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Schauspiellegende bei den Schweriner Schlossfestspielen : Peter Sodann geht auf Seelenfang

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Der Schauspieler, Regisseur und ehemalige Theaterintendant Peter Sodann wird im Sommer auf der Freilichtbühne der Schlossfestspiel in der Oper "Der Freischütz" in der Rolle des Samiel zu erleben sein.

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erstellt am 22.Jan.2011 | 10:11 Uhr

Als schwarzer Jäger, der Teufel, geht er in der Schweriner Inszenierung auf Seelenfang. Während die Satansfigur in Carl Maria von Webers Vorlage recht klein ist, darf der große Sodann in Schwerin mehr zeigen.

Bei den Schlossfestspielen, die das Mecklenburgische Staatstheater in diesem Jahr vom 17. Juni bis zum 24. Juli im barocken Schlossgarten aufführt, kommt der Rolle des Samiel eine weitaus größere Bedeutung zu als gewöhnlich. Denn er wird als diabolischer Drahtzieher und Kommentator an entscheidenden Stellen der Handlung in Erscheinung treten. "Ich habe es gern, wenn das Gute über das Böse siegt. Und wenn das Böse dabei noch helfen muss, dann kommt die Welt vielleicht in Bälde doch noch in Ordnung. Vielleicht trägt Der Freischütz mit dazu bei", äußert sich Peter Sodann über das Stück. Generalintendant Joachim Kümmritz zeigt sich über die Zusage Peter Sodanns begeistert: "Für diesen exponierten und wandlungsfähigen Charakter ist der beliebte Schauspieler eine optimale Besetzung. Das ganze künstlerische Team freut sich sehr auf die Zusammenarbeit mit Peter Sodann."

Peter Sodann erlangte bundesweite Berühmtheit als Leipziger Tatort-Kommissar Bruno Ehrlicher, den er von 1991 bis 2007 in 45 Episoden mit großem Erfolg spielte. Die Rolle des streitbaren Zeitgenossen verkörpert der Schauspieler aber auch privat. In seiner Autobiographie "Keine halben Sachen" schildert er die Höhen und Tiefen seines Lebens: Er erzählt von seiner "proletarischen Herkunft", darüber, wie er als Lehrling den 17. Juni 1953 erlebte, im Stasi-Knast saß oder wie er in den 1980er-Jahren mit Kollegen ein baufälliges Haus in Halle instandsetzte und seine eigene Spielstätte schuf: "das neue theater". Eine Kulturinsel, die sich auch nach der Wende trotz relativ bescheidenen Etats größter Beliebtheit erfreut.

1936 in Meißen geboren, absolvierte Peter Sodann zuerst eine Lehre als Werkzeugmacher, studierte später Jura, bevor er an die Theaterhochschule Leipzig wechselte. Sein erstes Engagement hatte er 1964 am Berliner Ensemble unter Helene Weigel. Weitere Stationen seines künstlerischen Schaffens waren die Theater in Erfurt, Chemnitz und Magdeburg. Seit 1980 lebt und arbeitet er in Halle an der Saale.

Peter Sodann erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. wurde er mit dem Nationalpreis und dem Kulturpreis der DDR geehrt, zu seinem 65. Geburtstag wurde ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. 2005 wurde er von der Stadt Halle zum Ehrenbürger ernannt. Ehrenamtliches Engagement zeigt Peter Sodann u. a. als Botschafter der Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland.

Seine Nominierung für die Bundespräsidentschaftskandidatur 2008 für die Partei Die Linke wurde mit großem Medieninteresse verfolgt. Vom 17. Juni an wird er zum ersten Mal in Schwerin in einer Oper auf der Freilichtbühne mitspielen. Dass er auch singen kann, hat Sodann schon in diversen Auftritten unter Beweis gestellt. Doch eine Oper? Die Schweriner Theaterleute winken ab: Es werde eine Sprechrolle für den 74-jährigen Schauspieler.

Als Samiel, der schwarze Jäger, ist Sodann der diabolische Spielmacher im fantastischen Freischütz-Wald. Seit seiner Uraufführung 1821 am Königlichen Schauspielhaus Berlin gehört "Der Freischütz" zu den beliebtesten Opern weltweit. Arien wie "Durch die Wälder, durch die Auen", "Leise, leise, fromme Weise", der Jägerchor oder der Gesang der Brautjungfern haben sogar schon früh eine Art Volksliedstatus erreicht.

In der Inszenierung von Frank Bernd Gottschalk, unter der musikalischen Leitung von Matthias Foremny und mit dem Bühnenbild von Lutz Kreisel feiert "Der Freischütz" am 17. Juni um 21 Uhr auf der Freilichtbühne Premiere.

Weitere Vorstellungen: 18. Juni bis 24. Juli jeweils donnerstags bis sonntags ab 21 Uhr, Kartentelefon: 0385-5 30 01 23; E-Mail: kasse@theater-schwerin.de.

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