Ohne Angst vor Fusionen

23-31331837.jpg

von
10. Februar 2010, 06:59 Uhr

Sternberg/Brüel | Die meisten Gemeinden im Amt Sternberger Seenlandschaft fügen sich dem Zwang zur Ehe. Zu den ohnehin klammen Haushaltskassen kam jetzt die Hiobsbotschaft aus dem Innenministerium: An Gemeinden unter 500 Einwohner werden künftig 21 Euro weniger Schlüsselzuweisungen je Einwohner gezahlt.

Der Zwang zur Fusion wächst. Doch wie könnte sie aussehen? Langen Jarchow mit Zahrensdorf? Langen Jarchow, Zahrensdorf und Blankenberg? Oder gleich ein Anschluss an Brüel? Wie entscheiden sich die Weitendorfer, liegen sie doch zwischen Sternberg und Brüel? Wohin tendieren Witzin, Mustin, Kobrow und Hohen Pritz? Gleich zur Stadt Sternberg oder wird der Partner in der Nachbargemeinde gesucht? Und welche Gemeinde unter 500 Einwohnern kämpft weiter um ihre Selbstständigkeit?

Christa Richelieu ist Bürgermeisterin der kleinsten Gemeinde im Amtsbereich. In Langen Jarchow, Klein Jarchow und Häven wohnen 285 Menschen. Das sind 41 mehr als 1997. Doch die magische Zahl von 500 bleibt entfernt. "Wir werden in der Gemeindevertretung über eine mögliche Fusion reden, und wir werden einen Fahrplan aufstellen, damit wir gut darauf vorbereitet sind", sagt Christa Richelieu. Sie wolle aber dem Dorfparlament nicht vorgreifen, betont sie. Ihre ganz persönliche Meinung: "Wir grenzen an Thurow und Keez. Mir wäre ein Anschluss gleich an Brüel sehr sympathisch."

Blankenbergs Bürgermeister Peter Davids will das Thema im März auf die Tagesordnung der Gemeindevertretersitzung bringen. Auch er favorisiert wie seine Nachbarkollegin gleich eine endgültige Lösung. Die könnte es mit Brüel geben. "Wir wissen, dass es keinen Weg vorbei an der Fusion gibt. Wichtig ist, dass das normale Leben in den Dörfern weitergeht und das Interesse der Bürger gewahrt bleibt. Das muss in Ruhe vorbereitet werden", sagt Davids. Vorstellbar wären vielleicht Ortsbeiräte, meint er.

"Wir sind offen für Gespräche", erklärt Alfred Nuklies, Bürgermeister in Zahrensdorf, für das Dorfparlament. Die Gemeindevertreter wollen sich diesbezüglich jetzt auch einmal bei den Einwohnern umhören, weiß der Bürgermeister.

Keine Eile für eine Fusion sieht Weitendorfs Bürgermeister Bernd Knoll. "Wir sind finanziell nun ja nicht so aufgestellt, dass wir gleich morgen etwas verändern müssen", sagt er. Und nennt als weiteren Vorteil, dass sich in den vergangenen Jahren sehr viel in der Infrastruktur verändert habe. "Wir haben nebenbei natürlich auch schon mal darüber gesprochen. Wir werden sicherlich nicht mit einer anderen Gemeinde fusionieren, weil das keine Lösung wäre", so der Bürgermeister. Ob es die dann mit einem Anschluss an die Städte Brüel oder Sternberg geben könnte, wollte er nicht beantworten.

Mit Verweis darauf, "dass die Gemeinde finanziell noch einigermaßen aufgestellt ist", schiebt auch Witzins Bürgermeister Bruno Urbschat das Thema noch ein bisschen zur Seite. "Wir wollen solange wie möglich unsere Eigenständigkeit erhalten", begründet Urbschat.

Eigenständig bleiben wollen auch die Kobrower. "Das versuchen wir weiterhin. Es ist noch nichts anderes angedacht", sagt Kobrows Bürgermeister Olaf Schröder.

Für Bürgermeisterin Britta Täufer in Hohen Pritz gibt es dagegen schon einen möglichen Fusionspartner: Dabel. "Unsere Gemeinde hat unter 500 Einwohner. Auf der nächsten Gemeindevertretersitzung will ich das Thema konkret ansprechen. Wir arbeiten seit einigen Jahren gut mit Dabel zusammen. Daran orientieren wir uns", erklärt sie.

Eine Fusion mit den umliegenden Gemeinden wird es mit Berthold Löbel, Bürgermeister in Mustin, nicht geben. "Das Endergebnis heißt für mich Sternberg. Alles andere kostet Geld und Aufwand und bringt nichts", ist er sicher. Diese Meinung teilen auch die Gemeindevertreter, sagt er und dies vertrete er öffentlich auch vor den Einwohnern. Was eine Fusion betrifft, hat es Mustin allerdings nicht eilig. "Wir werden jetzt genau gucken. Wir wollen bei einer Fusion nicht nur beitreten, sondern kommen dann auch mit bestimmten Forderungen", sagt Löbel. Ein Beispiel ist für ihn der Fortbestand der Feuerwehr. Aktuell ist es für den Bürgermeister aber wichtig, betont er, das Gemeindeleben so lange wie möglich auf dem jetzigen Niveau zu halten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen