Paketkönig muss hinter Gitter - Landgericht verurteilt 39-jährigen Unternehmer zu drei Jahren und acht Monaten Haft

Udo W.: Schulden in Höhe von 200 000 Euro und drei Jahre,  acht Monate hinter Gittern vor sich. Foto: Klawitter
Udo W.: Schulden in Höhe von 200 000 Euro und drei Jahre, acht Monate hinter Gittern vor sich. Foto: Klawitter

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29. August 2008, 08:04 Uhr

Schwerin - Die Richter blieben damit nur knapp unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die vier Jahre und drei Monate verlangt hatte. Die Verteidigung hatte auf „höchstens anderthalb Jahre“ plädiert.
Seit November sitzt der gebürtige Lübzer bereits im Gefängnis – größtenteils in Untersuchungshaft, inzwischen hat er aber auch Geldstrafen unter anderem wegen Zechprellerei verbüßt. Dabei hatte der einstige Sportler mal große Pläne und galt als Hoffnungstrainer für die Region, der sich auch als Sponsor im Fußball feiern ließ.

Er ist offenbar noch heute von seiner Geschäftsidee überzeugt – ein von ihm entwickeltes Vertriebssystem, über das er deutschlandweit alle möglichen Waren verkaufen wollte. „Doch statt überhaupt etwas zu erwirtschaften, hat er erstmal kostspielige Trikots für die Fußballmannschaft und Firmenkleidung anfertigen lassen“, sagte der Vorsitzende Richter Uwe Fiddecke.

In der Fair-Deal Vertriebs GmbH gab es offenbar überhaupt keine Geschäftstätigkeit. So blieb das Textilservice-Unternehmen auf mehreren Tausend Euro Schaden sitzen. Ein Autohändler bekam wenigstens den Mercedes zurück, den Udo W. nie bezahlt hatte.

Die Polizei brachte dem Händler ein lädiertes Auto mit einem Schaden von über Tausend Euro wieder. Die Ausstattung für das Büro, das Geld für aufwändige Öffentlichkeitsarbeit wie Internetseiten und Videosequenzen, für Schulungen und kostspielige Weihnachtsfeiern, stapelweise Rechnungen – alles blieb unbezahlt.

„Mit seiner überzeugenden, keinen Widerspruch duldenden Art“ und „krimineller Energie“, so der Richter in der Urteilsbegründung, habe er reihenweise gestandene Geschäftspartner, die Arbeitsagentur und eigene Mitarbeiter getäuscht. Viele von ihnen hat das Gericht an den vorangegangenen 13 Verhandlungstagen als Zeugen gehört. Gegen sechs hat Udo W. den Spieß umgedreht und seinerseits Anzeige wegen Falschaussage erstattet.

„Herr W. wusste, dass seine Firma Fair-Deal Vertriebs GmbH spätestens ab März 2007 zahlungsunfähig war“, ist das Gericht überzeugt. Allein den Krankenkassen blieb er rund 20 000 Euro für die Anteile seiner Arbeitnehmer schuldig. Denen zahlte er nur einmal Lohn, im Oktober oder November 2006. Und trotzdem haben sie noch bis März 2007 für ihn gearbeitet. Als hätten alle daran geglaubt, dass aus dem Unternehmen noch einmal etwas ganz Großes wird.

„Koste es, was es wolle, war Ihre Devise“, sagt der Richter mit dem Hinweis auf teure Restaurantbesuche und noble Hotels, die W. für Schulungen buchen wollte. „Dabei wussten Sie von vornherein, dass Sie gar nicht zahlen können.“ Neben Betrug sahen die Richter Vorenthalten von Arbeitsentgelt und Insolvenzverschleppung als erwiesen an. Dabei hatte der mehrfache Vater, der bis 2001 offenbar erfolgreich für eine Münchener Firma arbeitete, einst ein gutes Auskommen.

Umgerechnet rund 125 000 Euro gab Udo W. vor Gericht als seinen damaligen Jahres-Netto-Verdienst an. Doch dann habe er die Stellung gekündigt, um sich, wie er sagte, „selbst verwirklichen“ zu können. Heute hat der Familienvater eigenen Angaben nach Schulden in Höhe von 200 000 Euro und noch geraume Zeit hinter Gitter vor sich.

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