Packt der Rostocker Bankerpresser aus?

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11. März 2008, 07:56 Uhr

Rostock - Die Gespräche mit dem mutmaßlichen Erpresser Michael Freitag und der Rostocker Staatsanwalt werden Anfang kommender Woche beginnen, bestätigte gestern Behördensprecher Peter Lückemann gegenüber unserer Redaktion. Der 48-jährige Tatverdächtige, der sich seit dem 28. November 2007 in der Haftanstalt Bützow befindet, soll über eine DVD mit mehr als 700 Kontodaten möglicher Steuersünder bei der Liechtensteiner Landesbank verfügen. Dabei soll es sich um deutsche Großverdiener und eine Gesamtsumme von mehr als vier Milliarden Euro handeln. Die DVD hatte Freitag zuvor bereits dem Bundesfinanzministerium angeboten, das aber auf die ermittelnde Behörde in Rostock verwiesen hatte.

Freitag und seine Strafverteidigung erhoffen sich durch die Freigabe der Daten offenbar Strafmilderung. „Das ist denkbar, aber Straffreiheit wird es nicht geben“, so der Behördensprecher. Die angeklagten Straftaten seien so schwer, dass mit einer mehrjährigen Haftstrafe für den Angeschuldigten und seine drei mutmaßlichen Mittäter zu rechnen sei.

Am 15. September 2007 war der Tatverdächtige auf dem Hamburger Flughafen mit 450000 Euro festgenommen worden. Nach Informationen unserer Zeitung hatten die Ermittler zum Zeitpunkt der Festnahme keine Ahnung von Freitags Besitz der milliardenschweren Datensätze deutscher Steuersünder und von seinen Erpressungen der Liechtensteiner Landesbank. Vielmehr vermuteten die Fahnder, dass der Rostocker das Geld aus einer früheren Erpressung waschen wollte.

Denn Michael Freitag war 1997 und 1998 zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt worden, weil er im Januar 1994 den damals 30-jährigen Sohn des Rostocker Möbelhändlers Herbert Kempkes entführt hatte. Ein Teil der Beute, 1,5 Millionen von insgesamt vier Millionen Mark, ist bis heute verschwunden.

Nachdem Freitag 2005 vorzeitig aus der Haft entlassen worden war, wurden die Ermittler 2007 erneut auf ihn aufmerksam, als seine Mutter im Sommer mit einem Anwalt 1,3 Millionen Euro bei einer Rostocker Bank auf ein Thailänder Konto einzahlen wollte. Die Bank nahm das Geld nicht an und informierte die Polizei. Im November, zwei Monate nach der Verhaftung des Tatverdächtigen, kamen durch Rechtshilfe der Liechtensteiner Behörden Hinweise auf Freitags Erpressungen der dortigen Landesbank ans Tageslicht. Die Daten sollen von einem Bank-Mitarbeiter gestohlen worden und in den Besitz Freitags gelangt sein. Die erpresste Liechtensteiner Landesbank habe bereits neun Millionen Euro an den Angeschuldigten und seine Komplizen gezahlt, so die Staatsanwaltschaft.

Ermittlerkreise halten es für denkbar, dass Freitag in der kommenden Woche die DVD herausrückt. Lückemann: „Wenn er die Daten weiterhin zurückhält, kann dies strafverschärfend als andauernde Erpressung gewertet werden.“

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