Ohne Job, aber nicht "arbeitslos"

Wer im Rahmen von Hartz IV an Weiterbildungsmaßnahmen teilnimmt, fällt aus der Arbeitslosenstatistik.archiv
Wer im Rahmen von Hartz IV an Weiterbildungsmaßnahmen teilnimmt, fällt aus der Arbeitslosenstatistik.archiv

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17. März 2010, 07:17 Uhr

Nordwestmecklenburg | Sie sind ohne festen Job, werden aber nicht als "arbeitslos" bezeichnet und fallen somit aus der Statistik: Frauen und Männer in Beschäftigungs- oder Qualifizierungsmaßnahmen und Menschen die von ihrer Arbeit nicht leben können - sie alle sind im Hartz IV-Programm und erhalten Arbeitslosengeld II.

Laut Arge Nordwestmecklenburg stieg die Arbeitslosigkeit im Landkreis im Vergleich zu 2008 um 2,1 Prozent auf 4670. Dies betrifft nur den Bereich der Argen; samt Empfänger von Arbeitslosengeld I sind es 7421 Arbeitslose.

Weil sie nicht als "arbeitslos" bezeichnet werden, sind Menschen in "Beschäftigungsschaffenden Maßnahmen" wie Ein-Euro-Jobber, ABM- (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme) und AGH (Arbeitsgelegenheit)-Kräfte, davon ausgenommen.

Im Jahr 2009 waren 4368 Nordwestmecklenburger in solchen Maßnahmen integriert. Berufliche Weiterbildungen konnte die Arge NWM um 20,3 Prozent mehr fördern.

Laut Definition des Sozialgesetzbuches (SGBII) stehen auch Menschen, die an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung und zählen damit nicht zu den Arbeitslosen, sondern gelten als arbeitssuchend. Zählt man sie jedoch hinzu, und alle anderen, die Arbeitsförderungsmaßnahmen in Anspruch nehmen, beträgt die Zahl der wirklich Arbeitslosen im Landkreis Nordwestmecklenburg weit mehr.

Wie viel das sind, kann Annerose Viehstaedt, Geschäftsführerin der Arge Nordwestmecklenburg, nicht sagen. "Die Arbeitssuchenden seien keine statistische Größe. Damit wird nach außen nicht gearbeitet."

Die Zahl der erwerbsfähigen Hilfebedürftigen (Frauen und Männer zwischen 15 und 65, die erwerbsfähig und hilfebedürftig sind) reduzierte sich um 7,4 Prozent auf 9605. Davon erhalten 21,5 Prozent ergänzend zu einem Einkommen aus Erwerbstätigkeit das Arbeitslosengeld II. Deren Niedriglöhne werden damit auf Hartz IV-Niveau angehoben.

65 Prozent ihrer Eingliederungsmittel (das sind 8182 Euro) setzt die Arge NWM für den ersten Arbeitsmarkt ein. Wegen der Finanzkrise wurden im vergangenen Jahr jedoch weniger Menschen aus Nordwestmecklenburg auf dem ersten Arbeitsmarkt integriert. Es waren 2011, das entspricht einem Rückgang von 10,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor zwei Jahren waren es noch genau 1000 mehr. Schuld sei laut Viehstaedt die Abhängigkeit von Teilarbeitsmärkten. "Wir haben viele Auspendler nach Wismar und Hamburg. Wenn dort die Arbeitsmärkte zusammenbrechen, haben wir da keinen Einfluss drauf. Wo nichts ist, können wir nichts vermitteln."

Die Ersparnis des Landkreises im Jahr 2009 von 1,4 Millionen Euro im Zusammenhang mit dem Rückgang der Bedarfsgemeinschaften um 4,8 Prozent auf 6808 hat sich im Vergleich zum Vorjahr (2008 wurden 2,5 Millionen Euro gespart) verringert. Grund für die geringere Ersparnis seien unter anderem Gesetzesänderungen wie die Erhöhung des Wohngeldes und der Kinderzuschläge, heißt es von der Arge.

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