Parkower genervt: Seit Wochen fahren Traktoren auf dem Weg zur Biogasanlage durchs Dorf

Harri Schröder ist genervt. Im Minutentakt rollen schwere Traktoren durch Parkow. Er und andere Anwohner fordern ein Verbot. Foto: Claudia Röhr
Harri Schröder ist genervt. Im Minutentakt rollen schwere Traktoren durch Parkow. Er und andere Anwohner fordern ein Verbot. Foto: Claudia Röhr

Seit Wochen rollen im Minutentakt schwere Traktoren über die schmale Dorfstraße von Parkow. Sie bringen Mais zur Biogasanlage in Bützow. Anwohner sind genervt und fordern eine Tonnage-Begrenzung. Müssen sich die Menschen der Region angesichts der steigenden Zahl von Biogasanlagen an solche Transporte gewöhnen?

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17. September 2008, 07:51 Uhr

Parkow/Bützow - Harri Schröder wohnt schon sein ganzes Leben in Parkow. „Ich habe nichts gegen Landwirtschaft“, sagt der Senior. Aber so etwas habe er noch nie erlebt. Im Abstand von rund zehn Minuten rollen schwere Traktoren über die Kopfsteinpflasterstraße vor seinem Grundstück. „Ich habe schon zwei Risse im Haus“, sagt Harri Schröder. Der Lärm, den die Traktoren mit den großen Anhängern verursachen, nerve. Nachbarin Marion Thomsen nickt. „Die normale Ernte ist ja okay, aber dies hier“, sagt die Parkowerin. Bis zum Abend rollen die Traktoren. „Manchmal geht es früh um vier schon wieder los“, erzählt Uwe Thomsen.

Die drei Parkower halten die Dorfstraße für zu schmal. Die breiten Reifen rollen auch über den Gehweg. „Das ist ja gefährlich für Fußgänger“, sagt Harri Schröder. Besonders kritisch werde es, wenn Gegenverkehr kommt. „Die Verkehrssicherheit ist hier nicht gegeben“, meint Schröder und fordert eine Tonnage- und Geschwindigkeitsbegrenzung für den Ort. Dafür sammelte der Parkower Unterschriften.

25 Männer und Frauen haben unterzeichnet. Die Liste will Schröder an den Landkreis schicken.
Die dortige Verkehrsbehörde prüfte den Fall bereits. „Ich sehe da keine Eingriffsmöglichkeit“, sagt Kreis-Dezernent Dr. Rainer Boldt. Die Straße sei für solche Transporte ausgelegt. Sie sei vor Jahren als ländlicher Weg mit Fördermitteln saniert worden.

Gegen den normalen landwirtschaftlichen Verkehr haben die Parkower auch nichts. „Das muss sein“, sagt Harri Schröder. Er fürchtet jedoch, dass die Fahrzeuge künftig das ganze Jahr durchs Dorf rollen, um regelmäßig Mais von umliegenden Silos zur Biogasanlage in Bützow zu fahren. Dem sei nicht so, hieß es gestern vom Betreiber.

„In der Menge fahren die Transporter nur in der Erntezeit, in drei Tagen ist das dort auch vorbei“, sagt Jens Dethloff. Generell gebe es aber auch außerhalb von Bützow Silos. „Auf solche Transporte werden wir uns in der Region in Zukunft einstellen müssen“, mutmaßt Rainer Boldt.

Beschwerden von Anwohnern laufen im Bützower Ordnungsamt auf. „Die Transporte werden massiver“, sagt Egon Kleinow. Rein rechtlich habe seine Behörde keine Handhabe, sofern die Straßen für solche Transporte freigegeben sind. „Wir leben ja schließlich auf dem Lande.“ Harri Schröder kann das nicht verstehen: „Woanders gibt es doch auch Begrenzungen“, sagt er und fürchtet auch, dass die Straße in Parkow Schaden nimmt.

Immerhin gab es Gespräche mit dem Betreiber der Biogasanlage und der Transportfirma. „Sie haben versprochen, vorsichtiger zu fahren und nicht so hoch zu laden“, erzählt Egon Kleinow. Verlorene Ladung müsse der Verursacher einsammeln.

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