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Judokas holen Doppelgold : Paralympics-Gold für Schweriner Zwillinge

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Zwei Frauen, zwei Gewichtsklassen, zwei Goldmedaillen: Die für den PSV Schwerin startenden Judokas Carmen und Ramona Brussig gewannen am Donnerstag beide ihre Finals bei den Paralympics in London.

svz.de von
erstellt am 31.Aug.2012 | 09:15 Uhr

London | London Carmen und Ramona Brussig vom PSV Schwerin haben gestern bei den Paralympischen Spielen in London Doppelgold geholt. Die stark sehbehinderten Zwillingsschwestern konnten sich in ihren Gewichtsklassen bis 48 bzw. bis 52 Kilogramm durchsetzen und sicherten damit auch die ersten Goldmedaillen für Deutschland.

Teilen sich ein Zimmer im Athletendorf
Sie haben das gleiche Geburtsdatum, üben die gleiche Sportart aus, teilen ein Zimmer im Athletendorf und feiern auch ihre Goldmedaillen gemeinsam. Die 35 Jahre alten Schwerinerinnen Carmen und Ramona Brussig gaben gestern im Excel-Center in London alles. Carmen traf im Finale auf Kai-Lin Lee, gegen die sie bei der letzten Weltmeisterschaft verloren hatte. Als sie 0:1 Punkte zurücklag, begannen die deutschen Fans sie lautstark anzufeuern. Sie zeigte einen beeindruckenden Kampf und ging mit 10:1 Punkten in Führung und die verteidigte sie bis zum Ende. „Es ist einfach ein perfekter Tag. Ich bin total glücklich und der Druck fällt von mir“, sagte Carmen nach dem Kampf im Exklusivinterview mit dieser Zeitung.
Doch die Aufregung hielt noch an, denn sie fieberte mit ihrer Schwester mit, die nach ihr dran war. Ramona besiegte die Chinesin Lijing Wang in nur 19 Sekunden mit einem so genannten Ippon, einem K.o.-Wurf. „Wir waren auf den Schulterwurf der Chinesin vorbereitet“, sagte Bundestrainerin Carmen Bruckmann nach dem Kampf. „Ich habe meine Chance genutzt und einfach zugezogen. Es ist ein Traum“, sagte Ramona Brussig.

Ihre Erfolge von 2008, als Carmen in Peking Bronze und Ramona Silber gewann, konnten die Zwillinge damit noch übertreffen. Auf der Matte fiel überhaupt nicht auf, dass Carmen und Ramona von Geburt an stark kurzsichtig sind und nur eine Sehkraft von zehn Prozent haben. Um eine Orientierung zu haben und die Nähe zu spüren, dürfen sich die Athleten beim paralympischen Judo vor Beginn des Kampfes berühren. Doch die vorsichtige Berührung dauert nicht an, denn kurz danach geht es hart zur Sache. Bei Carmen und Ramona saßen die Hebel-, Würge- und Festhaltegriffe gestern Abend perfekt.

Der für den Sport zuständige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich sah sich die Halbfinalkämpfe an: „Ich habe die beiden noch nie kämpfen gesehen und bin sehr gespannt“, sagte er kurz vorher. Der Minister konnte zwei tolle Wettkämpfe sehen: Carmen entschied den Halbfinalkampf gegen die Ukrainerin Halinska Yuliya klar für sich. Zu jedem Zeitpunkt kontrollierte die Schwerinerin das Geschehen. Neben der Matte feuerte Bundestrainerin Bruckmann sie lautstark an. „Es ist einfach geil, sie ist stärker denn je und hat heute schon zwei echt starke Gegnerinnen besiegt“, sagte sie direkt nach dem Kampf.

Die 15 Minuten jüngere Ramona gewann den Halbfinalkampf verfrüht, weil ihre Gegnerin, die Russin Alesia Stepaniuk bei einem Würgegriff kurz ohnmächtig wurde und nicht abklopfte. Doch noch bevor die Sanitäter auf der Matte waren, öffnete sie wieder die Augen. „So etwas ist ganz normal, das passiert“, versicherte Bundestrainerin Bruckmann. Ramona war nach dem Kampf „total erleichtert“ und blickte zuversichtlich auf die Finalkämpfe: „Die beiden anderen, die im Halbfinale sind, hab ich auch schon geschlagen.“ Und mit ihrem Optimismus behielt sie Recht.

Auch die Mannschaftskollegen der Schwestern kamen, um sich die Kämpfe anzuschauen: „Das machen wir eigentlich immer so. Da fiebert man natürlich total mit“, sagte Matthias Krieger, der erst heute seinen Judo-Kampf hat. Besonders eindrucksvoll war die Fangemeinde der britischen Judoka im Excel-Center: Die Anhänger des britischen Teams hämmerten, trampelten, schrien und verursachten einen ohrenbetäubenden Lärm. „Ich bin froh, dass wir nicht gegen einen Briten kämpfen, das ist in dieser Kulisse wirklich schwer“, sagte Bundestrainerin Bruckmann.

Carmen und Ramona haben eine gut 25-jährige Judoerfahrung. Die Sportart ist zwar bereits seit 1988 paralympisch, aber erst seit 2004 gibt es Judo bei den Spielen auch für Frauen. Da die Schwestern in verschiedenen Gewichtsklassen kämpfen, kann es auch nicht dazu kommen, dass sie gegeneinander antreten müssen.


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