Pflege im Alter bald teurer

Im Wariner Pflegeheim wird um höhere Pflegesätze verhandelt. <foto>Michael Beitien</foto>
Im Wariner Pflegeheim wird um höhere Pflegesätze verhandelt. Michael Beitien

svz.de von
23. Juli 2010, 04:48 Uhr

Warin | Bittere Pillen wurden in diesen Tagen an Angehörige von Senioren verteilt, die einen Platz im Wariner Pflegeheim belegen: Die Pflegesätze sollen in absehbarer Zeit nach noch ausstehenden Verhandlungen mit den Kostenträgern um rund 30 Prozent steigen. Ein beachtlicher Teil der Senioren sind so genannte Selbstzahler, d. h. die Pflegesatzerhöhung trifft die Angehörigen unmittelbar. "Das war schon ein richtiger Schock für uns. So richtig klar wurde uns leider nicht gemacht, warum es in kürzester Zeit so eine eklatante Steigerung geben soll. Für mich war das nur ein Rumgeeiere", berichtete ein empörter Angehöriger, der aber anonym bleiben möchte nach einem Informationsabend für Angehörige im Diakonie-Pflegeheim Am Glammsee.

Urteil des Sozialgerichtes wurde in Warin umgesetzt

Zur einzigen Begründung wurde den Angehörigen angeblich nur berichtet, dass das Pflegeheim Am Glammsee im Vorjahr Verluste von über 35 000 Euro gemacht haben soll. Christoph Kupke, Vorstand des Diakonievereins Güstrow e.V., bestätigte auf Nachfrage diese Angaben. Doch das Problem sei eng verbunden mit einem Urteil des Bundessozialgerichtes vom 29.1.2009. Danach müssen die Einrichtungsträger so viel Geld aus Pflegesätzen einnehmen, dass sie damit effektiv und wirtschaftlich arbeiten können. Zudem sollte bei Einrichtungen, die tarifgebunden sind, wie es die Diakonie ist, eine entsprechende Bezahlung der Mitarbeiter gewährleistet sein. Christoph Kupke: "Die letzte Entgeltverhandlung für das Diakonie-Pflegeheim Warin fand 2007 statt. Seitdem sind die Pflegeentgelte unverändert geblieben, während allerdings die Kosten weiterhin stiegen und uns in Warin zuletzt rote Zahlen bescherten. Neben den Sachkosten machen die Personalkosten den größten Anteil des Haushaltes aus."

Im Diakonie-Pflegeheim Am Glammsee Warin sind 78 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege und der Hauswirtschaft beschäftigt. 122 Bewohner im Alter zwischen 60 und 104 Jahren sollen ja tagtäglich gut versorgt und betreut werden. "Pflege muss gut vergütet werden. Nur so haben wir eine Chance, qualifizierte Pflegekräfte zu bekommen und auch in der Region zu halten. Dies entspricht im Übrigen auch der Sozialpolitik des Landes Mecklenburg-Vorpommern", unterstreicht Christoph Kupke.

Die Einrichtungen des Diakonischen Werkes vergüten ihre Mitarbeiter nach dem Tarif des Diakonischen Werkes Mecklenburg. Außerdem gibt es je nach Heim und den jeweiligen Bewohnern unterschiedliche Personalschlüssel. Dazu erläuterte beispielsweise Karin Utecht, Bereichsleiterin Wohlfahrtspflege/Sozialarbeit beim DRK-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, dass es im Bereich des DRK-Heime mit 100 Prozent dementen Menschen gibt und andere mit Wachkomapatienten. Hier müsse natürlich ein anderer Personalschlüssel gelten als bei Heimen mit rüstigen 65-Jährigen. "Es kommt immer darauf an, welchen Pflegeschwerpunkt sich ein Heim gesetzt hat. Darum ist ein reiner Zahlenvergleich sehr schwer", gibt sie zu bedenken. Das DRK ist in Mecklenburg-Vorpommern Träger von 30 stationären Pflegeeinrichtungen. Überall fallen Kosten für Pflege und Betreuung, Unterkunft und Verpflegung und Investitionskosten an.

Pflegesätze sind oft zu knapp bemessen

"Die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und die Investitionskosten werden vom Bewohner bzw. wenn dieser dazu nicht in der Lage ist von der Sozialhilfe getragen. Es sind ähnliche Kosten, die auch in der Häuslichkeit anfallen würden, denn auch dort müssen die Personen ihre Miete und Nebenkosten selber zahlen bzw. die Kosten für ihre Verpflegung aufbringen. Die Kosten für Pflege und Betreuung werden zum überwiegenden Teil durch die Pflegekassen übernommen und zwar gestaffelt in drei Pflegestufen. Ist der Pflegesatz höher als der Betrag, den die Pflegekasse erstattet, zahlt der Bewohner den Differenzbetrag", erläutert Karin Utecht. Leider seien die Pflegesätze aber oft so knapp bemessen, dass oft eine leistungsgerechte Vergütung nicht möglich ist. Das und der schlechte Personalschlüssel in Mecklenburg-Vorpommern seien Gründe, dass viele Absolventen der Altenpflege das Land verlassen und in westliche Bundesländer gehen, bedauert die DRK-Fachfrau.

Für Warin macht Vorstand Christoph Kupke den Angehörigen jedoch ein wenig Hoffnung. "In den Verhandlungen mit den Kostenträgern, die wahrscheinlich im August erfolgen, sind wir noch nie mit den Zahlen herausgegangen, die wir vorgeschlagen haben." Das heißt: Die Erhöhung könnte am Ende moderater ausfallen.


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