Ohne blauen Dunst kein Geschäft - „Wilddieb“ in Rukieten schließt

Auch der Wirt muss vor der Tür rauchen. Frank Becker hat seinen „Wilddieb“ geschlossen. Das Nichtraucherschutzgesetz hielt weitere Gäste von der Kneipe fern. Das Geschäft lohnte nicht mehr. Foto: Claudia Röhr
Auch der Wirt muss vor der Tür rauchen. Frank Becker hat seinen „Wilddieb“ geschlossen. Das Nichtraucherschutzgesetz hielt weitere Gäste von der Kneipe fern. Das Geschäft lohnte nicht mehr. Foto: Claudia Röhr

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06. Mai 2008, 06:05 Uhr

Rukieten - Es sind harte Zeiten für Gastwirte, sagt Frank Becker. Die Gästezahlen in seiner Gaststätte in Rukieten sind seit Jahren rückläufig. Das Nichtraucherschutzgesetz vergraule weitere Kunden. Becker hat seinen „Wilddieb“ in Rukieten deshalb geschlossen.

Der 49-jährige Gastwirt sitzt auf einer Bank vor der Kneipe, trinkt Kaffee und raucht. Neben der Eingangstür zum „Wilddieb“ hängt ein Zigarettenautomat.

Seit dem 1. Januar gilt das Nichtraucherschutzgesetz, ist der blaue Dunst in Gaststätten verboten. Für Frank Becker war damit das Ende der Fahnenstange erreicht. Seit Jahren sinke der Umsatz. „Erst der Euro, dann die Mehrwertsteuererhöhung – am Schluss habe ich nur noch zugebuttert“, sagt Frank Becker. Sein Empfinden ist, dass die Menschen immer seltener in Gaststätten gehen. „Wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn es immer weniger Kneipen werden“, sagt Becker.

Geraucht wurde in seinem urig eingerichteten „Wilddieb“ immer. Der Wirt ist selbst Raucher. Das Nichtraucherschutzgesetz hätte der ohnehin angeschlagenen Kneipe weiter geschadet, ist Frank Becker überzeugt. So nahm er das Rauchverbot zum Anlass, die Gaststätte zu schließen – „bis auf weiteres“, steht im Schaukasten neben dem Eingang.

Vor neun Jahren eröffnete der gelernte Fliesenleger und Hobbykoch den „Wilddieb“ in Rukieten. Der Name verrät es, Wildgerichte sind die Spezialität des Hauses. Becker kaufte das Anwesen von der Gemeinde – ein zweistöckiges Haus, in dem sich früher die Dorf-Gaststätte befand, und ein angebauter Saal, in dem Becker dann seine Kneipe einrichtete. Das heruntergekommene Haupthaus sei nicht mehr zu retten gewesen. Frank Becker baute es neu. Heute wohnt er darin.

Der 49-Jährige steckt sich eine weitere Zigarette an. Den „Wilddieb“ vermietet er heute für private Feiern und öffnet für Gruppen nach Voranmeldung. „Wenn die Gäste es wünschen, können sie dann auch rauchen“, sagt Frank Becker. Was mit dem neuen Nichtraucherschutzgesetz erlaubt ist, was nicht, weiß der Wirt nicht ganz genau.

Für sich interpretiert er es so: „Das sind private Veranstaltungen.“
Allein davon kann der Rukietener, der auch Bürgermeister seiner Gemeinde ist, nicht leben. Seit der „Wilddieb“ geschlossen hat, baut Frank Becker seinen Partyservice weiter aus.

Dass die Gaststätte geschlossen ist, muss nicht endgültig sein. Becker hofft auf bessere Zeiten. Er hat von einem Programm zur Unterstützung ländlicher Gaststätten gehört und will sich darüber informieren.

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