Otto und die dicken Karpfen

Die größten Exemplare in den Altfriedländer Teichen wiegen um die acht Kilo. Mit ihnen bedient der Betrieb den besonderen Geschmack der Brandenburger. Und trotzdem floriert das Geschäft nicht.

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06. Oktober 2008, 09:02 Uhr

Altfriedland - Bis zum Bauch steht Otto Wuschke an diesem Morgen im trübkalten Wasser der Altfriedländer Teiche im Oderbruch. Unter den gierigen Blicken von Fischreihern und Kormoranen schnappt sich der 73-Jährige Karpfen für Karpfen aus einem Netz und wuchtet die Tiere in einen riesigen Korb aus Maschendraht. Trotz seines roten Gesichts mag Rentner Wuschke nicht zugeben, wie anstrengend das Umsetzen der Tiere in die Winterteiche für ihn ist. „Früher tobten während des Abfischens noch Herbststürme. Da hat man sich kaum auf den Beinen halten können“, sagt Wuschke.

Märker mögen’s groß
Seit mehr als 60 Jahren fischt er nun schon an den Altfriedländer Teichen – 30 Jahre war er hauptberuflich bei der dortigen Teichwirtschaft. Nun muss er auf seine alten Tage wieder ganz dicke Karpfen stemmen, die den Brandenburgern besonders gut schmecken. „Während man im Süden eher kleine Fische bevorzugt, mögen die Leute von hier einfach die Großen“, sagt Jörg Timm, Geschäftsführer der Altfriedländer Fischerei. Also haben sich die Altfriedländer auf die Zucht von besonders schweren Tieren spezialisiert. „Erst mit drei bis vier Kilogramm kommen bei uns die Karpfen aus dem Teich. In dieser Größe sind die Fische optimal für die Brandenburger Zubereitungsarten und man bekommt richtige Portionen“, sagt Timm.

Dazu müssen die Karpfen bis zu fünf Jahre in den Teichen bleiben. Dort wachsen sie allmählich von 90 Gramm schweren Setzlingen zu Prachtexemplaren heran. Hauptabnehmer sind neben Restaurants vor allem Angler aus Berlin und Brandenburg. Mehrere hundert Petrijünger tummeln sich auf den idyllischen Gewässern der Altfriedländer Fischerei und angeln im Laufe eines Jahres bis zu 60 Tonnen Karpfen.

Mehr allerdings sei nicht aus den 278 Hektar großen Teichflächen herauszuholen, sagt dazu Timm. „Zu DDR-Zeiten haben wir hier bis 300 Tonnen Karpfen im Jahr geerntet. Unter betriebswirtschaftlichen Bedingungen ist das aber nicht mehr möglich. Deshalb haben wir auf extensive Bewirtschaftung umgestellt.“ Schließlich waren für die Massenproduktion zu DDR-Zeiten bis zu 14 Männer vom Schlage eines Otto Wuschke nötig. Heute hingegen muss Timm mit zwei festen Mitarbeitern auskommen. „Die Arbeit ist im Vergleich zu früher nicht weniger geworden. Aber mehr Angestellte können wir uns einfach nicht leisten“, sagt Timm.

Gerne würde er den einen oder anderen Mann einstellen, doch erst im Frühjahr hat Timm einen neuerlichen Rückschlag hinnehmen müssen. „Von heute auf morgen haben wir erfahren, dass in diesem Jahr nichts mehr von der EU für das so genannte KuLap gezahlt wird.“ Weil die Mittel zur Kultur- und Landschaftserhaltung wegfielen, musste Timm zwei Leute entlassen. Dass es dieses Geld nicht mehr gibt, ist Timm im Falle der Teichfischer im Oderbruch völlig unverständlich. „Zur Fischwirtschaft gehört auch die Pflege der Dämme und Flutungswiesen. Und davon mähen und bessern wir etliche Kilometer aus.“

Kormorane holen junge Fische
Zudem wurden mit den EU-Mitteln die Verluste durch Kormorane, Graureiher und Fischotter ausgeglichen. „Allein 300 Kormorane rasten hier. Und die haben gehörigen Appetit“, sagt Timm. In besonders schlimmen Jahren verliert Timm so rund 11 000 Jungkarpfen. Derlei Verluste können auch die florierenden Geschäfte mit den Anglern nicht auffangen. Der Geschäftsführer sagt: „Also muss ich bei den Arbeitskräften sparen und beim Abfischen auf Veteranen wie Otto zurückgreifen.“

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