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Ihr Rat: Vorsicht bei Verträgen und Kette vorlegen : Oma gibt Betrügern keine Chance

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Brunhilde Bunge ist 84 Jahre alt und hat schon viel erlebt. Bei der täglichen Lektüre der SVZ ist sie auf ein Phänomen gestoßen: Immer wieder fallen vor allem ältere Leute auf Trickbetrüger herein.

svz.de von
erstellt am 17.Jan.2011 | 10:50 Uhr

Dass derartige Versuche schamloser Verbrecher, mit den unterschiedlichsten Maschen Bargeld oder Wertgegenstände zu ergaunern, keineswegs nur Einzelfälle sind, das kann Brunhilde Bunge aus eigener Erfahrung bestätigen. Fast wöchentlich erhalte sie dubiose Anrufe oder stünden unbekannte Typen vor der Tür, die alle ein Ziel hätten: Die Seniorin zu irgendwelchen schleierhaften Geschäften zu überreden. Doch da sind sie bei ihr an der falschen Adresse: Die Schelfstädterin ist auf der Hut, ist noch keinem Betrüger auf den Leim gegangen. Vielleicht, so hofft sie, können auch andere SVZ-Leser von ihren Erfahrungen profitieren. Deshalb schildert sie gern ein paar Beispiele:

Es sei Mitte Dezember gewesen, als eine Frau mit sächsischem Akzent bei ihr anrief, die angab, bei der AOK tätig zu sein. Unter Verweis auf die bevorstehende Fusion der AOK Mecklenburg-Vorpommern und Berlin-Brandenburg behauptete sie, die alten Verträge würden auslaufen und deshalb komme am nächsten Tag ein junge Mann vorbei, der die neuen Verträge zur Unterzeichnung mitbringe. "Das kam mir spanisch vor", erzählt Brunhilde Bunge. Sie ließ sich nicht täuschen, sagte, dass sie sich selbst an die Kasse wenden würde. Als die selbe Frau kurz vor dem Jahreswechsel erneut bei ihr anrief und drohte, der Versicherungsschutz würde Neujahr erlöschen, wandte sich Bunge vorsichtshalber doch selbst an die AOK - und erhielt prompt die Bestätigung, dass die Behauptungen der Telefonbetrüger völliger Quatsch seien.

Clever angedacht, aber nicht clever genug sei ein anderer Betrugsversuch gewesen, berichtet die rüstige Rentnerin. So habe bei ihr eine Frau angerufen und mitgeteilt, dass sie als Dankeschön für die Teilnahme an einer Umfrage eine kostenlose Wohnungsreinigung gewonnen hätte. Am nächsten Tag werde ein junger Mann vorbeikommen, der Fenster und Türen putze und die ganze Wohnung schön sauber machen werde. "Ich habe aber an gar keiner Umfrage teilgenommen, also habe ich dankend abgelehnt", berichtet die 84-Jährige. Dass die Frau am Telefon daraufhin ausfallend wurde, habe sie schon nicht mehr gestört, sie habe einfach aufgelegt.

Auch der Enkeltrick sei leicht zu durchschauen, meint sie: "Ich habe selbst zwei Enkel und eine Urenkelin. Wenn die Geld von mir bräuchten, würden sie persönlich vorbeikommen und nicht am Telefon nachfragen und schon gar keine fremde Personen vorschicken. Und überhaupt: Wenn ein Enkel sich zu schade ist, mich zu besuchen, würde ich ihn dahin schicken, wo der Pfeffer wächst", sagt die Rentnerin deutlich.

Von Haustürgeschäften kann Brunhilde Bunge auch ein Lied singen. "Was mir nicht schon alles angeboten wurde: wunderschöne Kaffeefahrten, exklusive Weinpakete, supergünstige Wärmedecken und weiß der Teufel was noch alles. Schlimm genug, dass diese Typen es immer wieder schaffen, irgendwie unsere Haustür aufzubekommen. Ich habe deshalb immer die Kette an der Wohnungstür geschlossen und lehne dankbar, aber bestimmt ab. Wenn ich etwas brauche, kaufe ich es mir selbst im Laden oder lasse es mir von meiner Schwiegertochter mitbringen", erläutert die clevere Oma ihre Strategie. Ähnlich vorsichtig gehe sie übrigens auch mit der Paket annahme um. "Wenn ich für einen Nachbarn ein Paket oder Päckchen annehmen soll, dann sagt der mir das schon im voraus. Etwas anderes nehme ich nicht an, da muss der Lieferservice eben nochmal kommen. Ich kenne Beispiele, dass Bekannte auf den fremden Waren sitzen geblieben sind und das letztendlich selbst bezahlen mussten", berichtet Brunhilde Bunge von ihren Erfahrungen.

Erstaunt ist sie immer nur, woher die Trickbetrüger ihre Informationen bekommen und dass gerade ältere Menschen in deren Visier geraten. "Aber darauf kann man sich einstellen. Vorsicht kann nie schaden", fasst die 84-Jährige ihr Wissen und ihre Erfahrungen zusammen.

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