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Vorsitzender des Imkervereins Lübz und Umgebung: Uwe Polak : Ohne Bienen kein Leben mehr

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Meldungen, dass 2011 ein für Bienen gutes Jahr sein soll, kannn nicht über das Problem hinwegtäuschen, dass die Menschheit weiter ihre eigene Lebensgrundlage zerstört.

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erstellt am 27.Jul.2011 | 11:52 Uhr

Meldungen, dass zumindest 2011 ein für Bienen vergleichsweise gutes Jahr sein soll, könnten nicht über das grundsätzliche Problem hinwegtäuschen, dass die Menschheit weiter ihre eigene Lebensgrundlage zerstöre, sagt Uwe Polak, Vorsitzender des Imkervereins Lübz und Umgebung: "Durch Fakten untermauerte Warnrufe werden in der Regel jedoch nicht ernst genommen. Nach meinem Eindruck gilt fast nur noch das Jetzt und Heute und ansonsten der Grundsatz: Nach uns die Sintflut. Zeichnet das menschlichen Verstand aus?"

Bienenweideprogramm nicht ausgenutzt

Auf Initiative von Imkern aus dem Landkreis Parchim habe es 2008 eine Beratung im Schweriner Landwirtschaftsministerium gegeben. Ergebnis war das "Bienenweideprogramm", demzufolge auf landesweit 1250 Hektar Blühflächen angelegt werden können, was pro Betrieb auf zwei Hektar begrenzt ist. "Einige würden mehr machen, aber nach wie vor ist die Fläche bei uns nicht ausgenutzt, weil das Programm wegen des zu hohen Aufwandes für den Landwirt unattraktiv ist", meint der Imker. In Bayern etwa habe man gut 20 000 Hektar vereinbart, in Österreich seien drei Prozent des landwirtschaftlich genutzten Raumes als Blühfläche anzulegen. "Momentan ist es so, dass die Situation für die Biene noch nie so schlecht war wie jetzt - vor allem deshalb, weil die nach den jetzigen Grundsätzen praktizierte Landwirtschaft ihr die Nahrungsgrundlage raubt", sagt Polak.

Auch in der neuen Broschüre "Ohne Bauern geht nichts" des Ministeriums stehe nichts über die Biene. In der auf Anregung von Imkern erarbeiteten Schrift "Empfehlungen zur Stabilisierung der Bienenvölker" seien unter anderem Möglichkeiten aufgeführt, die keine Ausgaben verursachen, sondern sogar helfen, Geld zu sparen. "Wir haben uns unter anderem beim Amt für Landwirtschaft erkundigt, ob nach den Empfehlungen gearbeitet wird", berichtet der Vereinsvorsitzende. "Die Antwort war, dass sie keine Arbeitsgrundlage seien. Unbeantwortet blieb eine ans Ministerium gerichtete Nachfrage, ob die Empfehlungen landesweit per Erlass oder dergleichen eingeführt wurden."

Die Honigbiene bedient 80 Prozent aller Pflanzen, die zum Überleben auf Bestäubung angewiesen sind, und ist als deshalb für den Menschen drittwichtigstes Nutztier Grundlage für das Funktionieren des Ökosystems. Nicht nur der größte Teil der Allgemeinheit, sondern auch viele Umweltverbände seien sich dieser Zusammenhänge anscheinend nicht bewusst. "Sich zum Beispiel über Wolf, Adler und Schwarzstorch Gedanken zu machen, ist in Ordnung und kommt in der Öffentlichkeit gut an, aber wenn es keine Bienen mehr gibt, ist das andere hinfällig", sagt Polak. Das "extreme Sterben" der Tiere in 2009/2010 habe landesweit ein Drittel von ihnen dahingerafft.

Deutschland bezeichne sich öfter als Industriestaat, der sich eine geförderte Landwirtschaft leiste. "Und was machen wir mit den Fördermitteln? Die Landschaft und die Umwelt kaputt, was nicht sein kann", so Polak. 2010, offiziell das "Internationale Jahr der Biodiversität", wollte man die Entwicklung stoppen/zumindest einschränken, dass jeden Tag mehrere Pflanzen und Tiere aussterben, was in jedem Einzelfall Folgen habe. Erreicht habe man das angestrebte Ziel nicht einmal ansatzweise.

Der Einsatz von Insektiziden und Fungiziden habe Krebserkrankungen und Allergien seit Beginn der achtziger Jahre weltweit um 80 Prozent ansteigen lassen. "Man weiß zum Beispiel auch, dass Säuglingsflaschen aus Plastik hochgradige Gifte enthalten, vom Markt sollen sie jedoch erst in einigen Jahren genommen werden. Warum nicht sofort?", so Polak. "Die Industrie bedient sich der Politik, um ihre Interessen rücksichtslos durchzusetzen. Leidtragende sind in jedem Fall die Menschen, die sich nicht wehren können. Ein noch besseres Beispiel ist Asbest, dessen Gefährlichkeit bereits Anfang der dreißiger Jahre festgestellt wurde. Frei verkauft wurde es aber bis vor wenigen Jahren."

Negative Umweltbilanz durch Biogas

Weil mittlerweile oft mehrere Jahre nacheinander auf demselben Feld angebaut, zerstöre Mais - zunehmend als Brennstoff genutzt - als großer Humuszehrer den Boden. Das Wertvollste, was die Menschheit besitze, seien die landwirtschaftlichen Nutzflächen, die die Menschheit ernähren müssen. Aus Biogas lasse sich nur eine negative Umweltbilanz ziehen und genannte Wirtschafts-weise ruiniere die Grundlage für Ernährung. Dass Menschen verhungern, sei nur ein Problem der Verteilung: "Es werden zurzeit doppelt so viele Lebensmittel produziert wie man bräuchte. Veränderungen in der Natur gab es schon immer - aber nicht in einem so kurzen Zeitraum. Die Politik ignoriert aus wirtschaftlichen Interessen Naturgesetze. Und im Kapitalismus auf Selbstkontrolle zu setzen, ist so, als ob ich einen Fuchs zur Aufsicht in einen Hühnerstall sperre."

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