Pfeifkonzert für die Telekom

Haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben: Mitarbeiter des Telekom-Callcenters. Foto: Klawitter
Haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben: Mitarbeiter des Telekom-Callcenters. Foto: Klawitter

von
22. August 2008, 07:37 Uhr

Lankow - Mit einem lautstarken Pfeifkonzert protestierten gestern rund 100 Beschäftigte gegen die von der Telekom angekündigte Schließung des Callcenters in Lankow. Die rund 200 Mitarbeiter sollen nach dem Willen des Konzerns, dessen Hauptaktionär die Bundesrepublik ist, künftig in Hamburg arbeiten. Die Telekom will die Zahl ihrer Service-Center bundesweit von 63 auf 24 reduzieren, etwa 8000 der 18 000 Mitarbeiter sollen ihren Standort wechseln.

„Diese Pläne sind nichts anderes als ein verdecktes Programm, Beschäftigte auf kaltem Wege zur Kündigung zu zwingen“, sagte der Fachbereichssekretär der Gewerkschaft ver.di, Peter Pohlmann während der gestrigen Demonstration in Lankow.

Tatsächlich kommt für viele der Beschäftigten des Telekom-Callcenters in der Grevesmühlener Straße ein Umzug nach Hamburg oder ein tägliches Pendeln in die Hansestadt offenbar nicht in Frage: „Wir haben unsere Häuser hier, unsere Kinder gehen hier zur Schule“, sagt etwa Ute Jäger. „Viele Ehemänner pendeln bereits nach auswärts zur Arbeit, da kann man sich ja gleich scheiden lassen, wenn wir jetzt nach Hamburg müssen“, fügt Birte Chittka hinzu. Irmtraud Kröplin verweist auf die hohen Kosten, die Fahrten nach Hamburg und zurück verursachen würden: „Da lohnt sich das Arbeiten nicht mehr.“ Laut ver.di liegt das Jahreseinkommen von Mitarbeitern der Telekom-Callcenter zwischen 29 000 und 35 000 Euro, was im Vergleich zur übrigen Branche ein guter Verdienst sei.

Der amtierende Oberbürgermeister Dr. Wolfram Friedersdorff sagte den Demonstranten gestern vor Ort zu, „alles zu tun, damit der Standort erhalten bleibt“. Weder regionalpolitisch noch betriebswirtschaftlich sei die Schließung des Callcenters in Lankow zu rechtfertigen, so Friedersdorff. Am Montag kommt der städtische Hauptausschuss zu einer Sondersitzung zusammen, um über das Vorgehen zu beraten.

Auch einige Kandidaten für die OB-Wahl am 14. September – Angelika Gramkow (Linke), Gottfried Timm (SPD), Hans-Peter Kruse (parteilos, für die CDU) und Frank-Peter Krömer (Unabhängige) waren bei der Demo – wollen sich bei der Telekom und auf politischer Ebene für den Erhalt des Centers einsetzen. Bundestagsabgeordneter Hans-Joachim Hacker (SPD) versprach, die Bundesregierung mit dem Thema zu beschäftigen.

Dass gestern kein Vertreter der Landesregierung in Lankow war, bezeichnete ver.di-Bezirkschefin Ute Evers als „faustdicken Skandal“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen