Paketkönig droht Haft - Staatsanwaltschaft plädierte für mehrjährige Gefängnisstrafe

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26. August 2008, 08:43 Uhr

Schwerin - Der selbst ernannte Paketkönig Udo W. gehört nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft ins Gefängnis. Die Vertreterin der Anklage hat gestern vor dem Schweriner Landgericht für den Parchimer Unternehmer unter anderem wegen Insolvenzverschleppung und Betruges eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten gefordert.

Udo W. fühlt sich zu Unrecht von der Justiz verfolgt. Seit Mai dieses Jahres steht er wegen Betruges, Insolvenzverschleppung und anderer Wirtschaftsdelikte vor Gericht.

Und immer wieder hat er seine Meinung unüberhörbar deutlich gemacht: Er ist es, der hier ungerecht behandelt wird. Im Gefängnis, wo er seit nun fast zehn Monaten sitzt, hat er offenbar das Strafgesetzbuch studiert. So nimmt er hin und wieder seine Verteidigung selbst in die Hand, obwohl ihm gleich zwei erfahrene Anwälte als Pflichtverteidiger zur Seite stehen.

Sechs Zeugen, die in dem Prozess aussagten, hat er selbst wegen „Falschaussage“ angezeigt. Gestern, als ab Mittag eigentlich plädiert werden sollte, stellte er einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter – und überraschte damit offenkundig auch seinen Verteidiger. Der Antrag wurde beraten. Und schließlich abgelehnt.

Staatsanwältin Heidrun Sprenger findet nach zwölf Prozesstagen noch immer, dass Udo W. zu Recht auf der Anklagebank sitzt. Sie sieht die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bestätigt. Udo W. habe als Geschäftsführer der Fair-Deal Vertriebs GmbH insgesamt 49 Straftaten begangen, sagte sie in ihrem Plädoyer. Gewerbsmäßigen Betrug zum Beispiel, Insolvenzverschleppung und Vorenthalten von Arbeitsentgelt.

Der heute 39 Jahre alte geborene Mecklenburger habe 2006 die GmbH gegründet, obwohl es ihm da schon untersagt gewesen sei, ein Gewerbe anzumelden. Von seiner Geschäftsidee scheint er noch heute überzeugt zu sein: ein von ihm entwickeltes Vertriebssystem, über das er deutschlandweit zunächst Reinigungsmittel vertreiben wollte.

Udo W., offenbar mit großer Überzeugungskraft ausgestattet, stellte rund 20 Mitarbeiter ein. Doch die, so die Staatsanwältin, hatten nichts zu tun. Sie hätten nicht einmal Computer oder Telefon zur Verfügung gehabt. Geld habe er ihnen nur ein einziges Mal bezahlt – im November 2006, als Mittel von einem Franchisenehmer flossen.

Die Arbeitsagentur stellte Eingliederungszuschüsse bereit, die Udo W. ihrer Meinung nach gar nicht hätte beantragen dürfen. Fast 10 000 Euro betrage der Schaden für das Arbeitsamt. Allein den Krankenkassen schuldet er der Anklage zufolge rund 20 000 Euro für Anteile der Arbeitnehmer. Diese hatten im März 2007 die Nase voll, kündigten und zeigten ihren Chef an.

Genau wie ein Autohändler, der offenbar bis heute auf das Geld für einen Mercedes wartet. Ein Kameramann, der in W.‘s Auftrag ein Video über ein Fußballspiel drehte, eine Programmiererin, ein Textilunternehmer, Gastwirte – sie alle haben Leistungen erbracht für Udo W. und nie einen Cent gesehen. Die Staatsanwältin wertete das als gewerbsmäßigen Betrug.

Das Gericht hatte zu Prozessbeginn angeboten, im Gegenzug für ein Geständnis beim Strafmaß drei Jahre und drei Monate nicht zu überschreiten. Das hatte Udo W. abgelehnt. Inzwischen hat er zwar laut Anklagevertretung die Insolvenzverschleppung und die Straftaten gegenüber den Krankenkassen eingeräumt.

Doch viel mehr Pluspunkte sah die Staatsanwältin nicht. Sie forderte vier Jahre und drei Monate, ein Urteil des Amtsgerichts Koblenz vom Frühjahr einbezogen. An dem kam auch Verteidiger Carsten Düwel nicht vorbei. Er plädierte für maximal anderthalb Jahre, wenig mehr als die Koblenzer Richter verhängten. Das Landgericht hat nun zehn Tage Zeit, um das Urteil zu sprechen.

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