinsvorsitzende Hermann Freude Hoffnung.

Um Kosten zu reduzieren, war zunächst ab der kommenden Saison ein zusätzlicher Schließtag am Dienstag im Gespräch. "Das ist vom Tisch. Die Fördervereinsmitglieder wollen den einen Tag in der Woche selbst übernehmen und damit die Museumsführerin entlasten. Das ist eine gute Entscheidung", freut sich Bürgermeister Heinz Ullmann. Darüber hinaus wird der Pingelhof künftig Dienstag bis Sonntag nicht mehr bis 18, sondern nur noch bis 17 Uhr seine Tore öffnen. Dies sei aus Erfahrung kein Problem, da ohne hin nur wenige Besucher in den späten Nachmittagsstunden kommen.

Einig war man sich auch, dass Gesamtkonzept der Museumsanlage nicht zu verändern. "Es soll weiterhin traditionelle Veranstaltungen wie die Saisoneröffnung und ein Ernte- und Schlachtefest geben. Darauf freuen sich vor allem die Stammgäste", weiß Museumsführerin Kerstin Zimmermann. Für sie steht aber auch fest, dass mit außergewöhnlichen Angeboten auch neue Gäste zur Hofanlage gelockt werden können. Auch wenn das Wetter nicht immer mitgespielt hat, waren die Besucher des Westerntages und der orientalischen Nacht schließlich zufrieden.

"Es ist uns gelungen, mehr junge Leute für den Hof zu interessieren. Das stimmt zuversichtlich", so das Resümee der Museumsführerin. Sie hat erfolgreich ihr Projekt "Bei Pingels Unterricht im Grünen" zum Laufen gebracht. Jungen und Mädchen aus Schulen der Region standen dabei staunend vor einer riesigen Eichenbaumscheibe mit exakt 180 Jahresringen. "Der Baum wurde 1820 gepflanzt und im Jahr 2000 gefällt. Den Jahren habe ich wichtige historischen Ereignisse zugeordnet wie beispielsweise der Untergang der Titanic im Jahre 1912 oder der Fall der Mauer 1989", erzählt Kerstin Zimmermann. Zu den Daten hat sie außerdem eine Geschichte parat, die bei den Kindern und Jugendlichen auf großes Interesse stießen.

Auf eine erfolgreiche Saison blickt auch das rührige Ensemble der Späldeel zurück. Mit dem sechsten Stück aus der Feder von Lotti Jenßen "Opa ward verköfft" sorgten die Laienschauspieler nicht nur stets für ausverkaufte Plätze, sondern für viel Spaß bei Freunden der plattdeutschen Sprache.

Mit Hilfe der Sparkasse Parchim-Lübz und den Mitarbeitern der ABS Parchim konnte die Hofanlage weiter ausgebaut werden. Ein neuer überdachter Backplatz, die Eröffnung der historischen Schmiede und der neue Kräutergarten finden großen Anklang.

"Den Pingelhof haben viele ins Herz geschlossen. Da macht es natürlich großen Spaß, die Heimatgeschichte lebendig zu halten", meint Kerstin Zimmermann. Wie sie, dürften sich viele Fans schon jetzt auf den 22. Saisonstart im Frühjahr 2011 freuen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen