Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Schwerin : Parchims Handwerk weiterhin abgehängt

Die Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Schwerin ergab für Parchim und Ludwigslust unterschiedliche Ergebnisse. Danach verlaufe der Aufwärtstrend im Landkreis Parchim deutlich schwächer als in anderen Regionen.

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11. November 2010, 11:46 Uhr

Nur 30 Prozent der beteiligten Handwerksbetriebe schätzen ihre wirtschaftliche Lage positiv ein.

Im Landkreis Ludwigslust seien es 50 Prozent, berichtete Hans-Werner Mrowiec bei der jüngsten Mitgliederversammlung der Kreishandwerkerschaft. Euphorisch würde der Großteil der Handwerker nicht in die Zukunft schauen, optimistischer als bei Beginn der globalen Wirtschaftskrise schon.

Als zentrales Problem im Handwerk gilt unverändert die Ausbildungssituation. Im laufenden Ausbildungsjahr wurden bisher 229 betriebliche Lehrverträge neu abgeschlossen - davon 93 im Landkreis Parchim und 136 im Landkreis Ludwigslust. Elf weniger als im zurückliegenden Jahr. Von einem wesentlichen Rückgang zum Vorjahr könne keine Rede sein. "Diese Ausbildungszahlen konnten wir aber nur erreichen, weil wir es besser verstehen, für Ausbildung im Handwerk zu werben", sagt Mrowiec und meint neben den Handwerksbetrieben auch die Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft, die Handwerkskammern und die Verbände. Dennoch konnten 2010 die vorhandenen Ausbildungsplätze im Handwerk wieder nicht vollständig besetzt werden.

Gleiches steht auch für 2011 zu befürchten. Von insgesamt ca. 9500 Schulabgängern werden schätzungsweise 2500 ein Studium aufnehmen. Bleiben etwa 7000 jungen Leute, die für 14 000 Lehrstellen nicht ausreichen. Mrowiec: "Wir müssen dringend andere Wege gehen."

Dass die Wirklichkeit derzeit anders aussieht, ist der Kreishandwerkerschaft mehr als bewusst. Tatsächlich hat das Handwerk zunehmend das Problem, überhaupt geeignete Bewerber für die Ausbildungsplätze zu finden. Das untermauert auch eine Umfrage unter Jugendlichen, die ihre berufliche Perspektive weniger denn je im Handwerk sehen. Der Rückgang der Schülerzahlen sei dabei nur ein Grund. "Uns stellt sich auch die Frage, wie im Gesamtprozess der Bildung eine Berufsbildung im Handwerk erfolgreich abgeschlossen werden kann", erklärte der Kreishandwerksmeister.

Nicht zufrieden stellen könne die Ausbildung einiger Gewerke in den beruflichen Schulen. Stundenausfall, große Klassenstärken und Lehrermangel sind hier die Kritikpunkte. Allerdings sei das ein generelles Problem, das nicht zwischen Handwerkerschaft und Schulen zu lösen sei. Viel mehr sei dies Sache des Schweriner Bildungsministeriums. Der Vorstand der Kreishandwerkerschaft Westmecklenburg-Süd werde nochmals den Versuch unternehmen, den Bildungsminister zu einem Gespräch zur Situation der allgemeinen und beruflichen Bildung einzuladen.

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