Witzin: Baldur Beyer der nördlichste Alphornbauer in Deutschland : Patent auf Alphörner aus Witzin

3,68 Meter lang ist das  selbst gebaute Alphorn, auf dem Baldur Beyer in seinem Garten in Witzin übt.
3,68 Meter lang ist das selbst gebaute Alphorn, auf dem Baldur Beyer in seinem Garten in Witzin übt.

In einem Schuppen in Witzin werkelt Deutschlands nördlichster Alphornbauer Baldur Beyer. Aus Fichtenholz hat der 74-Jährige sein fünftes Alphorn hergestellt.

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17. August 2011, 12:00 Uhr

In einem kleinen Schuppen in Witzin werkelt Deutschlands nördlichster Alphornbauer Baldur Beyer. Aus Fichtenholz, das vor über 35 Jahren in Wäldern bei Warin geschlagen wurde, hat der 74-Jährige sein fünftes Alphorn hergestellt. Beyers Holzinstrumente erklingen in einem einzigartigen Ensemble: bei den Mecklenburger Alphörnern. Drei Musikanten waren es zunächst, jetzt sind es sieben.

Die Geschichte des Witziner Alphornbaus begann in den polnischen Masuren, wo Baldur Beyer seine Kindheit verbrachte. Sein Großvater baute ihm aus Weidenstücken und Bienenwachs eine Masurische Trompete. Während in den Wäldern illegal Schnaps gebrannt wurde, blies der Junge darauf. Sobald das

Instrument verstummte, wusste der Großvater, dass etwas schief läuft an der Anlage, und er eilte dem Enkel zur Hilfe.

Die Kindheitserinnerung spornte Baldur Beyer an, ein Mecklenburger Hirtenhorn, das kürzer als ein Alphorn ist, zu bauen. Mit Holzverarbeitung war der Witziner aufgewachsen und hatte in vergangenen Jahren hobbymäßig schon Segelboote und Katamarane gebaut. Den Yachtlack wie auch den Leim setzt er jetzt bei den Alphörnern ein.

Über Umwege erfuhr der studierte Musiker Ricardo Danelzig aus Groß Laasch bei Ludwigslust vom Witziner. Der Betreiber einer privaten Musikschule sei ein "fanatischer Alphornspieler", sagt Beyer. Danelzig wollte schon lange ein solches Instrument für seine Schule, allerdings war die Anschaffung zu teuer. Beyer hat dem Leiter mittlerweile eins seiner selbst gefertigten Hörner geschenkt und drei weitere der

Musikschule als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Und er hat für sich selbst das fünfte Instrument gebaut.

Professionelle Alphornbauer in Bayern, der Schweiz und Österreich fertigen das Horn aus einem Stück Holz. Das wird in der Mitte aufgeschlitzt, bearbeitet und wieder zusammen gesetzt. Die Witziner Alphörner sind dagegen aus vielen einzelnen kleine Leisten zusammen geleimt. Beyer achtet auf eine optimale Anordnung der Ringe in der Maserung. Das ist entscheidend für den Klang, erklärt er. Musiker lobten ihn für seine Instrumente, und er hat sich das Verfahren auch patentieren lassen, damit niemand anderes ihm zuvor kommt und ihm möglicherweise den Alphornbauspaß untersagt. Angesichts der aufwändigen Bauweise dürfte das Witziner Verfahren sich unter professionellen Firmen aber kaum durchsetzen. Beyer baut an einem Alphorn 160 Tage.

Jetzt sei erst einmal am Haus einiges zu erledigen, sagt Helga Beyer, die Frau des emsigen Alphornbauers, der in den vergangenen Jahren schon immer nach dem Frühstück die erste Schicht im Schuppen einlegte. Seine Frau ist bei den Mecklenburger Alphornbläsern die Librettistin, sagt ihr Mann, schreibt Texte passend um für ein plattdeutsches Repertoire. Der Komposition hat sich Ricardo Danelzig verschrieben.

Mit den Beyerschen Hörnern kann der Musikschulleiter jetzt dreistimmig arrangieren. Der Witziner selbst spricht von einem Glücksumstand, dass er auf den Alphorn-Fanatiker in Groß Laasch getroffen ist. Anderenfalls würde er allein zu Hause auf seinem Alphorn tuten.

"Ich blase fast jeden Tag", so Beyer. Er sieht aus eigener Erfahrung die Theorie bestätigt, dass ein geübter Blechblasinstumentenspieler zwei Jahre üben muss, bis er mit dem Alphorn vertraut ist. Denn bei diesem Instrument muss man jeden Ton mit den Lippen erzeugen.

Danelzig hat in den nächsten Tagen mehrere Proben der Mecklenburger Alphörner angesetzt, die am 11. September erstmals in größerer Besetzung in Güstrow aufspielen.

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