Paketkönig ab heute auf der Anklagebank

Bei Helmut Müller, Vermieter eines Ferienhauses in Alt Brenz, hatte der Paketkönig bis zu seiner Verhaftung im November 2007 gewohnt. Foto: Michael-Günther Bölsche
Bei Helmut Müller, Vermieter eines Ferienhauses in Alt Brenz, hatte der Paketkönig bis zu seiner Verhaftung im November 2007 gewohnt. Foto: Michael-Günther Bölsche

von
08. Mai 2008, 10:31 Uhr

Parchim/Schwerin - Helmut Preuß, Tischler in der Nähe von Lübz (Landkreis Parchim), will keine großen Hoffnungen auf den Prozess setzen. „Die 12000 Euro, die mir der Paketkönig schuldet, sehe ich so oder so nicht wieder“, sagt er. Das meiste davon sind Mietschulden. Von Mai 2006 bis April 2007 hatte sich Udo W. großzügig bei ihm eingemietet.

Damals war der Paketkönig, wie sich der heute 39-Jährige selbst nannte, ein angesehener Unternehmer und Mäzen des Sports. Seine Geschäftsidee war das von ihm entwickelte Vertriebssystem FairDeal. Der Slogan: „Einfach. Ehrlich.“

Von heute an muss sich Udo W. vor der Wirtschaftsstrafkammer des Schweriner Landgerichts verantworten. „Dem Angeklagten wird Betrug, Insolvenzverschleppung und Vorenthalten von Arbeitsentgelt vorgeworfen“, sagte Richterin Andrea Philipps gegenüber unserer Redaktion. Die Anklageschrift listet 48 Fälle auf.

Udo W., vor 39 Jahren in Lübz geboren, hat ein bewegtes Leben hinter sich. Er war talentierter Jugendspieler des DDR-Fußball-Zweitligisten BSG Hydraulik Nord Parchim und Nachwuchsspieler beim 1. FC Magdeburg. Nach der Wende startete der gelernte Schlosser verschiedene Unternehmungen in den alten Bundesländern und scheiterte.

Mit Frau und sechs Kindern kam er nach Parchim zurück und gründete im Oktober 2006 seine Firma FairDeal, mit der er deutschlandweit Reinigungsmittel vertreiben wollte. Selbst ein eigener Fernsehsender – „Paketkönig.tv“ – war in Vorbereitung. Doch die einzigen Euro, die in die Kassen kamen, waren die Fördergelder der Arbeitsagentur für die Anstellung von Langzeitarbeitslosen. Von Dezember an zahlte Udo W. seinen Angestellten kein Gehalt mehr.

Vier Monate später, nur noch 15 Mitarbeiter waren in der Firma, beantragte ein Sozialversicherer die Insolvenz des fragwürdigen Unternehmens. Der Paketkönig lebte trotzdem weiter auf großem Fuß. Als Hauptsponsor des Parchimer Fußballclubs sorgte Udo W. für Riesen-Events in der Provinz: Er verschickte im November 2006 etwa 50000 Einladungen zum Spiel Parchimer FC gegen die SpVgg Cambs-Leezen.

Tatsächlich kamen 1000 Besucher. Rechnungen für Werbekosten, Catering und einen Film über das Sportereignis blieben unbezahlt. Längst hat der damalige Hauptsponsor beim PFC Hausverbot.
Auch Fleischermeister Helmut Müller gehört zu den Betrugsopfern. Bei ihm hatte der Paketkönig bis zu seiner Verhaftung im November 2007 gewohnt. Müller: „Er hatte nicht nur keine Miete gezahlt, sondern sogar die Einrichtung demoliert.“ Auch der Fleischer weiß, dass er sein Geld nicht zurückbekommen wird. „Ich hoffe aber, dass W. seine gerechte Strafe erhält“, meint Müller.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen