Pilger glücklich und gesund zurück

<strong>Wieder daheim</strong> ist Joachim Steinmann. Pilgerstab und Pilgerausweis mit vielen Stempeln hält er in den Händen.<foto>REgina Mai</foto>
Wieder daheim ist Joachim Steinmann. Pilgerstab und Pilgerausweis mit vielen Stempeln hält er in den Händen.REgina Mai

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23. Juli 2010, 04:44 Uhr

Bützow | Der Tag des heiligen Jakobus (25. Juli) naht. Da möchte es Joachim Steinmann nicht versäumen zu sagen: "Ich bin wieder da." Der 61-Jährige - halb Bützower, halb Lübecker - hatte sich am 25. April von Bützow aus auf den Jakobsweg begeben. Acht Wochen war er unterwegs. Sein Ziel Nancy (Frankreich) hat er nicht erreicht, wohl aber die 1200 angepeilten Kilometer geschafft und eine wunderbare Erfahrung gemacht. "Pilgern tut nicht nur der Seele gut, sondern auch dem Körper. Ich bin gesünder heimgekehrt", fasst Joachim Steinmann zusammen.

Bis zu 40 Kilometer am Tag problemlos

Am Tag Kilometer für Kilometer allein zurückzulegen sei in Ordnung gewesen. Abends hätte er sich ein bisschen mehr Gesellschaft und Gemeinschaft gewünscht. Dabei, so berichtet er, blicke er dennoch auf viele Begegnungen zurück, die ihn noch heute beschäftigen. "Es ist erstaunlich, wie viel Vertrauen Menschen mir als Pilger entgegengebracht haben", stellt der 61-Jährige fest. Lebensgeschichten habe er gehört, mit einem Moslem über das Pilgern an sich debattiert. Vieles auf seinem Weg lief wie erwartet ab. Joachim Steinmann war nicht das erste Mal auf Tour, aber erstmals allein. Bis zu 40 Kilometer am Tag könne man problemlos gehen. An manchen Tagen habe er aber auch nicht mehr als 15 Kilometer zurückgelegt. Dabei waren es eher die sonnigen Tage, die ihn zum Aufenthalt und zur Rast verführten.

Mit Geleitbrief von Bützower Pastor auf Tour

Mit Pilgerausweis der Jacobsgesellschaft, mit Pilger-Logbuch und einem Schutz- und Geleitbrief von Pastor Karl-Martin Schabow hatte sich Joachim Steinmann auf den Jacobsweg gemacht, ohne dass er gleich bis ins spanische Santiago de Compostella vordringen wollte. Er durchwanderte Mecklenburg, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Im Rheinland dann überlegte er es sich anders, folgte der Ruhr und später dem Rhein in Richtung holländischer Grenze. Dabei, so gesteht der 61-Jährige, sei er nicht streng asketisch unterwegs gewesen. Nachdem er an manchem Pfarrhaus oder Kloster mit der Bitte um Unterkunft abgewiesen worden war, suchte er sich oft kleine Gasthäuser. Und er nahm sich auch Zeit für Sehenswürdigkeiten am Wegesrand, um die ein richtiger Pilger sonst einen Bogen schlagen würde. "Überrascht war ich, wie sehr sich kirchliche Strukturen nicht nur im Osten, sondern auch im Westen in Auflösung befinden", stellt Joachim Steinmann nachdenklich fest. Längst nicht jedes Pfarrhaus sei mehr von einem Pastor bewohnt. Gut war der evangelische Christ unterdessen auch mit den Katholiken gefahren. Die Taufe sei von beiden Seiten als bindendes Glied gesehen worden, erklärt er.

Wie geplant sei er mit zwei Paar Schuhen, die er abwechselnd trug, ausgekommen. Die Füße bekamen am Morgen Babypuder und am Abend Balsam, erzählt Joachim Steinmann. Beim nächsten Mal, so verrät der Wahl-Bützower, wolle er im nächsten Jahr in Köln starten und nach Frankreich gelangen. Dazu müsse sein blauer Bollerwagen für das Gepäck technisch ein bisschen überarbeitet werden. Mitunter habe man ihn mit seinem Gefährt auch für einen privaten Postdienst gehalten. Dabei trug Joachim Steinmann stets die Muschel als Zeichen für den Pilger und es störte ihn gar nicht, wenn er als Hape-Kerkeling-Jünger auf Pilgertour angesehen wurde.

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