Osterfeuer werden immer beliebter - heidnische Ursprünge

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19. März 2008, 03:50 Uhr

Schwerin - Am kommenden Wochenende brennen in Mecklenburg-Vorpommern wieder die Osterfeuer. Dieser alte Brauch hat in den vergangenen Jahren wieder deutlich an Beliebtheit gewonnen, wie der Volkskundler Christoph Schmitt von der Universität Rostock sagt. Als einen Grund dafür vermutet er, dass Ferienorte mit dem Osterfeuer den Touristen eine Attraktion bieten können. Damit alte Sitten und Bräuche über Generationen hinweg nicht untergingen, sei es wichtig, Traditionen zu pflegen.

Obwohl zu Ostern die Auferstehung Christi gefeiert wird, gehen die Osterfeuer auf heidnische Ursprünge zurück: „Es wird symbolisch der Winter verbrannt“, erklärt die Leiterin des Volkskulturinstituts Mecklenburg und Vorpommern in Rostock, Gerda Strehlow. Wann die ersten Osterfeuer an der Ostsee loderten, weiß aber auch sie nicht zu sagen. Fest stehe aber, dass es zwischen den Dörfern häufig einen regelrechten Wettbewerb gab um die höchsten Stapel und das bei Nacht am weitesten sichtbare Feuer. Dazu seien oft auch Hügel genutzt worden, um die Nachbargemeinden auszustechen, fügt Strehlow hinzu.

Während das Osterfeuer den Winter austreiben sollte, galt das Osterwasser als Zeichen des Lebens und der Fruchtbarkeit: Junge Frauen schöpften es in der Nacht zu Ostersonntag gegen den Strom aus den Bächen. Dabei durften sie nicht sprechen. „Dieser Brauch wurde in Mecklenburg lange gepflegt“, sagt Strehlow. Um das Schweigen der Frauen zu brechen und sie zum Lachen zu bringen, hätten junge Männer oft versucht, sie abzulenken, ergänzt der Volkskundler Schmitt.

Mit dem Osterwasser wurden in der Hoffnung auf reiche Ernten Äcker und Wiesen besprengt. Auch das Vieh durfte das Osterwasser trinken, um prächtig zu wachsen. Beim Bierbrauen wurde das heilige Wasser ebenfalls eingesetzt, um seine wohltuende Wirkung zu entfalten, wie Strehlow erklärt. „Denn bis zur Zeit des Ersten Weltkriegs war der Volksglaube in den mecklenburgischen Dörfern noch weit verbreitet“, sagt Christoph Schmitt.

Erst seit der Wendezeit wird den Experten zufolge ein Brauch gepflegt, den es bereits im 19. Jahrhundert gab: Bäume und Sträucher im Garten mit bunten Eiern zu schmücken. Das sei zu DDR-Zeiten unüblich gewesen, sagt Strehlow.

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