„Okay“ – und die Meute saust los

Goldgräber in Sibirien vertrieben sich einst die Zeit mit Schlittenhunderennen – für Andreas Lück sind sie viel mehr als ein Hobby. Mit seinen elf Hunden bereitet er sich auf die Deutsche Meisterschaft vor.

von
01. Oktober 2008, 07:45 Uhr

Karbow - Wenn die Temperaturen auf unter 20 Grad Celsius zu sinken beginnen, dann weiß Christin Kinzel, dass ihr Lebensgefährte bald weniger Zeit für sie haben wird. Die Sommerpause für die elf Schlittenhunde, die zur Familie gehören, geht zu Ende und das Training für die Schlittenhunderennen beginnt.

Vor zwei Wochen spannte Andreas Lück die Hunde erstmals wieder vor den Trainingswagen, um ihre Ausdauer zu trainieren. Zuerst fährt er nur wenige, später bis zu 15 Kilometer. Die Hunde vor den Wagen zu spannen, erfordert Nerven wie Drahtseile. Dann bellen die Tiere voller Vorfreude – ohrenbetäubend, fordernd, jaulend. Einer nach dem anderen wird am Geschirr mit dem Wagen verbunden, die sechs Hunde paarweise davorgespannt.

Bevor das Kommando „Okay“ ausgesprochen ist, saust die Meute los. „Das ist Adrenalin pur und ein Stückchen Freiheit“, schwärmt Andreas Lück. Auf die beiden Anführerhunde „Carlos“ und „Paris“ kann sich der 34-Jährige absolut verlassen, und das tun auch die Hunde, die dahinter angespannt werden. Schließlich bleibt ihnen nichts anderes übrig. Selbst wenn ein Kaninchen vor ihnen über den Weg läuft oder die Strecke an kläffenden Hofhunden vorbeiführt, lassen sich die Tiere, die das Sechsfache ihres Gewichtes ziehen können, nicht beirren.

Rennen um des Rennens Willen – das liegt ihnen im Blut. Fünf Europäische Schlittenhunde und sechs Alaskan Husky besitzt Andreas Lück. Drei von ihnen sind bereits im Rentenalter und werden ab und zu für Kinder vor den Wagen gespannt. Sie können nicht einfach aufhören. „Die brauchen das Rennen.“
Besuchern rät er, das Wort „okay“ in Gegenwart seiner Hunde zu vermeiden. Ein Freund hatte die Tiere einmal vom Wagen getrennt, weil sie sich in den Seilen verfangen hatten. „Alles okay, es kann weiter gehen“, hatte er gerufen. Die Tiere nahmen das wörtlich und flitzten freudig los – ohne Wagen und Fahrer


Hintergrund


Zur Fortbewegung wurden Schlittenhunde in Sibirien schon vor 4000 Jahren vor den Wagen gespannt. Auch Polarforscher mieteten sich Hundegespanne. Ohne Schlittenhunde waren ihre Entdeckungen, wie die von Roald Amundsen, der als erster Mensch den Südpol erreichte, nicht möglich. Seit Motorschlitten und Kleinflugzeuge genutzt werden, veranstalten Goldgräber Schlittenhunde-Rennen um viel Geld.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen