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Ludwigslust : Pflegeberufen gehen Fachkräfte aus

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Seit 1999 ist die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland um 16 Prozent gestiegen.2009 waren in Deutschland 2,34 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes.

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erstellt am 28.Jul.2011 | 08:57 Uhr

Seit 1999 ist die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland um 16 Prozent gestiegen. Wie das das Statistische Bundesamt berichtet waren 2009 in Deutschland 2,34 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes. Dem steht gegenüber, dass immer weniger Schulabgänger Interesse an Pflegeberufen zeigen, beziehungsweise die Qualität der Bewerber abnimmt.

Das bemerkt auch Kirsten Langanki, Leiterin der Pflegeschule des Stift Bethlehem in Ludwigslust. "Vor zehn Jahren hatte ich noch um die 300 Bewerber auf unsere Ausbildungsstellen, in diesem Jahr waren es etwa 80", schildert sie. Abi turienten seien heute fast gar nicht mehr unter den Bewerbern. Die Abnahme der Interessenten bringt Kirsten Langanki einerseits mit den sinkenden Zahlen der Schulabgänger in Verbindung. Weniger junge Leute hätten so eine größere Auswahlmöglichkeit auf dem Ausbildungsmarkt. "Und wer gute Schulnoten hat, geht vielleicht lieber zur Bank, als in die Pflege", so Langanki. Schließlich habe der Beruf mit Schichtdienst, teilweise anstrengenden körperlichen Tätigkeiten und einer nicht allzu hohen Bezahlung auch seine Schattenseiten.

Ein anderes Problem in der Region sind die unterschiedlichen Löhne in Ost- und Westdeutschland. "Eine Pflegekraft verdient im Westen etwa 500 Euro netto mehr. Da kann ich verstehen, dass viele abgewandert sind", sagt auch Ulrike Gävert, Leiterin des Alten- und Pflegeheims "Ludwig-Danneel-Haus" am Stift Bethlehem. In Hamburg würden inzwischen schon Prämien für die Vermittlung von Pflegepersonal gezahlt, weiß sie. Und viele sind schon aus Mecklenburg abgewandert. "Seit der Wende haben wir viel Pflegepersonal ausgebildet. Aber wer nicht fest gebunden ist und woanders mehr verdienen kann, der geht nach Hamburg, Schleswig-Holstein oder Niedersachsen", so Gävert. Noch verfüge das Stift Bethlehem über mehr als 50 Prozent Fachkräfte im Personal. "Wenn die Älteren aber in fünf bis zehn Jahren in Rente gehen, wird es sehr eng", sagt Ulrike Gävert.

Dem soll bei den heutigen Schülern entgegengewirkt werden, auch mit Hilfe des Bildungsministeriums, das sich am Tag der Pflege im September beteiligt. "Dann machen wir einen Tag der offenen Tür, an dem die Schüler einmal in die Bereiche der Pflege reinschnuppern können", sagt Gävert. So könnten die Jugendlichen persönlich Erfahrungen sammeln und eventuell auch die für sie positiven Seiten an einem Pflegeberuf sehen. Denn das Berufsfeld ist bei der demografischen Entwicklung sehr zukunftssicher. Das sagt auch Kirsten Langanki. Zudem gibt es ein breites Spektrum an Aufgaben für examinierte Pflegekräfte. "Sie können in der Arztpraxis, im OP, in der stationären oder der mobilen Pflege arbeiten", so Langanki. Vor allem in der stationären Altenpflege sei man auch immer ein wenig Psychologe, sagt Ulrike Gävert. "Viele der Betreuten sind stark pflegebedürftig oder sehr dement", sagt sie, warum die Pfleger auch ein großes Maß an Einfühlungsvermögen benötigen.

Doch es gibt diverse Möglichkeiten, sich als Pflegekraft weiter zu qualifizieren. "Neben der beruflichen Weiterbildung gibt es auch Studiengänge zum Beispiel für Pflegemanagement oder Pflegepädagogik, die auf dieser Ausbildung aufbauen", schildert Kirsten Langanki, die auch zuerst eine Ausbildung als Pflegerin absolvierte und dann Pflegepädagogik studierte. Inzwischen werden diese Studiengänge mit Bachelor- oder Masterabschluss als Vollzeitstudium oder auch berufsbegleitend angeboten. "Voraussetzung sind Mittlere Reife und zwei Jahre Berufserfahrung, aber kein Abitur", hebt Langanki die Chancen für Regionalschüler hervor.

Sie wünscht sich bei den Bewerbern für eine Ausbildung in der Pflegebranche mehr Qualität. "Ein Zeugnis mit einem Dreierdurchschnitt und ein paar Vieren reicht meist nicht für den Unterrichtsstoff aus", sagt sie und berichtet, dass von 21 angetretenen Auszubildenden im vergangenen Jahr elf durchgefallen waren.

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