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Schwerin: Flirten in Extremsituation : Partnersuche im Seil

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Charakterzüge, die sonst in monatelanger Kleinstarbeit herausgekitzelt werden müssen, zeigten die Dating-Teilnehmer im Kletterwald in nur vier Stunden in schwindelerregenden Höhen.

Oliver ist 36 Jahre alt, sieht klasse aus, ist groß, charmant, sportlich und arbeitet in der Gastronomie an vorderster Front. Dass er die Frau fürs Leben noch nicht gefunden hat, mag man zwar kaum glauben - es ist aber so. Und weil seine Kolleginnen über Jahre mit ihm mitgelitten und -gefiebert haben, wollten sie die Brautschau jetzt ein bisschen forcieren: Sie schenkten Oliver einen Gutschein fürs erste Kletter-Dating in Schwerin. Zwischen Bäumen, Seilen, Rutschen, Anstiegen und freiem Fall konnten Singles sich selbst und den potenziellen Partner gleich in Extremsituationen testen. Wer läuft voraus? Wer lacht über seine ängstliche Partnerin? Wer reicht ihr hilfreich die Hand und motiviert? Wer ist sportlich, gesprächig, humorvoll, mutig, ehrgeizig, ungeschickt, langweilig oder eigenbrödlerisch? Ganz viele Charakterzüge, die sonst in monatelanger und mühevoller Beziehungs-Kleinstarbeit herausgekitzelt werden müssen, zeigten die Dating-Teilnehmer im Schweriner Kletterwald in nur vier Stunden in teils schwindelerregenden Höhen. Eine ungewöhnliche Wanderung, die zusammenschweißen oder auseinandertreiben kann - die aber auf jeden Fall viel Erkenntnisgewinn bringt.

Wie schwierig sich die Suche nach dem passenden Partner fürs Leben in einer Stadt wie Schwerin gestalten kann, das weiß Susanne Kirstein aus eigener Erfahrung. Sie kennt nicht nur das Single-Leben, sondern auch den Schweriner Kletterwald, den sie leitet - schon war die Idee der ungewöhnlichen Kontaktbörse geboren. Werbezettel lagen nur in einigen Kneipen aus und natürlich im Kletterwald direkt. Susanne hoffte, mit ihrer Idee immerhin zwölf Teilnehmer zu erreichen, damit jeweils neu gemischte Pärchen die sechs Parcours absolvieren könnten. Dass sich schließlich 31 Singles anmeldeten - und zwar fast genauso viele Männer wie Frauen - das überraschte Susanne Kirstein dann doch. Dass die Männer und Frauen schon nach der ersten Kletterpartie bei vertieften Gesprächen über die Arbeit, die Kinder, die sportlichsten Abenteuer und das Leben ganz im Allgemeinen waren - das überraschte schon nicht mehr. Flirts in den Wipfeln? Die gab es in den unterschiedlichsten Farben und Formen, mit und ohne Körpereinsatz. Verabredungen für spätere Treffen, ausgetauschte Handy-Nummern oder womöglich sogar ein Volltreffer von Amors Pfeil? Das wollten die Damen und Herren am Ende ihres Kletterabenteuers lieber nicht so konkret verraten. Vielleicht. Mal sehen. Sympathisch waren sich fast alle. Und deshalb blieben sie noch lange am Lagerfeuer sitzen - zum romantischen Ausklang des Sport-Datings.

Olivers Kolleginnen haben zwischendurch immer mal wieder neugierig gesimst, wollten wissen, wie es ihm denn so gefällt. Oliver genoss und schwieg. Es werde sich schon alles zum Guten wenden, sagte er und Ulrike (39) pflichtete ihm bei. Der Abend habe sich total gelohnt. "Ich bin beruflich so stark eingespannt, dass ich unbedingt mal neue Leute außerhalb der Arbeit kennen lernen wollte", sagte die Mutter einer zehnjährigen Tochter. Marco (39), ihr erster Kletterpartner und Vater einer Tochter im gleichen Alter, konnte ihr da nur beipflichten. Obs zwischen den beiden gefunkt hat? Wer weiß. Auf jeden Fall können sie ein Kletter-Dating nur wärmstens empfehlen.

 

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erstellt am 28.Jun.2011 | 11:08 Uhr

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