Pflegeheime: Nur drei Betten frei

Alt, aber lebensfrohDie Pflegerinnen Anke Bublitz (44) und Kerstin Skubasch  (47) führen Ursula Scheiba (85), Felicitas Lukasik (92),  Käte Napiwotzki (88), Elfriede Hedemann (84), Wilfried Hübner (70) und Joachim Frank (77, v.l.) zu einem Spaziergang aus. Die Senioren leben teilweise schon seit Jahren im Altenheim Reutershagen der Rostocker Heimstiftung. Sie haben ihren Platz sicher. Andere müssen lange warten. Foto: Ove Arscholl
Alt, aber lebensfrohDie Pflegerinnen Anke Bublitz (44) und Kerstin Skubasch (47) führen Ursula Scheiba (85), Felicitas Lukasik (92), Käte Napiwotzki (88), Elfriede Hedemann (84), Wilfried Hübner (70) und Joachim Frank (77, v.l.) zu einem Spaziergang aus. Die Senioren leben teilweise schon seit Jahren im Altenheim Reutershagen der Rostocker Heimstiftung. Sie haben ihren Platz sicher. Andere müssen lange warten. Foto: Ove Arscholl

Die Situation in Rostocks Alten- und Pflegeheimen spitzt sich zu: Von insgesamt 1367 stationären Plätzen sind nur drei frei. Lediglich sehr schwer kranke Senioren bekommen ein Zimmer ohne Wartezeit. Mit drei neuen Pflegeheimen will die Stadt die Situation entschärfen.

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06. August 2008, 09:58 Uhr

Rostock - Für Hoteliers wäre diese Quote ein voller Erfolg. In der Branche der Alten- und Pflegeheime ist sie ein Problem. 99,8 Prozent der stationären Plätze in der Hansestadt Rostock sind belegt. Volles Haus in allen 14 Rostocker Pflegestätten. Lediglich drei der ausgewiesenen 1367 Betten bleiben laut einer Statistik aus der Stadtverwaltung leer. Ein Zustand, der Sozialsenator Wolfgang Nitzsche Sorgen bereitet. „Wir haben einen Nachholbedarf von 300 Plätzen.“

Doch bis dieses Defizit ausgeglichen ist, sind es vor allem die pflegebedürftigen Senioren, die unter diesem Zustand zu leiden haben. Denn wer nicht in den höheren Pflegestufen eingeordnet ist, hat kaum Chancen, kurzfristig einen Platz zu ergattern. Mit anderen Worten: Wer halbwegs gut zu Fuß ist, muss draußen bleiben. „Wir haben eine sehr hohe Auslastung“, bestätigt Hanno Schluck, Geschäftsführer der Rostocker Heimstiftung. Der Wohlfahrtsverband ist mit vier Einrichtungen und insgesamt 684 stationären Plätzen der größte Anbieter in der Hansestadt. Das „böse Wort“ von den Wartelisten will der Geschäftsführer gleichwohl nicht bestätigen. Für schwierige Fälle werde sofort eine Lösung gefunden. Auch der Awo-Sozialdienst mit bisher einem Altenpflegeheim in Rostock meldet eine erhebliche Nachfrage für stationäre Plätze. „Mittlerweile haben wir richtig lange Wartelisten“, schildert Projektleiter Jan Sobiwanski. Teilweise müssten Senioren bis zu einem Jahr ausharren, bis sie aufgenommen werden können. Viele seien deshalb bereits dazu übergangenen, „sich aus Prophylaxe lange vorher um einen Platz zu bewerben“.

Neues Pflegeheim eröffnet im Januar
Um auf die hohe Nachfrage zu reagieren, entsteht in der Blücherstraße im Auftrag der Awo ein neues Altenheim. 110 Senioren kommen hier demnächst in elf Hausgemeinschaften unter. Spezialisiert ist die neue Einrichtung auf Pflegebedürftige, die an Demenz erkrankt sind. Im Januar soll das Heim eröffnet werden.Neben der Awo reagieren allerdings auch andere Anbieter auf die Angebotslücke in Rostock. Die Hamburger Kehrwieder-Gruppe investiert im Hansaviertel. In der Tschaikowskistraße entsteht ein Pflegeheim mit 140 stationären Plätzen. Auch der Güstrower Investor Lars Wutschke setzt auf eine Pflegeeinrichtung in der Hansestadt. Im ehemaligen Güterbahnhof, dem alten Friedrich-Franz-Bahnhof, plant er eine „kleine luxuriöse Einrichtung, die nicht zu teuer ist“, wie er betont. 46 Pflegebedürftige Senioren sollen hier einmal unterkommen.

Schwerin hat mehr im Angebot
Durch die neuen Pflegestätten wird schon bald das Defizit verringert. Bisher sei dies in dem Maße nicht möglich gewesen, weil Träger in den vergangenen Jahren ihre Häuser saniert hätten und erst jetzt an Investitionen denken können, verteidigt Sentor Nitzsche. Randnotiz: Mit knapp 1400 Betten hat selbst Schwerin ein so hohes Angebot wie das doppelt so große Rostock. Doch hier haben die Einrichtungen mittlerweile mit einem anderen Problem zu kämpfen – dem hohen Leerstand. Auch deshalb warnen kritische Stimmen vor zu vielen neuen Angeboten. „Wettbewerb ist an dieser Stelle fehl am Platze“, argumentiert Schuck von der Rostocker Heimstiftung. Denn wenn die Träger um Senioren wetteifern müssen, werde vor allem beim Personal gespart.

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