Petrijünger im Nordwesten proben Aufstand

23-30987340.jpg
1 von 2

von
19. Januar 2010, 09:15 Uhr

Nordwestmecklenburg | Die Petrijünger im Nordwesten müssen in Zukunft tiefer in die Tasche greifen. Konkret geht es in einem ersten Schritt um eine Angelkarte für den Vielbecker See in der Kreisstadt. 30 Euro sollen Mitglieder von Vereinen des Kreisanglerverbandes (KAV) dafür berappen. Eine Regelung, die mit dem 1. Januar 2011 in Kraft tritt. KAV-Chef Michael Engling will diese Maßnahme allerdings nicht als reine zusätzliche Einnahmemöglichkeit verstanden wissen. Unter anderem warb er beim Angelverein Radegasttal Rehna e.V. für diesen Schritt: "Wir wollen die Rahmenbedingungen für die Petrijünger im Nordwesten verbessern."

Hintergrund für diese Maßnahme sind anscheinend Differenzen zwischen dem Landesanglerverband (LAV) und dem Kreisangelerverband. Nach Englings Aussagen besteht im Präsidium des Verbandes kein Interesse an einer Neustrukturierung der Verteilung von Finanzmitteln. Konkret gehe es dabei um Gelder für den Besatz von Verbandsgewässern wie dem Vielbecker See.

Der Landesverband verbuche jährlich rund 1,5 Millionen Euro für Angelberechtigungen, darunter 452 000 Euro an Beiträgen. "Allein aus dem Nordwesten erhält der Verband 48 000 Euro im Jahr", so Engling. Der Rückfluss sei bescheiden. Im zurückliegenden Jahr erhielten die Nordwestmecklenburger rund 3 600 Euro aus der Landeskasse. Mager, meint Engling und sagt: "Umgerechnet sind dies 652 Karpfen auf 1400 Angler." Er fordert den Besatz auf wenigstens zwei Karpfen je Mitglied zu erhöhen.

Aus Sicht des Kreisangelchef könne es mit der "erfolglosen Politik auf Landesebene" nicht weitergehen. Engling fordert Veränderungen im Sinne der Sportfreunde. Von Einsicht in die Akten des Verbandes bis hin zur Prüfung von Lohnansprüchen der Verbandsangestellten ist die Rede. "Jährliche Gehälter von knapp 300 000 Euro sind nicht wenig für sechs Angestellte des Landesanglerverbandes", meint Engling im SVZ-Gespräch. Vielmehr müsse die Bewirtschaftung der Gewässer im Tourismusland Vorrang erhalten. Des gelinge nur mit einer besseren Ausstattung von Finanzmitteln. "Mit der Verbandsführung reden wir seit drei Jahren über das Problem leider ohne Erfolg", sagt Engling. Er fordert bis zu 50 Prozent Rücklauf der gezahlten Beiträge - 24 000 Euro.

Ein weiteres Problem stellt aus Sicht einiger Petrijünger der Angelverein Friedrichsthal da. Deren Mitglieder leisten nach Aussagen von Engling scheinbar keine Arbeitsstunden an Gewässern. Angesichts der auf mehrere tausend Petrijünger geschätzten Mitgliederstärke, komme schnell der Verdacht auf, es handele sich um ein Rückzugsgebiet mit Sonderregeln für Angler aus dem gesamten Land. Engling weiter: "Bei 13 Kontrollen an Gewässern rund um Grevesmühlen konnten wir feststellen, dass mehr als 40 Prozent der Angler nicht im Kreisverband organisiert sind." Nicht selten wurde sogar im Schichtsystem gefischt.

Vor diesem Hintergrund sichere eine Angelkarte für den Vielbecker den aktiven Petrijüngern optimale Bedingungen. Grundlage dafür bildet die Übernahme des Vielbecker Sees durch den Grevesmühlener Angelverein zum jahr 2011.

Aktivitäten, die Axel Pipping, Geschäftsführer des Landesangelverbandes kritisiert: "Das Ausgeben solch einer Karte als widerrechtlich." Pipping fordert ein Festhalten am Solidarprinzip: "Wir verfügen über 24 000 Hektar an Wasserflächen. Jedes Mitglied kann dort mit seiner einen Karte dem Angelsport nachgehen." Um den Friedrichsthaler Verein wisse er. Der Landesgeschäftsführer schätzt die Zahl der Mitglieder auf rund 2000.

Michael Englings Kritik hinsichtlich des des mageren Besatzes, weißt Pipping zurück: "Auf der Grundlage fischereirechtlicher und biologischer Gesichtspunkte gebe es im Jahr sogar zusätzlichen Besatz im Wert von 500 bis 1000 Euro."

Im Nordwesten will Engling vorerst auf dem neuen Kurs bleiben. Darüber hinaus gibt es Vorstellungen, auf einer Kreiskarte weitere Gewässer zu listen. Ob andere Wege möglich sind, dürfte sich spätestens auf der Landesdelegiertenkonferenz im März dieses Jahres zeigen. Die Nordwestmecklenburger hoffen nach drei Jahren auf Gesprächsbereitschaft.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen