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„Oma der Kapitäne“ auf der Hanse Sail

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Noch einmal überprüft Gisela Schwerin den Inhalt der Kapitänstasche. Liegeplatzfahne, Teilnehmerzettel und das Handbuch für den Kapitän - alles muss vollständig sein, wenn sie das niederländische Segelschiff „Stella Maris“ nach der Einfahrt in den Rostocker Stadthafen an seinem Liegeplatz begrüßt und die Tasche zusammen mit einem Blumenstrauß dem Kapitän überreicht. Gisela Schwerin ist Schiffsbetreuerin und wird sich während der Hanse Sail um die Crew des Seglers kümmern.
Seit 1991 engagiert sie sich für das Traditionsseglertreffen und heißt die ihr zugeteilten Schiffe im Namen der Stadt Rostock willkommen. Damit gehört sie zu den dienstältesten Betreuern. „Ich bin aber auch die älteste Betreuerin“, sagt sie. Wie alt sie genau ist, will sie jedoch nicht verraten. „Ein Kapitän hat mich einmal als Oma der Kapitäne bezeichnet. Den Titel habe ich gerne angenommen“, erzählt sie schmunzelnd.

Sechs Schiffe hat Schwerin in den 19 Jahren betreut, davon einige über mehrere Jahre. „Ich gehe mehrmals am Tag zur Crew und frage die Leute, ob sie etwas brauchen. Ich bin Ansprechpartnerin für alle Anliegen. Auch Stadtführungen biete ich der Besatzung an“, fasst sie ihre Aufgaben zusammen. In manchen Jahren hat sie sich um bis zu drei Schiffe gekümmert. „Das wurde irgendwann zu viel. Jetzt bin ich nur noch für die Stella Maris da“, sagt die Sail-Helferin. Der Ein-Mast-Segler gehört bereits seit einigen Jahren zu „ihren“ Schiffen, zu denen auch ein großes norwegisches Segelschulschiff zählte.
Begonnen hatte 1991 alles mit einer Zeitungsanzeige, auf die Schwerin sich meldete. „Es wurden Leute für die Schiffsbetreuung gesucht, die Rostock und seine Geschichte kannten und eine Fremdsprache beherrschten“, erzählt die pensionierte Englischlehrerin. Seitdem ist die Hanse Sail ein fester Bestandteil in ihrem Leben. Gerne schaut sie auf die erste Sail zurück. „Das war großartig. Es waren viele tolle Schulschiffe dabei, wie etwa die Gorch Fock und die Greif“, erinnert sie sich.

Zur „Greif“ hat Gisela Schwerin eine besonders enge Bindung. „Das Schiff ist in Warnemünde gebaut worden. Ich bin dort geboren“, erklärt sie. Wenn es für sie gerade nichts zu tun gibt, weil die „Stella Maris“ zu einem Segeltörn ausgelaufen ist, geht sie gerne zur „Greif“ auf einen kleinen Plausch mit dem Kapitän. „Bei den Regatten drücke ich immer beide Daumen: einen für die Greif und einen für die Stella Maris. Zum Glück treten die Schiffe in unterschiedlichen Klassen an, so gibt es keine Interessenkonflikte“, sagt Schwerin.

Mit dem jährlichen Windjammertreffen verbindet sie viele schöne Erlebnisse. Dazu gehören auch die Mitsegeltörns, zu denen „ihre“ Crews sie manchmal einladen. Wind und Wellen machen der älteren Dame nichts aus. „Mir macht es erst richtig Spaß, wenn etwas Seegang herrscht und die Wellen hochspritzen“, sagt sie. Am schönsten findet sie jedoch die kleinen, aber herzlichen Gesten der Crewmitglieder.

„Zum Beispiel hat mich der Kapitän eines Schiffs, um das ich mich im letzten Jahr noch gekümmert habe, durch seine jetzige Betreuerin grüßen lassen“, berichtet sie erfreut.
So sehr sie an dem Windjammertreffen und den vielen traditionsreichen Segelschiffen hängt, die 20. Hanse Sail wird die letzte sein, an der sie aktiv als Helferin teilnimmt. „Ich wollte unbedingt noch die 20. machen, sonst hätte ich im letzten Jahr schon aufgehört“, sagt die langjährige Betreuerin. Fehlen wird ihr das maritime Fest auf jeden Fall. Gisela Schwerin ist sich sicher: „Ich werde im nächsten Jahr bestimmt als Besucherin wiederkommen und mir die Schiffe ansehen.“

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erstellt am 06.Aug.2010 | 01:44 Uhr

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